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Gerhard Bronner - Meister der scharfen Zunge

Seinen 80. Geburtstag feiert Bronner mit einer Gala im Großen Saal des Wiener Konzerthauses, bei der „alte Freunden und Kollegen von mir meine Lieder singen“, so Bronner.

„Die meisten Dodeln glauben, dass ich wegen der Steuergeschichte nach Amerika gegangen bin. Das stimmt überhaupt nicht. Ich bin nach Amerika gegangen, weil Amerika das einzige Land war, wo ich Kurt Waldheim nie begegnen konnte“: Der Wiener Kabarettist, Komponist und Schriftsteller Gerhard Bronner pflegte im Gespräch mit der APA seinen Ruf als Meister der scharfen Zunge.

Auf die Frage, wie es ihm denn derzeit in Österreich gehe, antwortete Bronner mit einer Geschichte: „Ein Schiff ist im Begriff, unterzugehen. Die Leute rennen in Panik herum. Irgendwo in einer Ecke sitzt ein alter Jud’ und legt eine Patience. Kommt einer vorbei und ruft: ’Sind Sie meschugge geworden, jetzt legen Sie eine Patience? Sehen Sie nicht, dass das Schiff untergeht?’ Und der Jud’ sagt: ’Ja ist es denn mein Schiff?’ So fühle ich mich in Österreich“.

Auch die Mannschaft des Schiffs Österreich ist nicht Bronners Sache: „Wie kann es einem mit einer schwarz-blauen Regierung gehen, wenn man sein ganzes Leben versucht hat, als Demokrat zu leben?“. „Meiner Meinung nach kann man das, was der Andre Heller bei der ’Nestroy’-Preisverleihung sagen wollte, nicht scharf genug formulieren“, so Bronner, der andererseits betonte, die Verleihung auf Grund der Auszeichnung Claus Peymanns „boykottiert“ zu haben:
„Denn auf den stehe ich wie ein Nackerter auf Glasscherben“.

Er halte Peymann für „einen Krebsschaden des Theaters“, dessen „diverse linke Propagandainszenierungen den meisten Leuten, die damals zu entscheiden hatten, überhaupt nicht aufgefallen sind“. „Der Helmut Zilk, der damals Kulturstadtrat war, hat gar nicht gemerkt, dass Gert Voss in Peymanns ’Herrmannsschlacht’-Inszenierung wie Che Guevara gekleidet war“.

Die Aufregung, die Hellers „politisches Märchen“ nach sich gezogen hat, ist für Bronner logische Folge: „Dazu hat der das ja gemacht, dass sich die ÖVP aufregt“. Es sei nicht die Frage, ob Hellers Laudatio eine geglückte Form des politischen Protests oder Missbrauch einer Kulturveranstaltung war, so Bronner. „Entweder haben wir Redefreiheit in Österreich oder nicht. Ich bin strikt gegen den Peymann, bin strikt dagegen, dass der Heller eine Laudatio für ihn hält, aber wenn das so ist, dann muss er sagen können, was er sich denkt“. Jedoch wäre es „viel schöner gewesen, wenn er es nicht im Zusammenhang mit einer Laudatio für den Peymann gesagt hätte. Weil ich bin gegen den genauso wie gegen den Schüssel“.

Der Polarisierungskraft seiner Aussagen ist sich Bronner bewusst:
„Es ist so etwas wie eine Gewohnheit – ich will nicht sagen, eine Liebe – von mir geworden, seit vielen Jahren mit meiner Meinung zwischen den Stühlen zu sitzen“. Die Basis für gutes Kabarett sei „die Kritik an der reinen Unvernunft“. Diese Unvernunft gehe quer durch alle Glaubensbekenntnisse, alle Parteien und Weltanschauungen. Und Bronner ist sich bewusst: „Beliebt macht man sich nicht“.

Die Geburtstags-Gala im Konzerthaus wird auf Ö1 live übertragen, zuvor sendet der ORF-Kultursender in der Reihe „Menschenbilder“ am 20. 10. (14.15 Uhr) ein Porträt mit dem Titel „Von Beruf: Bronner“. In „Contra“ folgt am selben Tag (22.05 Uhr) ein Wiederhören mit Bronners Klassikern vom „G’schupften Ferdl“ bis „Der Papa wird’s schon richten“. ORF 2 zeigt, ebenfalls unter dem Titel „Von Beruf:
Bronner“, zuvor ein Porträt (19. 10., 22.20 Uhr). Bei Preiser Records erschien eine Vier-CD-Box unter dem Titel „Das Gerhard Bronner Song Book“, die unter anderem 40 Titel aus der Sendereihe „Guglhupf“ enthält, die zuvor nicht im Handel erhältlich waren.

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