Großes Staunen und Raunzen

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Wenn es - so zusagen außertourlich - etwas anzuschauen gibt, dann ist der Wiener mit Feuereifer bei der Sache. Er kann allerdings auch ganz schön „fuchtig“ werden, wenn man ihm diese kleine Freude verderben will.

Am Donnerstag, so gegen 8.30 Uhr, ist am Schwarzenbergplatz jedenfalls noch alles in bester Laune ergo Ordnung. Hunderte Schaulustige haben es sich hinter den Absperrungen bequem gemacht und wollen eigentlich nur eines: Den Putin sehen, wie er beim „Russen-Denkmal“ einen Kranz niederlegt.

An der Außenmauer des Unteren Belvederes machen die perfekt adjustierten Garde-Soldaten erste Aufwärmübungen, auf Hochglanz polierte Blasinstrumente funkeln in der Morgensonne. Nur Auserwählte dürfen die Eisenbarrieren passieren, und da ohne ein bisserl Neid in Wien fast gar nichts geht, steht vielen, denen das nicht erlaubt ist, ein deutliches „Ja, darf der denn des?“ ins Gesicht geschrieben.

In den Wiener Dialekt mischt sich immer häufiger auch Konversation in russischer Sprache, adrett gekleidete Schulkinder mit weiß-blau-roten Fähnchen am Revers nehmen Aufstellung. „Da schau, da ist er! Na, schau doch!“ Eine dunkle Limousine bahnt sich seinen Weg durch die Engstelle am Rennweg auf Höhe des Hochstrahlbrunnens. „Das ist der Panzerwagen vom Putin“, klärt ein Mann seine Gattin auf. „Aber da sitzt ja gar niemand drinnen.“ „Natürlich sitzt da noch niemand drinnen, der fährt ja jetzt erst zum Hotel.“

Die Straßenbahnstation des 71ers ist gegen 9.00 Uhr als solche kaum noch zu erkennen. Ein eifriger Reporter mit Mikrofon fasst sich ein Herz: „Was denken sie über den Besuch von Präsident Putin?“ Eine wienerischere Antwort hätte er von dem älteren Herrn mit dem leicht grantigen Blick kaum bekommen können: „Hean’s, mir is des völlig wurscht, wer do kummt. I hob zwa wehe Fiaß, und weil die Straßenbahn g’sperrt is, muss i jetzt bis runter am Ring hatschen.“

Neben der Frau, die einen Schaltkasten erklommen hat und via Mini-Transparent die selbst gebastelte Botschaft „Willkommen Mr. Präsident Putin“ verkündet, wird eifrig über Weltpolitik diskutiert. „Wissen’S“, resümiert eine Diskutantin, „ich kenn mich ja mit Politik nicht so aus und es interessiert mich auch nicht sonderlich, aber ich bin der festen Überzeugung: Auf allen Seiten werden Fehler gemacht.“

Um 9.15 Uhr kamen dann die uniformierten Spaßverderber: „Bitte, meine Herrschaften, auf die andere Straßenseite, nein, die Station wird gesperrt, da können sie nicht stehen bleiben.“ Drüben, beim Stadtkino, dann gleich die nächste Enttäuschung: „Hier herrscht Platzverbot, bitte nach links oder nach hinten in die Gasse.“ Das reichte, ab jetzt war man schwer beleidigt. „Frechheit“, „Das wird ja immer schärfer“, waren noch die freundlichsten Reaktionen. Aber glücklicherweise war da ein Polizist, der mit ausgebreiteten Armen die – zugegeben etwas holprige – Erklärung für alles lieferte: „Tja, das ist direkte Demokratie. Sie haben sich bei der Wahl entschieden, dass das hier so geschieht.“

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