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"Generation Haram": Melisa Erkurt will Verlierern eine Stimme geben

Melisa Erkurt schreibt über die "Generation Haram".
Melisa Erkurt schreibt über die "Generation Haram". ©pixabay.com /Zsolnay
Teilweise katastrophale Deutschkenntnisse, wenig Perspektiven, dementsprechend wenig Selbstwert - es ist kein schönes Bild das Melisa Erkurt in ihrem Buch "Generation Haram" zeichnet. Doch mit ihrem Buch will sie allen, auch den von ihr genannten Verlierern, eine Stimme geben. Wir haben das Buch gelesen.

Wochenlang auf Platz 1 der Top 10 Sachbuch Hardcover und in zahlreichen Gruppen und Kreisen heiß thematisiert und diskutiert: "Generation Haram" von Melisa Erkurt. Auch bei VIENNA.at haben wir es gelesen und sind überzeugt: Es ist sehr lesenswert. Und hoffentlich auch umsetzbar.

Schule und System geben weder Stimme noch Chance

Melisa Erkurt zeichnet in ihrem Buch "Generation Haram" ein trauriges Bild. In Österreich geborene und aufgewachsene Schüler mit Migrationshintergrund haben teilweise katastrophale Deutschkenntnisse, wenig Aufstiegschancen und dem einhergehend auch mit mangelnden Selbstvertrauen zu kämpfen. Schuld an alledem: Die Schule und das System dahinter, das ihnen weder Stimme noch Chance gibt.

Erkurt schreibt in ihrem Buch über die "Verlierer", sie zählt sich selbst zu ihnen. So kommt es, dass das Buch auch sehr autobiografisch anmutet. Sie selbst ist als Kind aus Bosnien nach Österreich geflüchtet. Ihr gelingt etwas, das laut ihr selten möglich ist: Sie kann ihrem vorgezeichneten Schicksal entkommen. An der Situation generell habe sich seither kaum etwas verändert. Für ihr Buch verwendet sie jedoch nicht nur ihre eigene schulische Laufbahn und ihren späteren Weg als Lehrerin und Journalistin, sondern spricht auch mit anderen Pädagogen und Pädagoginnen von Kindergärten und Schulen.

Kinder in den Vordergrund

Erkurt beschreibt in ihrem Buch feinfühlig die Herausforderungen der Kinder mit Migrationshintergrund, abseits von Debatten rund um Schweinefleisch, Zwangsheirat und Kopftüchern. Sie stellt die Kinder und ihre persönlichen Probleme in den Vordergrund. Und genau hier liege oft auch das Problem der Schulen. Das System passt sich nicht an den Schülern an, die weder ihre Voraussetzungen noch ihren familiären Hintergrund verändern können. "Nichts darf mehr vorausgesetzt werden. Wir können an den Startbedingungen dieser Kinder nichts ändern, aber wir dürfen sie nicht dafür bestrafen. Wir müssen die Schule an sie anpassen, umgekehrt wird es nicht klappen", so Erkurt. Wichtig dabei ist sei auch, dass muslimische Kinder Vorbilder in sämtlichen Bereichen bekommen - aktuell fehle es an diesen. Ohne ihnen würde aber auch bei den Kindern das Selbstvertrauen oder das Wissen um eine berufliche Perspektive nicht vorhanden sein.

Schule: Was sich ändern müsste

Um das Schulsystem nachhaltigen zu verbessern, fordert sie verpflichtende kostenlose Ganztagsschulen und interkulturell geschultes Personal. Besonders bei den Ganztagsschulen sei es wichtig, dass eine Durchmischung zwischen muslimischen Kindern und "Bobo-Kinder" stattfinde. Denn, so Erkurt, wo die "Bobo-Kinder" sind, funktionieren auch die Schulen.

Als Leser weiß man zwar, was Erkurt mit dieser Aussage meint, dennoch fällt auf, dass sie ständig zwischen den autochthonen Österreichern und den ausländischen Kindern unterscheidet. Es scheint hier, als gebe es keine Gemeinsamkeiten und keine Möglichkeit einander auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Unterscheidung scheint letztendlich zu pauschalisierend. Denn aus eigener Erfahrung als ehemalige Schülerin wurde weder in der Volksschule noch im Gymnasium große Unterschiede deutlich. Beide Schulen waren jedoch am ländlichen Raum. Im Buch fehlt meiner Meinung nach hier eine Unterscheidung zwischen Land und Stadt aber auch zwischen Städten selbst - denn Wien ist kein Abbild aller Städte in Österreich.

Fazit: Gut zu lesen, hoffentlich umsetzbar

Das Buch ist grundsätzlich gut zu lesen, die eigene Geschichte von Erkurt hält die Spannung während sachliche Inhalte vermittelt werden. Über ihre Ideen sollte man dringend diskutieren und hoffentlich vieles dadurch in eine positive Richtung bewegen. Am wichtigsten scheint, die Kinder in den Mittelpunkt zu stellen, was leider oft nicht passiert. Hier wäre sicher ein guter Anfang.

Buchtipp:
Titel: Generation Haram - Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben
Autor: Melisa Erkurt
Verlag: Zsolnay
ISBN: 978-3-552-07210-7
Seiten: 194



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