Ghana-Spiel als Warnung für Deutschland

Ghana verlangte den Deutschen alles ab
Ghana verlangte den Deutschen alles ab
Ein sehenswertes Fußball-WM-Spiel für die Zuschauer hat bei Deutschland für Unbehagen gesorgt. Nach dem 2:2 des DFB-Teams am Samstag in Fortaleza gegen Ghana kommt es am Donnerstag gegen die USA zu einem Finale gegen die USA, in dem es zum Aufeinandertreffen von Bundestrainer Joachim Löw mit seinem früheren Vorgesetzten und nunmehrigen US-Teamchef Jürgen Klinsmann kommt.


Der Auftritt gegen Ghana diente für das Duell mit den Amerikanern nicht unbedingt als Mutmacher. “Das Spiel hat sich irgendwie so entwickelt, obwohl das nicht so geplant war”, gab Löw nach dem umkämpften 2:2 gegen Ghana zu Protokoll.

Die Aufarbeitung des Spiels wird im Trainerstab, in der Scouting-Abteilung und im Mannschaftskreis sicher etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Eines war beim nächtlichen Rückflug nach Porto Seguro und der anschließenden Busfahrt einschließlich Flussüberquerung ins Campo Bahia schon klar: Gegen Klinsmann und die USA wird es noch einmal richtig heiß. Um sicher ins Achtelfinale einzuziehen, braucht das Löw-Team (derzeit vier Zähler) noch einen Punkt.

“Die Ausgangslage hat sich für uns nicht entscheidend geändert”, stellte der Bundestrainer zwar fest. Doch das erste Remis in einem Turnierspiel unter Löw überhaupt hatte nach dem 4:0-Auftakt gegen Portugal gezeigt, dass schon das kleinste Nachlassen bei dieser WM große Auswirkungen nach sich ziehen kann. “Natürlich müssen wir hundert Prozent an die Sache rangehen. Man sieht, wenn man ein bisschen nachlässig wird, dass man auch gegen Ghana direkt zwei Tore kassiert”, bemerkte der weiter um seine Topform ringende Mesut Özil.

Trotz der etwas kuriosen Führung durch Mario Götze, dessen Kopfball erst ans eigene Knie und dann ins Tor der Ghanaer ging, verlor das Löw-Team die Kontrolle über die Partie. Der Coach sprach von einem “irrsinnigen Tempo”, von “Dramatik und Spannung” pur und von einem “offenen Schlagabtausch”, vor dem er noch ausdrücklich gewarnt hatte.

59.612 Zuschauer wurden hin- und hergerissen, als ein Doppelschlag von Andre Ayew und Asamoah Gyan die “Black Stars” in Front brachte, dann aber Oldie Miroslav Klose zwei Minuten nach seiner Einwechslung seinen 15. WM-Treffer markierte. “Sonst wäre es wahrscheinlich noch wilder geworden”, räumte der rechtzeitig von einer Oberschenkelblessur genesene Mats Hummels ein.

Die Spieler sind weiter fest vom Weiterkommen überzeugt, und sie wollen weiter Gruppensieger werden. “Wenn wir unsere Leistung abrufen wie im ersten Spiel und phasenweise heute, sehe ich keine Gefahr, dass wir nach Hause fahren”, meinte Kapitän Lahm, der sich ungewohnt viele Fehler erlaubte und das zweite Gegentor maßgeblich verschuldete. “Wir sind stark, keine Sorge”, betonte Toni Kroos. “Hinten raus wurde es einfach ein bisschen zu wild. Das ist nicht unser Spiel. Die letzte Viertelstunde war Harakiri.”

Über die Ursachen gingen die Meinungen auseinander. “Wir waren nicht so kompakt, haben das taktisch nicht gut gelöst”, erklärte Sami Khedira. “Ein Schritt zu wenig auf der einen Seite, ein Schritt zu wenig da. Die Mannschaft von Ghana hat nie aufgesteckt, sie waren aggressiv, laufstark. Da waren sie uns ein Stück weit überlegen”, ergänzte der Mittelfeldmann von Real Madrid.

Gegen die wuchtigen Afrikaner traten auch Khediras Defizite nach einer langen Verletzungspause zutage. “Bei diesem Tempo und bei diesen Bedingungen ist Sami Khedira körperlich ein bisschen an die Grenzen gekommen. Alle Mittelfeldspieler mussten viel arbeiten nach hinten”, analysierte Löw fest.

Für Lahm waren fehlende Aggressivität und Cleverness sowie Probleme im eigenen Aufbauspiel die Gründe dafür, dass es lange nicht so gut wie gegen die Portugiesen lief. “Die Raumaufteilung hat nicht so gut funktioniert. Wir haben wenig Überzahl kreieren können in den entscheidenden Phasen”, bemerkte der Münchner, der Teil des Problems war. Dem 30-Jährigen, der bei seinem sechsten Turnier erstmals in der Mittelfeldzentrale agiert, gelang der Beweis in Brasilien noch nicht, dass er im DFB-Team dort wertvoller sein kann als auf der Außenverteidigerposition.

Eine System-Diskussion aber wollten weder Kapitän noch Bundestrainer zulassen. “Vor fünf Tagen war alles gut. Mal läuft es besser, mal schlechter. Es ist kein generelles Problem, wir haben gesehen, dass es funktioniert”, sagte Lahm. “Wir haben gute Moral gezeigt, sind bei diesen Temperaturen nach dem Rückstand nochmal zurückgekommen”, hob Löw hervor.

Zu den positiven Erkenntnissen zählte der Chefcoach auch die ersten WM-Minuten der Routiniers Klose und Bastian Schweinsteiger. Beide hätten der Mannschaft “einige frische Impulse” gebracht und “neue Kräfte mobilisiert”, lobte Löw, der gegen die USA wohl wieder auf die angeschlagenen Thomas Müller (Rissquetschwunde) und Jerome Boateng (Oberschenkelprobleme) zählen kann.

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