Glocknerdrama: Verunglückte werden in Innsbruck obduziert

Die drei Leichen der am Großglockner (3.798 Meter) verunglückten polnischen Bergsteiger werden in der Innsbrucker Gerichtsmedizin obduziert. Für wann die Ergebnisse zu erwarten seien, stehe vorerst nicht fest, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Die drei Todesopfer waren Mitglieder einer fünfköpfigen Gruppe aus der Hohen Tatra, die am Samstag zum Gipfel des höchsten Bergs Österreichs aufgestiegen war.
Glocknerdrama forderte drei Todesopfer

Die Leichen von zwei der seit Sonntag vermissten Alpinisten wurden erst am Mittwoch von einem Polizeihubschrauber in 2.600 Meter Höhe auf der Kärntner Seite des Massives gefunden. Das dritte Todesopfer – ein 53-jähriger Pole sowie Vater von einem der Verunglückten – war von Bergrettern bereits am Sonntagabend entdeckt worden. Die überlebenden Kameraden, darunter ein weiterer Sohn des 53-Jährigen, haben den Aufstieg unbeschadet überstanden. Sie trennten sich von den drei Verunglückten während der Tour, kletterten alleine weiter und meldeten ihre Begleiter nach der Rückkehr als vermisst.

Für die Bergretter blieben am Tag nach der Bergung der Leichen viele Fragen offen: “Es braucht sicher einige Zeit, um ein genaues Bild davon zu bekommen, was sich dort oben abgespielt hat”, sagte Peter Tembler, Ortsstellenleiter der Bergrettung Kals, am Donnerstag zur APA. Nach wie vor sei unklar, warum die beiden am Lammereis gefunden toten Alpinisten soweit von der ursprünglichen Route abgekommen waren.

Außerdem müsse geklärt werden, wie schlimm die Verletzung des 24-jährigen verunglückten Polen tatsächlich gewesen sei. Der junge Mann hatte seiner Mutter per SMS berichtet, dass er sich den Fuß gebrochen habe. Danach habe er aber gemeinsam mit seinem Kameraden noch rund 1.000 Höhenmeter bis zum Lammereis zurückgelegt. Eine mögliche Erklärung für den Fundort sei, dass sich dieser nordseitig und somit an der windgeschützten Seite des Berges befunden habe. “Während des Unglücks hat ja orkanartiger Wind aus Südwest geherrscht”, argumentierte Tembler. Die beiden Männer dürften Schutz vor dem Sturm gesucht haben. Zudem könnten sie “einfach versucht haben, nach unten zu kommen”.

Die Männer der Bergrettung Kals hätten keine psychologische Betreuung in Anspruch genommen, erklärte Tembler. Derartige Ereignisse würden intern aufgearbeitet und gemeinsam besprochen. Für die meisten Bergretter sei es keine neue Situation gewesen. “Die meisten haben so etwas schon erlebt”, so Tembler. Außerdem sei man ja bei so einem Einsatz nie allein.

Die Bergretter seien sich der Gefahr, der sie sich aussetzen, bewusst. Sie würden darauf achten, das Risiko soweit wie möglich zu minimieren, meinte Tembler weiter. Wie gefährlich manche Einsätze seien, habe ein Zwischenfall bei einer der Suchaktionen gezeigt: Ein Alpinpolizisten einer Vierer-Seilschaft war rund zwölf Meter in eine Gletscherspalte gestürzt. Er konnte aber von seinen Kameraden innerhalb kurzer Zeit unverletzt geborgen werden.

Die polnischen Alpinisten waren am Samstag in einer Zweier- und einer Dreierseilschaft zum Gipfel aufgebrochen. Während ein 21-Jähriger und dessen 22-jähriger Freund zum Gipfel kamen, dürfte die Dreierseilschaft in Schwierigkeiten geraten sein. Erst bei der Rückkehr der Zweierseilschaft in die unterhalb der Adlersruhe gelegenen Stüdlhütte am Sonntag schlugen die Polen Alarm und die Rettungskette wurde in Gang gesetzt.

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