Gutachten zur Hofreitschulen-Causa liegen vor

Die Abmachungen zur Ausbildung des Pferdes wurden teilweise nur mündlich gemacht.
Die Abmachungen zur Ausbildung des Pferdes wurden teilweise nur mündlich gemacht. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzenden Johann Marihart soll auf Kosten der Spanischen Hofreitschule den Lipizzaner-Hengst seiner Tochter zureiten haben lassen. Diesbezüglich liegen nun das Wirtschafts- und Rechtsgutachten vor.
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Im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Spanischen Hofreitschule - er soll auf Kosten der Hofreitschule einen Lipizzaner-Hengst seiner Tochter zureiten haben lassen - liegen nun die Ergebnisse der Wirtschafts- und Rechtsgutachten vor. Demnach sei sowohl der Verkauf des Hengstes als auch der Einstellungsvertrag zu marktüblichen Bedingungen erfolgt. Kritisiert wurde aber, dass Teile der Abmachungen nur mündlich erfolgt sind.

Zureiten von Pferd der Tochter auf Kosten der Hofreitschule

Die Causa rund um das Pferd "Maestoso Fantasca" begann, nachdem der Rechnungshof Ende Oktober in einem Bericht die Spanische Hofreitschule wegen schlechter Haltungsbedingungen und geringer wirtschaftlicher Leistung kritisiert hatte. Bald gab es weitere Vorwürfe, dass die Tochter des mittlerweile zurückgetretenen Aufsichtsratvorsitzenden, Johann Marihart, 2013 einen Lipizzanerhengst um 12.000 Euro von der Hofreitschule gekauft hat und diesen dann von der Institution ausbilden ließ.

Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen Marihart sowie gegen Elisabeth Gürtler, die ehemalige Geschäftsführerin der Hofreitschule, und den CO-Geschäftsführer Erwin Klissenbauer.

Verkaufspreis und Trainingskosten laut Gutachten "marktüblich"

Im Zuge der Ermittlungen wurden auf Anweisung des Eigentümers, dem Tourismusministerium, auch Gutachten eingeholt, um die wirtschaftlichen und rechtlichen Hintergründe hinsichtlich von Compliance -Regelungen zu klären. Der Wirtschaftsprüfer Wolfgang Dibiasi kam dabei zu dem Schluss, dass der Verkaufspreis von 12.000 Euro "marktüblich" gewesen sei, wie er bei einem Hintergrundgespräch am Mittwoch erörterte. Auch der Pferdeeinstellungsvertrag im Trainingszentrum Heidenberg um 700 Euro im Monat sowie 300 Euro für 30-minütiges Bewegen des Pferdes sechs Mal in der Woche bewege sich in der üblichen Range. Der Rechtsanwalt Stephan Steinhofer konnte in seinem Gutachten hier auch keine Verfehlung sehen.

Kritik: Schriftlicher Vertrag für Reitstunden fehlt

Bei einem anderen Aspekt ist die Lage weniger eindeutig: Die Tochter hat ihr Pferd nämlich der Spanischen Hofreitschule für insgesamt 171 Aufführungen zur Verfügung gestellt, ohne für die dafür erforderlichen Reitstunden des Hengstes einen schriftlichen Vertrag abzuschließen. "Die Vereinbarungen waren mündlich", sagte Steinhofer.

Kritiker sahen hier eine illegale Ausbildung des Tieres, durch die sein Marktwert deutlich gesteigert wurde. Dies ist aber nicht wirklich zutreffend: Die Spanische Hofreitschule ist nämlich derart einzigartig, dass es Steinhofer zufolge "keinen Markt für diese Tiere" gibt. "Maestoso Fantasca" ist zudem aufgrund seiner nicht optimalen physischen Konstitution auch nicht für die Zucht geeignet. Nichtsdestotrotz hätte dem Gutachten zufolge ein schriftlicher Vertrag geschlossen werden müssen.

Die Gutachten werden nun in die Gesamtrevision des Ministerium einfließen. Der interimistische Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Herzog will aber schon jetzt reagieren und auf Compliance-Regelungen drängen, "die über den gesetzlichen Vorgaben liegen".

(APA/Red)

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