Grusel-Verbrechen in Schweden: Arzt hielt Frau gefangen

Es hatte ein romantisches Date werden sollen. Doch was mit Champagner und in Schokolade getauchten Erdbeeren begann, endete für eine junge Schwedin mit einem Höllentrip. Tagelang soll ein Arzt sie in einem bunkerartigen Verlies in Südschweden gefangen gehalten haben. Ab Montag (25. Jänner) steht der Mann, den Medien "Schwedens Josef F." getauft haben, in Stockholm vor Gericht.


Die Beweggründe für seine perfide Tat: “Er wollte eine Freundin haben”, sagte Staatsanwalt Peter Claeson. Von nun an, so hatte es ihr Entführer wohl geplant, sollte die Frau ihm gehören. Jahrelang. Dass der Horror nur eine knappe Woche dauerte, hat sie einer verschlossenen Wohnungstür zu verdanken, die den Täter in Panik versetzte.

Der Allgemeinmediziner aus Schweden hatte der Anklage zufolge fünf Jahre lang an dem Bunker neben seinem Haus in der Region Schonen gebaut – einem schalldichten Gefängnis aus Beton, versehen mit zwei Sicherheitstüren und versteckt in einem unscheinbaren Holzhaus. Dann schritt der 38-jährige M. zur Tat. Mit der arglosen Frau verabredete er sich im September 2015 in deren Wohnung in Stockholm, überraschte seinen Flirt mit Champagner und Erdbeeren. Was die Frau nicht wusste: Die Früchte waren mit einem Betäubungsmittel getränkt, das sie bewusstlos machte.

“Wir gehen davon aus, dass er sie in der Wohnung vergewaltigt hat”, sagte Claeson. Anschließend soll er die betäubte Frau in einen Rollstuhl verfrachtet und im Auto nach Südschweden gefahren haben. Bei der Fahrt soll er für sich und sein Opfer zwei Gummimasken mit den Gesichtern einer alten Frau und eines alten Mannes benutzt haben. So wollte der Täter offenbar verhindern, erkannt zu werden.

In Schonen angekommen, sperrte der Täter sein Opfer in das karge Verlies. Wenn sie den Bunker etwa zum Duschen verließe, musste sie Handschellen tragen. Nachts legte sich M. zu ihr ins Bett. “Er wollte ungeschützten Sex mit ihr haben”, berichtete Staatsanwalt Claeson. Deshalb erfand er auch eine Identität für die Frau, ließ in dem Krankenhaus, in dem er arbeitete, Blutproben anfertigen – um sicherzugehen, dass sie keine ansteckenden Krankheiten hat. Er zwang sie, die Pille zu nehmen.

Weil der Arzt nach Überzeugung der Anklage plante, seine neue “Freundin” jahrelang gefangen zu halten, fuhr er ein paar Tage später zurück nach Stockholm, um ihre Sachen abzuholen. “Dort fand er die Wohnungstür verriegelt vor”, erzählte Claeson. Freunde hatten die junge Frau vermisst gemeldet. In so einem Fall tauscht die schwedische Polizei die Schlösser an der Wohnung aus, so dass die Verschwundene sich melden muss, wenn sie zurückkommt.

Dass die Frau gesucht wird, alarmierte den Täter. Er holte die Entführte aus dem Versteck und brachte sie zur Polizeiwache nach Stockholm. “Sie sollte der Polizei erzählen, dass sie in Ordnung und kein Opfer eines Verbrechens geworden ist”, sagte Claeson. Doch das Vorhaben ging schief. Ein Beamter wurde misstrauisch und nahm die Frau zur Seite, um allein mit ihr zu sprechen. “Da hat sie ihm die wahre Geschichte erzählt.”

Dass ihr Alptraum damit endete, hat nach Überzeugung des Staatsanwalts möglicherweise andere Frauen vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt. Denn der Mann soll weitere Entführungen geplant haben. Geahnt hatte das anscheinend niemand. M. galt laut schwedischen Medien als freundlicher und respektierter Arzt.

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