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Gourmetessen für Wiener Obdachloseneinrichtung

Bekannt wurde der Wiener Obdachlosenverein „neunerHaus“, als ihm im Februar Sozialminister Erwin Buchinger (S) Bart und Haartolle opferte und dafür Spendengelder eintrieb.

Und die Organisation beschreitet weiterhin unkonventionelle Wege bei der Spendenakquirierung: Derzeit haben 22 Wiener Lokale ein „neunerMenü“ auf ihrer Speisekarte, dessen Reinerlös dem Verein zugute kommt.

Die Aktion solle im Mai weiterlaufen, kündigte Geschäftsführer Michael Walk am Donnerstag an. Ziel sei, diese im Herbst wiederaufleben zu lassen. Auch einer Dauereinrichtung der Sozialaktion steht man offen gegenüber, wenn die Wirte dies wünschen.

Man sei eben erst 2001 entstanden und mithin ein junger Verein, der Neues ausprobiere, so Geschäftsführer Markus Reiter. Dabei setzt man mit dem neunerMenü nicht das erste Mal auf Gourmets als Spender. Das Kochbuch „Haubenküche zum Beislpreis“ ist mittlerweile in vier Ausgaben erhältlich und versammelt Rezepte mit je fünf Euro teuren Zutaten.

Wohnungslose hätten meist nicht mehr als diese Summe am Tag für Essen über, erläuterte Walk die Idee. Und das Kochkonvolut ist ein Erfolg, zumal bereits 50.000 Exemplare verkauft wurden.

Auch hier kommt der Reinerlös dem Verein zu Gute. Dieser finanziert damit das Projekt „neunerHausarzt“, in dessen Rahmen vier Allgemeinmediziner ihre Dienste in Wiener Obdachloseneinrichtungen versehen. Darüber hinaus betreibt der Verein selbst eine Dauerwohneinrichtung und ein zweites Haus, das als Einrichtung zum Übergangswohnen gedacht ist.

Im Oktober soll ein drittes Haus für alte Wohnungslose hinzukommen. „Wir verstehen uns nicht als Dienstleister, sondern als Interessensvertreter“, stellte Reiter zugleich klar.

Dementsprechend eindeutig unterstützte der Vereinschef auch die Idee einer Freifahrt für Obdachlose im öffentlichen Nahverkehr, wie sie nach dem Beschluss der SPÖ auf ihrem Landesparteitag in Wien diskutiert wird. „Das fordern wir seit Jahren“, so Reiter. Wichtig sei jedenfalls, dass die von Bürgermeister Michael Häupl (S) angekündigte Arbeitsgruppe zum Thema auch die betroffenen Institutionen und Experten einbinde. Er und seine Organisation stünden bereit: „Ich hoffe, dass es nicht eine reine SPÖ-Arbeitsgruppe sein wird.“

Die 12.500 Euro, welche Buchingers Rasur eingebracht hatte, sind übrigens bereits investiert: Sie flossen großteils in die Sanierung der Toiletten im neunerHaus in Wien-Landstraße.

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