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Grüß Gott zum Tag der offenen Tür

Selten ist Gott so oft gegrüßt worden - Kanzler Faymann öffnete zum Nationalfeiertag die Pforten seines Büros und ließ dort keine Hand ungeschüttelt, keinen Gruß unerwidert. Hunderte stellten sich an, um einmal dem Regierungschef persönlich in die Augen zu schauen. Kritik am Kanzler gab es nicht, das einzige Interesse des Volkes galt der Signatur eines Kanzlerfotos durch die Kanzlerhand.

Unmittelbar nach der mittlerweile traditionellen Angelobungszeremonie am Heldenplatz wurden die Kanzler-Neugierigen ins Kanzleramt vorgelassen. Schlangen bis zur Hofburg bildeten sich vor lauter Volk, das möglichst schnell einen Blick hinter die Kulissen der Regierenden werfen wollte. Wer zu spät kam, wurde mit bewegten Bildern getröstet. Auf einem Riesenbildschirm konnten die langsameren Interessierten bewundern, wie Faymann den Schnelleren die Hand schüttelte.

Wiewohl sich der Kanzler seine Ehefrau, Staatssekretär Ostermayer, Frauenministerin Heinisch-Hosek und SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Rudas zur Unterstützung mitgebracht hatte, blieb ihm die Arbeit alleine – wer will schon eine Ministerhand schütteln, wenn die Finger des Kanzlers so greifbar nahe sind. Immerhin, ein paar Fans holten sich nach verschämten Fragen “Is das seine Frau?” dann doch noch ein Foto von sich und dem Ehepaar Faymann ab.

Ein wenig verwunderlich war, dass kaum jemand Wünsche an Faymann herantrug. Für die sehbehinderten Menschen möge er sich mehr einsetzen, einen esoterisch angehauchten Managementkurs besuchen – mehr war da nicht an Anregungen, die der Kanzler in seiner ersten Autogramm-Halbenstunde zu notieren hatte. Vielleicht war dem ein oder anderen aber auch die Lust auf Plaudern schon vergangen. Denn bis man endlich bei Faymann angelangt war, hieß es schon mindestens 20 Minuten anstehen.

Deutlich bescheidener war der Andrang in den anderen Ministerien, die ihre Tür am Nationalfeiertag offen hielten. Das Finanzministerium begnügte sich überhaupt mit einem Zelt am Heldenplatz, wo vor allem die Kuriositäten-Sammlung des Zolls für Vergnügen der Österreicher sorgte. Herausgeputzt hatte sich das Außenministerium. Die Fahnen der EU-Staaten sowie jene der Union zierten das Gebäude am Minoritenplatz. Zu bestaunen gab es eine Diashow mit Ressortchef Spindelegger, zu gewinnen Flugtickets.

Ein paar Häuser weiter galt es Unterrichts- und Wissenschaftsministerium zu begehen. Publikumsmagnet dort war das designte Büro von Unterrichtsministerin Schmied. Vor allem ihre bunte Bürosessel-Sammlung gab den weniger schüchternen Besuchern Gesprächsstoff. Den meisten genügte freilich ein Foto mit der Ministerin, das umgehend ausgedruckt wurde. Zumindest in der Anfangsphase des Besuchertags wenig Aufregung gab es für Wissenschaftsminister Hahn, dessen Gedanken derzeit wohl irgendwo zwischen Brüssel und Audimax kreisen. Nicht allzu viele Besucher machten den Eindruck, als würden sie den Ressortchef überhaupt erkennen.

Hunger musste im Ministerium keiner leiden. Fernseh-Koch Andreas Wojta hatte sein Minoritenstüberl für jene geöffnet, die von der Politik alleine nicht satt genug waren – und das waren nicht wenige.

Zu essen gab es freilich auch vor der Tür, selbst wenn am Nationalfeiertag nicht mehr freie Bahn für Würstel und Langos ist. Von Potatoe-Wedges bis Samosas gab es Kulinarisches aus aller Welt zu erwerben. Das Essen war freilich nur die Beilage. Denn noch ein wenig mehr Vergnügen bereitet am Nationalfeiertag offenbar die Heeresschau. Von einem Kletterturm bis zu Panzern und Hubschraubern – alles, was das Heer aufgeboten hatte, erfreute sich reger Beliebtheit des Publikums. Und so richtig hoch schlug das Patrioten-Herz, als die Edlseer in ihre Mikrofone tönten: “Rot-Weiß-Rot, die schönsten Farben für ein Land wie Österreich”.

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