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Geheimdienstchef nach Den Haag abgeflogen

Der frühere Chef des serbischen Staatssicherheitsdienstes, Jovica Stanisic (51), ist mit einem Linienflug der serbischen Luftfahrtgesellschaft JAT nach Amsterdam abgeflogen.

Er will dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zu stellen. Der langjährige enge Mitarbeiter von Ex-Staatschef Slobodan Milosevic war wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina angeklagt worden.

Unter der Kontrolle des serbischen Staatssicherheitsdienstes sollen laut der Anfang Mai erhobenen Tribunalsanklage auch serbische Milizen gestanden sein, die sich zwischen 1991 und 1995 der Ermordung von rund 700 Personen schuldig gemacht hatten. Dieselbe Anklage bezieht sich auch auf den einstigen Stellvertreter von Stanisic, Franko Simatovic Frenki, der vor knapp zwei Wochen an das UNO-Tribunal überstellt worden war.

Die Überstellung von Stanisic an das UNO-Tribunal hatte sich wegen eines chirurgischen Eingriffes, welchem er sich vor zehn Tagen unterziehen musste, hinausgezögert. Der Ex-Geheimpolizeichef soll laut Medienberichten an Darmkrebs leiden. Stanisic könnte vor dem UNO-Tribunal womöglich auch als Kronzeuge der Anklage im Prozess gegen Milosevic auftreten. Die Anklage hatte seine eventuelle Aussage im Zeugenstand nicht ausgeschlossen.

Der Ex-Chef der Geheimpolizei war zweifellos am besten in die Verwicklung Belgrads in den Krieg in Kroatien und Bosnien-Herzegowina eingeweiht. Sein Name war auch im Prozess gegen Milosevic bereits mehrmals gefallen. Sein Stellvertreter Simatovic war Gründer und erster Kommandant der berüchtigten Spezialpolizeieinheit „Rote Barette“, die erst nach der Ermordung des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic im März dieses Jahres aufgelöst worden war.

Stanisic und Simatovic waren gleich nach der Ermordung von Djindjic festgenommen worden. Der serbische Innenminister Dusan Mihajlovic erklärte neulich, dass ihre Angaben bei Ermittlungen in der Causa Djindjic für die Polizei wertvoll gewesen seien. Sie selbst sollen in die Ermordung des Regierungschefs aber nicht verwickelt sein, weshalb in Belgrad auch keine Strafanzeigen gegen Stanisic und Simatovic eingebracht wurden.

Stanisic hatte unter Milosevic als Geheimpolizeichef bis Herbst 1998 gewirkt, bis er angeblich wegen seiner Kritik an der brutalen Vorgangsweise der Sicherheitskräfte im Kosovo abgesetzt worden war. Er war allerdings danach auch Sicherheitsberater von Milosevic.

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