Grüne fordern bessere Chancen für Flüchtlinge in Mangelberufen

Gegen Mangelberufe: Grünen-Politiker Rudi Anschober will Flüchtlinge mindestens eine Lehre und einen zweijährigen Berufseinstieg machen lassen.
Gegen Mangelberufe: Grünen-Politiker Rudi Anschober will Flüchtlinge mindestens eine Lehre und einen zweijährigen Berufseinstieg machen lassen. ©APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER
Der oberösterreichische Integrationslandesrat Rudolf Anschober (Grüne) will Flüchtlingen den Abschluss einer Lehre in Mangelberufen ermöglichen. Derzeit werden solche Ausbildungen oftmals durch drohende Abschiebung unterbrochen.

“Verrückt” nannte Anschober bei einer Pressekonferenz in Wien diese Vorgangsweise. Seit 2015 ist der Lehrstellenmarkt für Asylwerber bei Mangelberufen geöffnet. Das Hindernis ist, dass bei negativen Bescheiden trotzdem eine Abschiebung erfolgt, der Flüchtling die Lehre also nicht abschließen kann.

50 Lehrlinge sollen abgeschoben werden

Aktuell sind laut Anschober alleine in Oberösterreich rund 50 dieser Lehrlinge mit einem negativen Bescheid in erster Instanz konfrontiert. Die Zahl ist nicht niedrig angesichts von insgesamt 294 Asylwerbern, die derzeit in Oberösterreich eine dieser Lehren absolvieren. Österreichweit sind es übrigens 727, zum überwiegenden Teil Männer.

Anschober plädiert nun dafür, das deutsche System zu übernehmen. Dort können Flüchtlinge drei Jahre in Lehre gehen und dann noch zwei Jahre am Arbeitsmarkt tätig werden, ohne von Abschiebung bedroht zu sein. Bewährt sich das Dienstverhältnis, ist auch ein weiterer Verbleib an der Arbeitsstelle möglich.

Lehre fördere Integration

Schauspielerin Katharina Stemberger, die auch als Vorstandsvorsitzende des Integrationshauses tätig ist, betonte die Notwendigkeit von geordneten Tagesstrukturen gerade für junge Flüchtlinge, die eben über eine Tätigkeit geschaffen würden. Auch brauche man Asylwerbern gleich gar keine Sprachkurse anbieten, wenn diese die Sprache dann im Alltag nicht anwenden könnten.

Der frühere Raiffeisen-Generalsekretär, ÖVP-Abgeordnete und Flüchtlingskoordinator Ferdinand Maier trat bei der Pressekonferenz dafür ein, grundsätzlich den Arbeitsmarkt für Asylwerber nach sechs Monaten zu öffnen, wie dies derzeit als Vorschlag im Europäischen Parlament liege. Auch das wäre Teil von Integrationspolitik im Gegensatz zu dem, was die Regierung betreibe – denn das sei reine Rückführungspolitik.

Abschiebung nach Afghanistan in Kritik

Kritisch betrachtet wurden auch zunehmende Abschiebungen nach Afghanistan, wie sie auch einem bei der Pressekonferenz anwesenden Mangelberuf-Lehrling droht, obwohl dieser in einem iranischen Flüchtlingslager aufgewachsen ist und das Land nach eigenen Angaben überhaupt nicht kennt. Maier erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Deutschland und Frankreich keine Abschiebungen mehr nach Afghanistan durchführten. Stemberger wiederum verwies auf die eindringlichen Reisewarnungen des Außenministeriums Afghanistan betreffend. Das passe nicht zu Entscheidungen, wonach Flüchtlingen eine Rückkehr dorthin zumutbar sei.

Kneissl verweist auf Richtersprüche

Der Schlüssel liege zweifelsfrei in schnelleren Asylverfahren, so Kneissl: “Je schneller Klarheit herrsche, desto besser ist es für alle Beteiligten.” Die “Masse an Asylwerbern”, die im Rahmen der Flüchtlingskrise seit 2015 nach Österreich gekommen sei, mache aber schnelle Asylverfahren trotz einer massiven Aufstockung des Personals im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl unmöglich. Man müsse den jugendlichen Asylwerbern klar kommunizieren, dass ihnen trotz Lehre die Abschiebung drohen könne und das Ausbildungsverhältnis sie davor nicht schütze.

Zahlreiche Projekte für Flüchtlinge

In ihrem Ressort würden zahlreiche Projekte unterstützt, die asylberechtigten Jugendlichen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt und bei der Suche nach einer Lehrstelle helfen, auch in Kooperation mit Unternehmen. Auf diese Jugendlichen, deren Asylverfahren bereits abgeschlossen sei und die somit langfristig in Österreich bleiben könnten, “sollten wir unsere Integrationsbemühungen fokussieren”, findet Kneissl.

(APA/Red.)

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