Grüne: Wiener Schüler bleiben mit Problemen alleine

In wenigen Wochen kehren die Schüler in der Bundeshauptstadt zurück in die Klassenzimmer. Und mit ihnen auch mitunter schwerwiegende Probleme: Gewalt, Drogen oder Lernschwierigkeiten gehören zum Schulalltag.

Betreuung im Rahmen der Schulpsychologie kann hier nur sehr bedingt Abhilfe schaffen: Die Möglichkeit zu Hilfestellung sei aufgrund gravierender Unterbesetzung von Psychologen nur eingeschränkt bis gar nicht gegeben, prangerte die Schul-Sprecherin der Wiener Grünen Susanne Jerusalem am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wien die aktuelle Situation an. 
 
Derzeit stünden für die rund 220.000 Wiener Schüler nur 25 Schulpsychologen zur Verfügung. Im Durchschnitt hätte sich damit jeder von ihnen um rund 8.800 Heranwachsende und ihre Probleme zu kümmern. Es läge auf der Hand, dass dies entschieden zu wenig sei, sagte Jerusalem. In der Regel sei die Zeit ihrer Anwesenheit damit ausgefüllt, festzustellen, ob Schüler einen pädagogischen Sonderbedarf hätten. Für das Eingehen auf Schüler, die mit Gewalt in der Familie, Missbrauch, Selbstmordgefährdung oder sonstigen Stressfaktoren zu kämpfen hätten, bliebe dabei keine Zeit. Im Bereich der schulischen Sozialarbeit bestünde das gleiche Problem, für tiefergehende und präventive Betreuung seien die Ressourcen zu knapp. 
 
Dass es akuten Handlungsbedarf gibt, zeigte für die Politikerin ein Projekt an einer Hauptschule in Wien-Hernals. Dort gab es zwischen von 2001 und 2004 eine täglich anwesende Sozialarbeiterin. Diese sei permanent Anlaufstelle bei den angeführten Problemen gewesen und von den Betroffenen auch tatsächlich in Anspruch genommen worden. Nach Einstellen von Zahlungen aus Brüssel sei das EU-geförderte Projekt jedoch eingestellt worden. Es läge somit an Bund und der Stadt Wien, Mittel für derartige Einrichtungen flüssig zu machen. 
 
Konkret fordern die Grünen Wien für jeden Schulstandort einen Psychologen und einen Sozialarbeiter. Für beide Gruppen seien 200 Planstellen angepeilt, so Jerusalem. Ein eigens für ihre Tätigkeit eingerichteter Raum solle die ständige Erreichbarkeit gewährleisten, die für alle Schulpartner direkt und unbürokratisch sein müsse. Als Vorbild nannte die Schul-Sprecherin Finnland, wo dies bereits an jeder Schule der Fall sei. In Schweden hingegen könne jeder Jugendliche, dessen Eltern mit Alkoholproblemen kämpften, auf Hilfe von schulpsychologischer Seite zählen.

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