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Haban-Prozess: "Alles voll Blut"

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Prozess gegen Massimiliano F., der verdächtigt wird, den Geschäftsführer der Haban-Filiale am Graben erschossen zu haben, wurde am Freitag fortgesetzt.

Mit der Einvernahme jener beiden Angestellten, die am 9. Mai 1998 mitansehen mussten, wie Siegfried Goluch, der Geschäftsführer der Haban-Filiale am Graben, erschossen wurde, fand am Freitag im Wiener Landesgericht der Prozess gegen Massimiliano F. seine Fortsetzung. Der 33-Jährige soll einer der drei Täter gewesen sein, streitet dies aber ab. Der mutmaßliche Schütze hatte sich bis Dienstagabend in Italien auf freiem Fuß befunden: Seither sitzt Michele D. (30) in Haft, nachdem er wie berichtet einen Polizisten mit einem Porsche überfahren und zu Tode gebracht hatte.


“Ich bin in Sorge. Ich habe ein Gefühl der Benommenheit. Ich habe bemerkt, in welch gefährlichem Personenkreis ich mich bewegt habe. Ich möchte mit dieser Seite meines Lebens abschließen. Ich möchte nichts mehr aussagen“, nahm Massimiliano F. zur jüngsten Entwicklung Stellung.

Zeugenaussagen der Angestellten


Umso ausführlicher äußerten sich Ingeborg D. (59) und Andrea B. (35) – ein gebürtiger Italiener – zu dem inkriminierten Überfall, beide hatten jahrelang mit Siegfried Goluch zusammengearbeitet. Die Frau erinnerte sich, wie plötzlich eine „Unruhe im Raum“ entstanden war, während sie an jenem Samstag dem Ehepaar Hom-Rusch wertvolle Perlenketten präsentiert hatte: Unbekannte Männer hatten die Haban-Geschäftsstelle betreten.


Bald danach vernahm sie „einen Pumperer, wie wenn jemand über den Tisch springt“. Goluch habe darauf mit der rechten Hand unters Pult gegriffen, was einer der Täter offensichtlich als Versuch interpretierte, nach einer dort befindlichen Waffe zu greifen, schilderte die Zeugin dem Schwurgericht. Der Räuber machte ohne zu zögern von seinem eigenen Revolver Gebrauch.


„Er hat den Herrn Goluch am Krawattl in die Höhe gerissen, am Hinterkopf angesetzt und geschossen. Ich war ganz voll Blut. Alles war voll Blut, die Wände, die Telefone, alles“, schilderte die Verkäuferin, ehe sie zu weinen begann. „Zuerst war eine furchtbare Stille. Es war furchtbar. Ich kann bis heute keinen Lärm ertragen.“

Traumatisierte Angestellte


Ununterbrochen habe sie versucht, das Geschehen zu verdrängen: „Es ist nicht gegangen.“ Seit dem Mord ist Ingeborg D. in einer anderen Zweigstelle beschäftigt: „Ich konnte dort nicht mehr arbeiten. Ich war immer wie gelähmt, wenn ich nur am Eingang vorbei gegangen bin.“ Jahrelang war sie in therapeutischer Behandlung


Den Angeklagten konnte sie – ebenso wie ihr Kollege – nicht als Komplizen des Schützen identifizieren: „Ich war ja wie in Trance.“ Der jüngere Mitarbeiter hatte am Tag der Bluttat übrigens seinen 30. Geburtstag gefeiert und unmittelbar vor dem Verbrechen noch von Siegfried Goluch einen Geschenkgutschein erhalten. Auch mit Sekt wurde kurz angestoßen.


Auf einem Lichtbild, das Richter Peter Liebetreu kurzerhand beschaffen musste, weil im Zuge der gerichtlichen Voruntersuchung darauf scheinbar vergessen worden war, erkannte Ingeborg D. in Michele D. dann den Schützen wieder. „Diese Augen! Die vergess’ ich nicht“, meinte sie. Sie bezweifelte, dass sein Opfer noch Gelegenheit gehabt hätte, ein Wort zu sagen: „Die Augen waren starr nach oben gerichtet. Der war tot. Er hatte den halben Kopf weg.“


Am Ende ihrer Einvernahme wirkte die 59-Jährige erleichtert. „Eine Last ist abgefallen“, bestätigte sie.


Redaktion: Elisabeth Skoda

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