Grüne fordern mehr bilinguale Klassen

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Schulsprecherin Jerusalem: Zügiger Ausbau von türkisch-deutschen und bosnisch/serbisch/kroatisch-deutschen Angeboten - Schulversuch mit trilingualem Unterricht.

Einen zügigen Ausbau von bilingualen Klassen mit türkisch-deutschem sowie bosnisch/serbisch/kroatisch-deutschen Angeboten im Pflichtschulbereich fordern die Wiener Grünen. In einem Schulversuch solle außerdem als Pilotmodell eine dreisprachige Klasse erprobt werden, wobei zu den genannten Sprachen noch Englisch kommen könne, betonte Schulsprecherin Susanne Jerusalem bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Mehr Wert will sie auch auf das interkulturelle Lernen und den muttersprachlichen Unterricht legen.

Gleichbehandlung der Migrantenkinder gefordert

Derzeit existieren in Wien nur je ein bilinguales Angebot mit Türkisch (Brigittenau) bzw. Bosnisch/Serbisch/Kroatisch (Favoriten), hingegen 50 bis 60 mit den Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch. Bilingualer Unterricht bedeutet, dass die Hälfte des Unterrichts in der einen Sprache stattfindet und die andere Hälfte in der anderen – dazu nötig sind natürlich „native speaker“ und zusätzliche Ressourcen für den erhöhten Lehrerbedarf. Sie sehe nicht ein, warum Migrantenkinder anders behandelt werden sollten als Kinder von Diplomaten, für die es durchaus bilinguale Angebote gebe.

Als Vorbild für den Schulversuch mit trilingualem Angebot sieht Jerusalem einen Kindergarten in Ferlach (Kärnten), wo es einen dreisprachigen Kindergarten gibt. Stärker verankern will sie das derzeitige Unterrichtsprinzip Interkulturelles Lernen, das im Moment in der Lehrerausbildung kaum eine Rolle spiele.

Gängige Praxis stößt sauer auf

Ein Dorn im Auge ist der Grünen Schulsprecherin die Praxis vieler Direktoren, manche Klassen mit vielen Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache aufzufüllen, um in Parallelklassen mehr Jugendliche mit deutscher Muttersprache unter sich zu haben. Auch die Vorgangsweise, für Schüler mit mangelhaften Sprachkenntnissen noch vor Ablauf der zweijährigen Möglichkeit, diese als außerordentliche Schüler zu behandeln (und deshalb nicht zu benoten), sonderpädagogischen Förderbedarf zu beantragen, sei nicht hilfreich. Zwar würden den Schulen dadurch mehr Lehrer bewilligt, das Kind selbst könne aber auf diesem Weg keinen ordentlichen Hauptschulabschluss erlangen.

Nicht verzichtet werden darf nach Ansicht Jerusalems außerdem auf muttersprachlichen Zusatzunterricht. Wenn die volle Entwicklung der Muttersprache inklusive Grammatik nicht erfolge, könne dies fatale Folgen für das Erlernen von Deutsch haben. Deshalb seien auch die Vorschriften an vielen Schulen, in den Pausen ausschließlich Deutsch zu sprechen, kontraproduktiv.

“Eine gute und sinnvolle Sache”

Für den Bildungssprecher der Wiener SPÖ, Heinz Vettermann, sind mehrsprachige Schulen, muttersprachlicher Zusatzunterricht und interkultureller Unterricht ebenfalls „eine gute und sinnvolle Sache“ – nur habe man für einen Ausbau nicht genügend Ressourcen. „Die Wiener Grünen sind deshalb eingeladen, sich mit der Stadt beim Bund vehement für mehr Lehrerposten einzusetzen“, so Vettermann in einer Aussendung.

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