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Gewerkschaft: Umsetzung der Bildungsdirektion in der Praxis "sehr schlecht"

Laut Paul Kimberger funktioniere die Umstellung in der Praxis "sehr schlecht".
Laut Paul Kimberger funktioniere die Umstellung in der Praxis "sehr schlecht". ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Die Landesschulräte wurden mit dem 1. Jänner 2019 in Bildungsdirektionen umgewandelt. Die Umstellung funktioniere in der Praxis laut der Gewerkschaft jedoch "sehr schlecht".

Mit 1. Jänner 2019 wurden die Landesschulräte in Bildungsdirektionen umgewandelt, nach einer Übergangsphase sind diese seit Herbst für die Verwaltung aller Lehrer und Schulen zuständig. In der Praxis funktioniere diese Umstellung allerdings "sehr schlecht", beklagt Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG). Das Aufbrechen jahrzehntealter Strukturen brauche Zeit, betont man im Bildungsministerium.

Gewerkschaft: "Bildungsdirektionen nur mit sich selbst beschäftigt"

"Die Bildungsdirektionen sind seit einem Jahr ausschließlich mit sich selbst beschäftigt", ärgert sich Kimberger im Gespräch mit der APA. Die Auswirkungen würden die Schulen direkt zu spüren bekommen. Wann immer ein Direktor Auskünfte oder Entscheidungen der Behörde brauche, bekomme er aus der Bildungsdirektion den Satz "Da bin ich nicht zuständig" zu hören, erzählt Kimberger. Immer wieder würden die Schulen mit ihren Anliegen im Kreis geschickt. Die Folge: Die Gewerkschaft werde mit rechtlichen Anfragen von Direktoren überrollt, de facto erledige man gerade die Arbeit der Bildungsdirektionen.

Mehrere Pflichtschuldirektoren bestätigen Kimbergers Wahrnehmung. "Da ist ein Vakuum über mir", beklagt eine Wiener Direktorin gegenüber der APA. "Die Schulen sind knapp vor dem Kollaps", warnt ein Kollege. Gab es früher mit dem Bezirks- bzw. später dem Pflichtschulinspektor einen zentralen Ansprechpartner für alle Anliegen, sei der neue Schulqualitätsmanager nur noch für pädagogische Anliegen zuständig. Alle anderen Kompetenzen - von der Schülerzuteilung bis zur Lehrerversetzung - seien in der neuen Struktur auf verschiedene Personen verteilt. Welche das sind, sei allerdings vielfach nicht klar.

Zuständigkeiten seien nicht klar geregelt

Das werde vor allem zum Problem, wenn akut gehandelt werden müsse: Ohne Dienstaufsicht könnten Schulen etwa nicht entscheiden, wie sie nach einem Gewaltvorfall handeln sollen, wie die vielen Regelungen und Vorschriften von Bildungsministerium und -direktion im Schulalltag umzusetzen sind oder wie sie an Ersatzpersonal kommen, wenn eine Lehrerin schwanger wird oder ein Lehrer länger in Krankenstand gehen muss. Dazu kommt laut den Praktikern, dass die Verwaltung seit der Behördenreform entgegen der politischen Ankündigung mehr statt weniger geworden ist. Probleme wie diese würden der Gewerkschaft aus ganz Österreich gemeldet, so Kimberger.

Für die Gymnasien kann AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins diesem Befund nicht pauschal zustimmen, die Bundesländer seien hier unterschiedlich weit. "Man merkt aber, dass der Umwandlungsprozess noch nicht abgeschlossen ist." Außerdem gehe den AHS die schulartenspezifische Schulaufsicht ab. Statt für bestimmte Schularten (Pflichtschulen, AHS oder berufsbildenden Schulen) sind die Schulqualitätsmanager nun nämlich für eine "Bildungsregion" zuständig.

Bildungsministerium: Aufbrechen von Strukturen benötigt Zeit

Mit der Reform würden jahrzehntealte Strukturen aufgebrochen und eine derart große Organisationsumstellung könne nicht binnen weniger Monate abgeschlossen sein, betont Martin Netzer, Generalsekretär im Bildungsministerium, in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Bei einer derartigen Verwaltungsreform würden sich auch Ansprechpersonen und Zuständigkeiten ändern, das bedeute aber nicht, dass Schulleiter "im Kreis geschickt werden", so Netzer. Außerdem hätten die Schulen selbst durch eine Erweiterung der Autonomie nun mehr Entscheidungsmöglichkeiten als früher.

Bei der Umsetzung der Reform gibt es laut Netzer angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen Unterschiede zwischen den Bundesländern: In manchen sei die gemeinsame Verwaltung von Pflicht- und Bundesschulen "wirkliches Neuland", auch die Zuständigkeiten etwa für die Ressourcenzuteilung seien bisher teilweise sehr unterschiedlich geregelt gewesen. Bereits jetzt gibt es aus Netzers Sicht allerdings mehr positive Entwicklungen als Kinderkrankheiten, durch die einheitliche Behördenstruktur funktioniere die Abstimmung zwischen den Bildungsdirektionen sowie mit dem Ministerium so gut wie nie.

Gewerkschafter Kimberger kann diese Wahrnehmung nicht nachvollziehen. "Das ist für mich ein Hinweis darauf, wie weit manche Verantwortliche von der schulischen Realität weg sind."

(APA/Red)

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