Gutachter Keppert erstmals am Wort

Am Nachmittag trat im BAWAG-Prozess erstmals der Buchsachverständige Thomas Keppert in Erscheinung.

Der Sachverständige versuchte vor allem in Erfahrung zu bringen, weshalb die in Irland etablierte BAWAG-Tochter BIF (BAWAG International Finance) nach 1998 nicht eine bestehende Option auf Wolfgang Flöttls Unternehmen Ross Capital Markets gezogen und dieses zu verwerten versucht hatte. Stattdessen gab die BAWAG einen Optionsverzicht ab. „Das kann ich nicht beantworten. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, teilte Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner dem Gutachter auf diesbezügliche Fragen mit.

Peter Nakowitz, der den Verzicht unterfertigt hatte, gab an, er habe dies nicht eigenmächtig getan, sondern auf eine entsprechende Anweisung: „Ich vermute, dass es mein unmittelbarer Vorgesetzter Elsner war.“ Nakowitz beeilte sich hinzuzufügen, er gehe davon aus, Elsner sei erst nach einem Vorstandsbeschluss an ihn herangetreten. Außerdem sei die Option auf eine Nebengesellschaft der Ross Capital Markets “überschrieben“ worden, so die Lesart des früheren BAWAG-Generalsekretärs.

Nach Einschätzung von Wolfgang Flöttl hatte seine Firma im Oktober 1998 einen Marktwert zwischen 20 und 40 Mio. US-Dollar, „wenn jemand da gewesen wäre, der sie sofort haben hätte wollen“. Eine Erklärung, weshalb die BAWAG darauf nicht zugriff, während sie seine Gemäldesammlung zu Geld machte, hatte Flöttl nicht. Es sei von der BAWAG auch nie verlangt worden, der Bank die Jahresabschlüsse der Ross Capital Markets zukommen zu lassen. Abgesehen von der BAWAG habe im Herbst 1998 der Kundenstock seiner Firma nur „aus privaten Freunden und meiner Familie“ bestanden, sagte Flöttl. Das Unternehmen gebe es heute noch, es übe jedoch keine Geschäftstätigkeit mehr aus.

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