Gustav Peichl: "Ich bin wirklich ein Oldie"

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Seit mehr als fünfzig Jahren macht Gustav Peichl politische Karikaturen. "Die Dinge wiederholen sich ununterbrochen", erzählt er. In drei Wochen wird er 80 Jahre alt.

“Manchmal, wenn ich etwas zeichne, holt eine meiner Mitarbeiterinnen etwas ganz ähnliches aus dem Archiv. Das kann fünf, zehn, zwanzig oder auch dreißig Jahre alt sein.” Genervt ist er von solchen Wiederholungen nicht. “Natürlich macht es mich wahnsinnig, aber was würde ich machen, wenn ich nicht wahnsinnig wäre?

Das ist ja was Schönes!” Drei Wochen vor seinem 80. Geburtstag am 18. März zollt er aber auch seinem Alter Tribut: “Man wird pflegeleichter, ich will mich nicht mehr ärgern und ich will mich auch nicht mehr anstrengen. Ich mache nur noch, was mir Freude macht.” Die Karikaturen für die die nächste Ausgabe von “Presse” und “Süddeutsche Zeitung” wurden kurz vor dem Interview verschickt.

Sich auch nach fünfzig Jahren immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen, fällt Peichl nicht schwer. “Ich mache mich frei damit, meine Zeichnungen über Zustände ersetzen mir den Psychiater.” Und schließlich kommen auch von der Politik immer wieder ungeahnte Höhen und Tiefen. “Das ist ja ein Unikat, wie da jetzt eine Regierungspartei mit der Opposition gegen die andere Regierungspartei vorgeht”, kommentierte er seine jüngste Karikatur für die “Presse”. Wie lange die Koalition noch hält? “Ich glaube, dass es auf jeden Fall Neuwahlen gibt, weil die können ja nicht weiter, aber mein Problem ist, dass sich auch dann nichts ändern wird.”

Für einen, der schon die erste Große Koalition miterlebte, hat die Vergangenheit als Lehrmeisterin einen hohen Stellenwert. Themen wie die Schulordnung habe er schon in Verbindung mit Sinowatz gezeichnet, ein Blick in seinen Sammelband “Das wahre Österreich” könnte so manchen Politiker heute vielleicht vor dem einen oder anderen Fettnäpfchen bewahren. “Ich bin ja wirklich ein Oldie”, sagte Peichl, der in den 1940er Jahren schon Stalin karikierte. “Meine Lieblinge sind natürlich die, mit denen ich angefangen hab. Raab, Figl, Kreisky, für den man die politische Karikatur hätte erfinden müssen, wenn es sie nicht schon gegeben hätte.” Wichtig sei nur ein interessantes Gesicht: “Und Politiker sind meistens interessante Persönlichkeiten – ein guter Politiker ist aber erst einer, wenn er sich auch gut karikieren lässt.”

Und eine gute Karikatur ist eine, bei der man auf den ersten Blick sieht, was los ist. “Da sehe ich eine Verwandtschaft mit der Architektur”, so Peichl, “die Vereinfachung in der Arbeit ist in beiden Disziplinen wichtig, je einfacher ein Grundriss ist, desto besser funktioniert er.” Gemeinsam sind ihnen auch die Fehlschläge. “Immer wenn ich etwas fertig habe, bin ich stolz darauf und froh, und die Leute ziehen ein und schimpfen, oder sie lesen Zeitung und schimpfen, alles wunderbar, aber dann, irgendwann, komm ich darauf, dass etwas anders besser gewesen wäre. Wer das bei seiner Arbeit nicht zugibt, der lügt einfach.”

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