Großteil würde Privatsphäre für Kinderschutz im Internet einschränken

Das Internet ist Thema in einer Umfrage.
Das Internet ist Thema in einer Umfrage. ©pixabay.com (Symbolbild)
Das Kinderschuntznetzwerk ECPAT hat am Mittwoch verlangt, dass Datenschutz dem Verhindern von Kindesmissbrauch im Netz nicht im Weg stehen soll.
Aufruf für Schutz von Kindern

Tools, die Online-Plattformen nach Missbrauchsfällen durchsuchen, sollten laut ECPAT-Österreich Geschäftsführerin Astrid Winkler "in eine permanente gesetzliche Regelung auf EU-Ebene" gegossen werden. Eine von der Organisation vorgestellte Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung das begrüßen würden.

Tools auf der Suche nach Straftaten

Rechtsvorschriften, um Technologieunternehmen dazu zu verpflichten, Tools zur Erkennung von sexuellem Kindesmissbrauch im Internet einzusetzen, prüft die EU derzeit. Diese Tools durchsuchen mithilfe von Algorithmen Nachrichten und Bilder nach dokumentierten Straftaten, die in einer internationalen Datenbank zu finden sind. "Das bedeutet nicht, dass jemand in Chat-Nachrichten schaut", versicherte die stellvertretende Geschäftsführerin von ECPAT International Dorothea Czarnecki. Auch "Babyfotos in der Badewanne" seien also nicht betroffen. Die Tools seien notwendig, um die Strafverfolgung in Gang zu bringen, Täter zu ahnden und Opfer zu identifizieren.

Meinung zu Privatsphäre im INternet

Mit einer Umfrage in acht europäischen Ländern will die Organisation zeigen, dass sich die europäische Bevölkerung ebenfalls für Kinderschutz im Netz ausspricht: 76 Prozent der Befragten sind nämlich gewillt, einen Teil ihrer Privatsphäre aufzugeben, um das Scannen nach Kindesmissbrauch möglich zu machen. Sieben von zehn Personen sind ohnehin der Ansicht, dass es keine oder nur wenig Privatsphäre im Internet gibt. 73 Prozent glauben außerdem, dass sich Kinder nicht im Internet aufhalten können, ohne auf Erwachsene zu treffen, die ihnen schaden wollen. 68 Prozent wiederum befürworten die Pläne der EU, neue Rechtsvorschriften für private Unternehmen zur Aufdeckung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu erlassen. Angesprochen darauf, dass es bereits Tools gebe, um Missbrauch aufzudecken, diese aber nicht automatisch eingesetzt werden, reagierten viele Befragten wütend, sagte Czarnecki.

Czarnecki ortet "starke Lobby von Datenschützern"

Eine "starke Lobby von Datenschützern", die sich für die Privatsphäre einsetzt, steht dem Kinderschutz im Netz gegenüber, erklärte Czarnecki. Die Annahme, dass Datenschutz im Widerspruch zu Kinderschutz stehe, beruhe allerdings nicht auf Tatsachen. Bei einer EU-Regelung soll es Absicherungen geben, sagte Winkler, damit nicht nach "allem Möglichem" gesucht werden kann.

Die Datenschutzrichtlinie der EU, die Ende 2020 in Kraft trat, habe den freiwilligen Einsatz dieser Tools in eine rechtliche Grauzone verlagert. Auch Facebook, wo sich laut Czarnecki ein Großteil des Missbrauchsmaterials außerhalb des Darknets finde, habe die Tools ausgesetzt. 58 Prozent weniger Meldungen aus EU-Ländern verzeichnete man in den ersten drei Monaten danach. Derzeit ist eine Übergangsregelung in Kraft, die ein Screening nach Missbrauchsdarstellungen wieder ermöglicht.

(APA/Red)

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