Gotthard-Durchschlag erfolgt - Österreicher als erster durch

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Der längste Tunnel der Welt ist am Freitag in der Schweiz mit kräftiger österreichischer Hilfe durchstoßen worden.
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Um 14.17 Uhr fräste in etwa 800 Metern Tiefe die Tunnelbohrmaschine “Sissi” das letzte Gestein weg. Damit ist nach mehr als zehn Jahren Bauzeit der Weg frei für einen 57 Kilometer langen Eisenbahntunnel, in dessen zwei Röhren ab 2017 der meiste Güterverkehr durch die Alpen auf der Schiene transportiert werden soll. Der Schweizer Tunnel löst den japanischen Seikan-Tunnel (53,9 Kilometer) als längsten Tunnel der Welt ab.

Erster Mensch, der durch das neu gebohrte Loch unter Tag stieg, war der Kärntner Hubert Bär, Polier und Partieleiter der Tunnelbauer. Er kletterte durch die riesige Tunnelbohrmaschine vom Süden in den Nordabschnitt.

Der Mölltaler, seit neun Jahren im Schweizer Tunnelbau tätig, ist nur einer von vielen Österreichern, die sich durch den Berg bohren. Bär trug mit sich eine hölzerne Statue der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer, und stellte sie in einen Schrein zu den Bildern der acht beim Bau getöteten Bauarbeiter. Bei der anschließenden Feier im Stollen mit knallenden Korken und Feuerwerk wurde neben der Schweizer Fahne und der Fahne des Kantons Graubünden auch die rot-weiß-rote Fahne geschwenkt.

Beim Bau der Riesenröhren kommen auch zahlreiche österreichische Bau- und Zulieferfirmen zum Zug, darunter die Strabag und die Alpine Bau. Für den Baukonzern Strabag macht das Gesamtvolumen am Gotthard seit 2002 über eine Milliarde Schweizer Franken aus.

Von den fünf Teilabschnitten stellt das TAT Konsortium, an dem die Salzburger Alpine Bau 25 Prozent Anteil hat, die Teilabschnitte Bodio (15 km) und Faido (14 km) her. Das Auftragsvolumen dieser Abschnitte beläuft sich auf 1,48 Mrd. Franken (1,106 Mrd. Euro), auf die Alpine entfällt also ein Viertel. Weiters hat die Alpine im Rahmen des Konsortiums Transtec Gotthard auch die Ausschreibung für den Einbau der bahntechnischen Anlagen gewonnen. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 1,68 Mrd. Schweizer Franken.

Das Jahrhundertbauwerk ist Teil der europäischen Transportnetze, für die die Schweiz an Tunnelprojekten etwa 15 Milliarden Euro ausgibt. Allein der Gotthard-Basistunnel wird etwa zehn Milliarden Franken (7,4 Milliarden Euro) kosten. Nach dem Ausbau des Tunnels soll es ab 2017 eine schnelle Eisenbahnverbindung von der Nordsee bis ans Mittelmeer geben.

Die EU-Verkehrsminister verfolgten den Durchstich via Fernsehen in Luxemburg und beglückwünschten die Schweiz. Die Schweiz musste die EU einst davon überzeugen, dass der Schwerverkehr zum allergrößten Teil nur über die Schiene abgewickelt werden kann. In Luxemburg bezeichnete EU-Verkehrskommissar Siim Kallas das Projekt als besonders bedeutsam. Er sprach von hoher Anerkennung der EU für die Schweiz.

Die Durchschlagsstelle befindet sich 27 Kilometer vom Nordportal im Kanton Uri und 30 Kilometer vom Südportal im Tessin entfernt. Der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger bezeichnete das Bauwerk als eines der größten Umweltprojekte des Kontinents. Mehr als 2000 Bergarbeiter arbeiteten daran mit, acht von ihnen kamen ums Leben.

Seit 1882 gibt es am Gotthard-Massiv eine Tunnelröhre für die Eisenbahn, seit 1980 den 16,3 Kilometer langen Gotthard-Straßentunnel. Der Basistunnel soll diese Wege durch die Alpen ergänzen. Die Züge werden in den beiden Röhren bis zu 270 Stundenkilometer schnell fahren können. Insgesamt umfasst das Tunnelsystem 152 Kilometer. Es könnte sogar schon ein Jahr früher, also 2016, in Betrieb genommen werden, so schnell kommen die Arbeiten voran.

Verlegt werden müssen noch fast 230 Kilometer Schienen, auf denen bald täglich 300 Personen- und Güter-Züge durch den Tunnel fahren sollen. Die Reise von Zürich nach Mailand dauert dann noch zwei Stunden und 40 Minuten – eine Stunde weniger als jetzt.

Die von der Schweiz geplante Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) besteht aus mehreren Tunnels. Neben dem Gotthard-Basistunnel wird auch der Ceneri-Tunnel im Tessin gebaut, der 2019 fertig sein soll. Die Auslastung des bereits bestehenden Lötschberg-Basistunnels liegt im Durchschnitt bei fast 80 Prozent.

Das erste Video vom Gotthard-Durchbruch auf Youtube

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