Gemeinsames Konzert

Schon Karajan war in den frühen 80er Jahren begeistert von dieser Idee, aber erst jetzt, fast 25 Jahre später, wird sie umgesetzt: Die Berliner und die Wiener Philharmoniker werden erstmals ein gemeinsames Konzert in großer Besetzung spielen.

Am 2. April 2005 wird Simon Rattle die beiden wohl bedeutendsten Orchester der Welt in Berlin dirigieren, nach langen Überlegungen haben sich die beiden Vorstände der Orchester für die sechste Symphonie von Gustav Mahler in a-Moll, „Die Tragische“, entschieden.

Die beiden Philharmoniker sind seit Jahrzehnten Konkurrenten auf dem Weltmarkt klassischer Musik aber sie sind auch in vielen Freundschaften miteinander verbunden. In diesem Konzert-Experiment werden sie einander nicht chorisch gegenüber sitzen. Im Gegenteil, die Musiker sollen zu einem einzigen großen Orchester verschmolzen werden, so dass an jedem Streicherpult ein Berliner und ein Wiener sitzen wird. Bei den Bläsern wurde eine einfache Aufteilung vereinbart, so kommen die 1. Flöten und Oboen aus Wien, die 1. Klarinetten und 1. Fagotte aus Berlin. Das 1. Horn ist wiederum aus Wien, die 1. Trompete aus Berlin. Dazu Dirigent Rattle: „Ich bin mir im Unklaren, wie das laufen wird. In einigen Fällen war das eine Frage der Seniorität (Alter, Anm.). Zum Beispiel war es offensichtlich, dass Klaus Stoll, der dienstälteste beider Orchester, die Bässe führen wird. Roland Altmann ist der Pauker, er ist auch Mitglied des Vorstands der Wiener Philharmoniker. Das alles wurde auf sehr freundschaftliche Art geregelt.“

Kein Konzert mit Event-Charakter

Beide Orchester wollen kein Konzert mit Event-Charakter veranstalten, auch kein Konzert mit lauter kleinen Stücken, erläutere Rattle: „Wir wollen ein großes, ernstes Stück aufführen, das zentral ist für das Repertoire beider Orchester.“ Eines der praktischen Probleme bei einem derartigen Projekt sind die unterschiedlichen Stimmungen, auch die Klangfarben und Spielweisen besonders etwa der Hörner sind extrem unterschiedlich. Bernard Haitink sagte es einmal pointiert: „Ungeachtet dessen, dass die Wiener fast keine Frau im Orchester haben, ist ihr Orchester sehr viel femininer, während die Berliner Philharmoniker viel maskuliner sind.“

Rattle: „Wie das konkret klingen wird, das müssen wir erst herausfinden. Klar ist aber, es gibt einen wirklichen Unterschied in der Mentalität und im Temperament zwischen Deutschen und Österreichern. Besonders bedeutend ist das Konzert auch als Symbol der Freundschaft und der Einigkeit Mitteleuropas“

Ob dieses historische Doppelkonzert in Wien wiederholt, und ob es Fortsetzungsprojekte der beiden Klangkörper mit anderen Programmen geben wird, das hängt vom Funktionieren des Experimentes ab, darüber ist bis jetzt laut Rattle nicht geredet worden. Klar ist allerdings, dass das Publikum darauf fliegt. Seit fast einem Jahr sind sämtliche 2.100 Karten in der Berliner Philharmonie verkauft.

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