Grüne orten neuen Pflegeskandal

Symbolbild Altenpflege &copy Bilderbox
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Die Gesundheistsprecherin der Grünen, Sigrid Pilz machte am Donnerstag neue Missstände im Wiener Pflegewesen publik. Zielscheibe der Vorwürfe ist ein Pflegeheim in Wien-Meidling - das Heim weist die Vorwürfe zurück.

Die Grünen orten neue Missstände im Wiener Pflegewesen. Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz (G) machte am Donnerstag eine Sachverhaltsdarstellung des Wiener Pflegeombudsmannes Werner Vogt publik, in der dieser gegenüber der Staatsanwaltschaft die Zustände in einem privaten Pflegeheim in Wien-Meidling beklagt. Die Vorwürfe aus dem März reichen bis hin zur „fahrlässigen Tötung“ eines Patienten.

Kritikpunkte

Die Kritikpunkte, zitierte Pilz den Pflegeombudsmann, sind zahlreich: Der Personalstock der Einrichtung sei unterdotiert, Medikamente und Verbandsmaterial nicht ausreichend, Antidekubitus-Matrazen gegen Wundliegen überhaupt nicht vorhanden. Die Insulindosis sei mangels Teststreifen bei Patienten nur geschätzt worden und einige hätten über Monate keine Dusche erhalten. Außerdem sei das Heim überbelegt: Obwohl ursprünglich auf 46 Personen ausgelegt, würden heute über 60 betreut.

Als Beispiele nannte Pilz eine Patientin, die mehrere Tage mit einem unbehandelten Oberschenkelhalsbruch hätte liegen müssen, bevor sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Ein weiterer Bewohner sei verstorben und erst 48 Stunden später von seinem Sohn gefunden worden.

Fahrlässige Tötung?

Der gravierendste Fall aber sei ein Patient, dessen Lungenentzündung nicht erkannt und die Nahrung weiterhin oral verabreicht worden sei. Die Folge sei ein qualvoller Erstickungstod gewesen. Hier müsse man sogar von fahrlässiger Tötung reden, so Pilz.

Sie werde deshalb in der Gemeinderatssitzung am 24. Mai einen genauen Bericht über die Behördenkontrollen von der zuständigen Stadträtin Renate Brauner (S) fordern, kündigte Pilz an. Zwar seien bei den regelmäßigen Überprüfungen des Heimes durch die Magistratsabteilung für Gesundheitsweisen (MA 15) die Missstände auch schon vor Vogts Kritik aufgefallen. Dennoch habe Brauner keine Sperre des Heimes angeordnet. Pilz verlangte nun Aufklärung darüber, welche Auflagen erteilt und umgesetzt wurden.

Pflegeheim weist Vorwürfe zurück


Als „völlig unkonkret“ bezeichnet die Geschäftsführung des privaten Wiener Pflegeheims in Meidling jene Vorwürfe, die die Wiener Grünen am Donnerstag publik gemacht hatten. Diese lägen außerdem „schon jahrelang zurück“ und seien heute nicht mehr verifizierbar, heißt es in einem – der APA vorliegenden – Schreiben an die Grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz.


Zwar habe es Beschwerden von Bewohnern gegeben, der Großteil der Patienten sei jedoch mit der Betreuung zufrieden. Wenn „organisatorische Unzulänglichkeiten vorhanden waren“, seien diese unter der beständigen Kontrollen der zuständigen Behörde abgestellt wurden.


Auch die Kritik am angeblich fehlenden Pflegepersonal laufe ins Leere: „Der derzeitige Personalstand entspricht betreffend Qualität und Quantität den gesetzlichen und organisatorischen Erfordernissen“, heißt es weiter. Außerdem habe es in der zehnjährigen Geschichte des Hauses nie strafrechtliche Verurteilungen einer handelnden Person gegeben.

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