Gery Keszler: "Aids ist in die Jahre gekommen"

In den 17 Jahren, die Keszler den Life Ball organisiert, hat sich nicht nur die Veranstaltung geändert, sondern auch das Publikum.

“Die Aids Awareness war in meiner Generation natürlich viel größer. Damals sind unsere Freunde daran gestorben. Heute ist Aids in die Jahre gekommen, die neue Generation nimmt die Gefahr nicht mehr so unmittelbar wahr”, sagte der Organisator. “Es wird daher auch immer schwieriger, die richtige Balance von Message und Unterhaltungsfaktor zu finden”, so Keszler.

Wie wichtig und aktuell die Botschaft des Balles ist, zeigte nicht zuletzt der Fall des ehemaligen Mitglieds der deutschen Mädchenband “No Angels”, Nadja Benaissa. “Wenn man sieht wie all die Scheinheiligen über sie herfallen, bevor man überhaupt die Hintergründe kennt, kann man sich in etwa vorstellen, wie es einem Betroffenen geht, der auf einem Bergbauernhof lebt oder auf dem Bau arbeitet”, sagte Keszler.

Der Organisator verwehrte sich auch gegen einzelne Angriffe, die das Spektakel mit der Causa Nadja in Verbindung bringen wollten. “Der Life Ball propagiert keinen Hedonismus: Im Gegenteil, der Life Ball steht dafür, dass jeder seine persönliche Sexualität ausleben kann – und zwar frei und ohne sich dabei eine immer noch unheilbare Krankheit einzufangen”, so Keszler. Auch Aussagen, dass sich der Life Ball nach der Eröffnung quasi in eine Orgie verwandelt, seien völlig absurd. “Es passiert nicht mehr als auf irgendeiner anderen Party. Nur wird man bei uns noch auf die Gefahren aufmerksam gemacht. Was die Besucher dann zu Hause machen, dafür kann man uns nicht verantwortlich machen”, meinte der Organisator.

Über seine eigene Zukunft beim Ball wollte Keszler nicht spekulieren. “Ob ich ihn in zehn Jahren noch mache? Hm, dann bin ich fast 60 Jahre, wer will mich dann noch auf der Bühne sehen?”, meinte der Organisator. Privat hat sich Keszler beinahe völlig aus der Partyszene herausgenommen. “Ich gehe nur mehr auf ein Fest, wenn ich jemanden für den Ball treffen will.” Heute verbringt der Organisator seine Wochenende lieber in seinem Garten im Burgenland: “Ich pflanze Erdäpfel, beschneide Obstbäume und wenn ich das Projekt eines eigenen kleinen Weingartens verwirklichen kann, bin ich völlig happy. Ich werde älter – Gott sei Dank!”

Der Life Ball wird aber weiterhin eine zentrale Rolle im Leben von Keszler einnehmen. “Ich habe durch ihn in den 17 Jahren viel über das Leben und über die Menschen gelernt. Natürlich bin ich manchmal müde, aber wenn ich sehe, was der Life Ball geschafft hat, dann bin ich glücklich.”

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