Großprojekt am Neusiedler See: Greenpeace-Protest vor ungarischer Botschaft in Wien

Beim Greenpeace-Protest vor der ungarischen Botschaft
Beim Greenpeace-Protest vor der ungarischen Botschaft ©Mitja Kobal / Greenpeace
Protest in der Wiener Innenstadt: Gegen ein umstrittenes Tourismusprojekt im Bereich Neusiedler See hat es am Dienstag vor der ungarischen Botschaft eine Greenpeace-Aktion gegeben.
Bilder vom Greenpeace-Protest
Bau-Großprojekt unter Beschuss

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Dienstagvormittag bei der ungarischen Botschaft in Wien für einen Stopp eines umstrittenen riesigen Tourismusprojekts am ungarischen Teil des Neusiedler Sees demonstriert. Das von der ungarischen Regierung auf 60 Hektar mitten im Nationalpark vorangetriebene Bauvorhaben gefährde den UNESCO-Welterbestatus des mehrfach geschützten Steppensees. Kritik am Projekt kam auch vonseiten der Umweltsprecherin der Grünen, Astrid Rössler.

Protest: Greenpeace-Aktivisten besetzten Balkon ungarischer Botschaft

15 Aktivistinnen und Aktivisten protestierten bei der Botschaft für einen sofortigen Baustopp. Drei der Umweltschützer "besetzten" nach Angaben von Greenpeace einen Balkon und brachten dort ein Transparent an. Die Aufschrift lautete: "Keine Umweltzerstörung am Neusiedlersee". Die Polizei war wegen der nicht angezeigten Versammlung an Ort und Stelle.

Vier Aktivisten von der Polizei angezeigt

Laut Polizeisprecherin Barbara Gass wurde unter Aufsicht der Polizei ein kurzer Dialog zwischen den Aktivisten und dem Botschafter Andor Nagy geführt. Gegen 10:30 Uhr wurde die Protestaktion friedlich beendet. Es gab vier Anzeigen gegen Aktivisten wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Umweltschützer wollen riesiges Neusiedler See-Bauprojekt stoppen

Eine Fläche von umgerechnet rund 80 Fußballfeldern solle in Fertőrákos für ein Vier-Sterne-Hotel mit 100 Zimmern, ein Parkhaus mit 880 Stellplätzen und einen Jachthafen mit 850 Bootsliegeplätze "zerstört werden", kritisierten die Umweltschützer. Es handle sich um das derzeit größte Bauprojekt in der Region. Greenpeace beobachtet aber auch einige geplante Bauvorhaben auf österreichischer Seite mit großer Sorge.

"Die Vorgehensweise der ungarischen Regierung ist inakzeptabel. Ungarn behauptet, dass das Bauprojekt keine Auswirkungen auf Österreich hätte. Das ist nicht nachvollziehbar, denn die Baustelle liegt nur knapp einen Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt", sagte Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster.

"Maßlose Zerstörung im Nationalpark": 20.000 Unterschriften gegen Bauprojekt

Eine Petition gegen das Projekt habe in nur zwei Wochen schon knapp 20.000 Unterschriften erhalten. "Die Menschen sind zutiefst besorgt über die maßlose Zerstörung im Nationalpark", so Schuster. Vor allem die Vogelwelt würde massiv leiden. "Gegen die Renovierung des bestehenden Strandbades hätten wir nichts einzuwenden. Aber das geplante Projekt ist einfach viel zu groß, versiegelt eine enorme Fläche und gefährdet nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch den Welterbe- und den Nationalparkstatus der Region", stellte die Sprecherin fest.

Gefordert wird außerdem die umgehende Übermittlung aller Informationen über das Bauprojekt durch die ungarischen Behörden an die Öffentlichkeit und die österreichische Regierung. Das sei trotz des Baubeginns vor einigen Wochen immer noch nicht geschehen.

Rössler mit Neusiedlersee-Tourismusprojekt unzufrieden

Die Umweltsprecherin der Grünen, Astrid Rössler, kritisierte das geplante Tourismusprojekt im ungarischen Teil des Neusiedler Sees. Es stehe in direktem Widerspruch zu den Klima- und Artenschutzzielen Österreichs und der EU. "Megaprojekte wie diese, noch dazu in einem Nationalpark, sind absolut zukunftsfeindlich". Ein grenzüberschreitender Dialog solle die Folgen des Projekts auf das UNESCO-Welterbe klären.

Die burgenländischen Grünen wären seit zwei Jahren in Zusammenarbeit mit ungarischen Umwelt-NGOs gegen das Megaprojekt in Fertörakos aktiv, eine Redimensionierung des Bauvorhabens werde gefordert. Die Klubobfrau der burgenländischen Grünen, Regina Petrik, forderte hinsichtlich des Welterbestatus für das gesamte Seeufer inklusive der österreichischen Seite verbindliche Baurichtlinien zum Schutz der Natur und dem Erhalt der regionaltypischen Landschaft.

(APA/Red)

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