Toter bei Krawallen in Athen

Die Ausschreitungen in Griechenland nehmen immer mehr an Fahrt auf.
Die Ausschreitungen in Griechenland nehmen immer mehr an Fahrt auf. ©EPA
Nach den heftigen Ausschreitungen am Rande von Protesten gegen die Sparvorhaben der griechischen Regierung ist am Donnerstag ein Verletzter im Krankenhaus gestorben.
Hellas: Bilder von den Ausschreitungen

Wie griechische Medien unter Berufung auf seine Frau berichteten, war der rund 50 Jahre alte Maurer am Kopf verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zur genauen Todesursache machten sie zunächst jedoch keine Angaben. Dies geschah im Zusammenhang mit den gewaltsamen Protesten in Athen. Am Donnerstag haben Bevölkerung und Gewerkschaften am ihren landesweiten Generalstreik fortgesetzt, um ein neues Sparprogramm zu stoppen.

Demonstration von Krawallmachern angegriffen

Rund 500 Krawallmacher griffen in Athen eine friedliche Demonstration von mehreren zehntausend Menschen an und lösten Panik auf dem Platz vor dem griechischen Parlament aus. Die zum Teil vermummten Randalierer lieferten sich schwere Zusammenstöße hauptsächlich mit kommunistischen Demonstranten.Sie warfen mehrere Brandsätzen in Flaschen auf Teilnehmer. Die Polizei setzte daraufhin massiv Tränengas ein, um die aufgebrachte Menschenmenge aufzulösen. Tausende Menschen flohen in Panik von dem Platz. Die Ausschreitungen forderten des Weiteren etwa 16 Verletzte.

Für Griechenland “nur noch Dunkelheit”

Die Abgeordneten wollten voraussichtlich am Abend abschließend über das Sparpaket abstimmen. Demonstranten skandierten “Diebe” in Richtung des Parlaments. Finanzminister Evangelos Venizelos warnte seine Landsleute und mögliche Abweichler unter den Abgeordneten. Sollte das neue Spargesetz nicht gebilligt werden, werde es für Griechenland “keinen neuen Tag, sondern nur noch Dunkelheit geben”.

Demonstrationen gegen das harte Sparprogramm gab es auch in der Hafenstadt Thessaloniki im Norden des Landes, in der westgriechischen Hafenstadt Patras und auf Kreta in der Hafenstadt Heraklion sowie in der Stadt Ioannina im Nordwesten des Landes, berichtete das griechische Fernsehen.

Hartes Sparprogramm für Griechenland

Aus Protest gegen die Sparprogramme ließen Mitarbeiter von Ministerien, Fährbetrieben und der Bahn die Arbeit ruhen. Ihnen schlossen sich Taxi-Fahrer und Angestellte öffentlicher Verkehrsbetriebe an. Kommunistische Demonstranten forderten den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der Europäischen Union. Die Ultrakonservative Partei LAOS verlangte den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen.

Das Sparprogramm sieht unter anderem Kürzungen bei den Sozialleistungen, Stellenstreichungen im Öffentlichen Dienst sowie die Einführung einer Grundbesitzsteuer und eines Solidaritätszuschlags vor. Das Gesetz haben die Geldgeber von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds als Bedingung für weitere Hilfskredite gefordert.

Zahlungsausfall hätte dramatische Konsequenzen

Das Sparpaket ist zudem Voraussetzung für ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland. Die Troika aus EU, IWF und EZB empfahl in ihrem Berichtsentwurf zur Lage Griechenlands die Zahlung der nächsten Hilfstranche aus dem ersten Paket an das südeuropäische Land. Ohne Finanzspritzen könnte das Land seine Schulden nicht mehr bedienen. Ein Zahlungsausfall aber würde die gesamte Euro-Zone in eine tiefe Krise stürzen.

Griechenland steckt das dritte Jahr in Folge in der Rezession. Die Staatsverschuldung beläuft sich auf 162 Prozent der Wirtschaftsleistung. Wirtschaft und Finanzmärkte setzen fest darauf, dass die Staats- und Regierungschefs bei ihrem EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel ein umfassendes Konzept zur Lösung der Schuldenkrise vorlegen.

In der Euro-Zone steigt nach Angaben aus EU-Kreisen unterdessen die Bereitschaft, die privaten Gläubiger notfalls zu einem stärkeren Engagement bei der Griechenland-Rettung zu zwingen. “Einige Länder arbeiten an sehr aggressiven Szenarien”, sagte ein EU-Vertreter zu Reuters. “Seien wir ehrlich, jeder weiß, dass ein 50 Prozent Haircut (Schuldenschnitt), wie ihn Deutschland fordert, kein freiwilliger Schritt ist.” (APA)

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