Get Out - Kritik und Trailer zum Film

Wenn mit Barack Obama ein Afroamerikaner Präsident wird - so der lange vorherrschende Irrglaube -, ist Rassismus in den USA überwunden. Mit dieser trügerischen Sicherheit spielt der Komiker Jordan Peele in seinem Regiedebüt "Get Out", einer so klugen wie unterhaltsamen Horror-Satire.

Erzählt wird die Geschichte von Chris (Daniel Kaluuya), der gemeinsam mit seiner Freundin Rose (Allison Williams) deren Eltern besucht. Chris ist seit fünf Monaten mit Rose  liiert. Als er mit ihr aufs Land fährt, um ihre Eltern kennenzulernen, ist Chris nervös: Die reichen Weißen aus der Vorstadt wissen nämlich noch nicht, dass ihre Tochter erstmals einen schwarzen Freund mitbringt. Für Chris ist das, wie er sagt, “unerforschtes Terrain”: “Was, wenn mich dein Dad mit einer Schrotflinte davonjagt?” Rose winkt ab: “Meine Eltern sind keine Rassisten.”

Get Out – Kurzinhalt zum Film

Bei ihrer Ankunft werden die beiden dann betont herzlich empfangen. Vater Dean Armitage (Bradley Whitford) hätte ein drittes Mal für Obama gestimmt, proklamiert dieser ungefragt, “er war der beste Präsident meiner Zeit”. Die schwarzen Bediensteten am Anwesen habe er nur, weil diese zuvor seine kranken Eltern gepflegt hätten. “Aber ich hasse, wie das nach außen aussieht.” Auch Ehefrau Missy (Catherine Keener), eine Psychiaterin, zeigt großes Interesse an Chris. Sie drängt ihn zu einer nächtlichen Hypnose-Sitzung zur Rauchentwöhnung, dringt dabei aber unnachlässig in seine traumatische Kindheit vor.

Am nächsten Tag erinnert sich Chris nicht an die Details, hat aber ein ungutes Gefühl. Das wird verstärkt, als Freunde und Verwandte der Armitages zur jährlichen Party auf dem Anwesen erscheinen. Sie schmeicheln Chris mit Aussagen, deren rassistischen Untertönen ihnen nicht bewusst zu sein scheinen. Dieser nickt und lächelt; er ist solch ein Verhalten von Weißen, die nie mit Schwarzen zu tun haben, gewohnt.

Dennoch ahnt er, dass etwas nicht stimmt. Der Gärtner und die Haushälterin verhalten sich schräg – ihre Blicke leer und ihr Lächeln eingefroren, wirken sie distanziert und feindselig. Logan, der schwarze, junge Liebhaber einer betagten Dame, zeigt ähnliche Züge. Nach einem weiteren bizarren Zwischenfall kann auch Rose die seltsame Atmosphäre nicht leugnen. Dass Chris aber Gefahr ortet, geht zu weit. Oder doch nicht?

Get Out – Die Kritik zum Film

In weiterer Folge nimmt die vermeintlich harmlose “Besuch bei den Schwiegereltern”-Geschichte eine düstere Wendung, die sich Chris zu dem Zeitpunkt noch gar nicht auszumalen vermag. Welche, soll hier freilich nicht verraten werden. Peele jedenfalls bedient gekonnt die Konventionen des Horrorgenres, arbeitet mit kurzen Schockmomenten, undurchschaubaren Charakteren und der klaustrophobischen Stimmung des gediegenen Landhauses. Auch wenn er sich für den Twist gefühlt zu lange Zeit lässt und am Ende zu hetzen scheint, fühlt man mit – nicht zuletzt, weil der britische Schauspieler Daniel Kaluuya (“Sicario”) Chris eine sichtbare Anspannung verleiht, die sich auf den Besucher überträgt.

Den wahren Coup liefert der als Teil des Comedy-Duos Key & Peele bekannte Afroamerikaner freilich mit seiner bissigen Gesellschaftskritik, gespeist aus präzisen, beunruhigenden Beobachtungen des aktuellen politischen Klimas in den USA. Hinter Witz und Grusel legt er u.a. ebenjenen Rassismus unter weißen, “modernen” Demokraten frei, der hinterlistig und mit einem aufgesetzten Lächeln daherkommt. Das bringt sein Publikum zeitgleich zum Lachen und zum Nachdenken. Unter einem schwarzen Präsidenten seien viele Probleme für eine Weile übersehen worden, erläutert Peele seinen Zugang im APA-Interview. “Im Film geht es darum, dass wir nicht über Dinge gesprochen haben, über die hätte gesprochen werden müssen. Ich wollte diese Leere füllen.”

Dass er damit den Zeitgeist trifft, zeigen hymnische Kritiken und der immense Erfolg an den US-Kinokassen: 170,7 Mio. US-Dollar hat “Get Out” bei einem Budget von 4,5 Mio. Dollar in zwei Monaten eingespielt. Der “versunkene Bereich”, in den Chris bei der unheimlichen Hypnose rutscht – der hält dafür her, dass Afroamerikaner und deren Lebensrealitäten nicht nur in Hollywood und erst recht im Horrorgenre weiterhin drastisch unterrepräsentiert sind. “Get Out” – das kann man nicht nur als Aufforderung an Chris, sondern auch ans Publikum verstehen, sich von der allzu bequemen Realitätsverzerrung loszusagen. Und alljene Signale, die nicht nur Chris Tag für Tag erträgt, wahr- und ernst zu nehmen.

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(APA)

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