Gefälschter Brief im Wahlkampf!

Der angebliche Brief vom Alpenverein an Omar Al-Rawi von der Islamischen Glaubensgemeinschaft sorgt für Wirbel: Er ist gefälscht - von einer Künstler-Gruppe! Das BZÖ schaltet auf stur und glaubt das nicht.

BZÖ-Chef Westenthaler hat in der gestrigen ORF-TV- Konfrontation mit dem SPÖ-Vorsitzenden Gusenbauer behauptet, in dem Brief fordere Al-Rawi Halbmonde statt Gipfelkreuze auf den österreichischen Berggipfeln anzubringen.

Davon ist in dem der APA vorliegenden Brief aber nicht die Rede. Außerdem ist der Brief offenbar gefälscht: Der angebliche Unterzeichner Andreas Ermacora bestritt am Freitag, den Brief verfasst zu haben.

Ermacora sagte, er kenne das Schreiben zwar, habe es aber nicht verfasst. Sein angeblicher Brief an Al-Rawi sei ihm im Juni erstmals zur Kenntnis gelangt.

Am 6. Juni dieses Jahres habe er ihn nämlich von FPÖ-Chef Strache geschickt bekommen, gemeinsam mit der Bitte, er möge sich dazu äußern.

„Ich habe damals geantwortet, dass ich so einen Brief nie geschrieben habe. Danach habe ich davon nichts weiteres gehört“, sagte Ermacora.

Künstlergruppe testete Politiker!

Eine „Künstlergruppe“ bekenne sich zum angeblichen Brief vom Alpenverein an Omar Al-Rawi, berichtet das Magazin „Datum“ auf seiner Website.

„Jeder sehfähige Mensch erkennt das Schreiben als Fake. Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht“, heißt es in der Mitteilung der Gruppe.

Mehrere Politiker hätten ähnliche gefälschte Schreiben bekommen. So sei das konkrete Alpenvereins-Schreiben auch an FPÖ-Chef Heinz Christian Strache ergangen, sagte ein Mitglied der Gruppe zu „Datum“.

“Haben wir denn keine anderen Sorgen?”

Die Gruppe nenne sich „Haben wir denn keine anderen Sorgen“ und habe in einer Aktion unter dem Motto „How low can you go“ nach eigenen Angaben testen wollen, „wie weit populistische Politiker gehen“, heißt es im Kommunique der Gruppe.

Die FPÖ bestätigte am Freitag in einer Aussendung, „diesen gefälschten Brief im April erhalten“ zu haben und sich an Ermacora gewandt zu haben.

Der Brief sei nichts anderes als „das offensichtliche Machwerk eines drittklassigen Fälschers“, so FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky in der Aussendung. Sowohl das FPÖ-Schreiben an Ermacora als auch dessen Antwortbrief liegen der APA vor.

BZÖ schaltet auf stur

Das BZÖ bleibt indes bei seiner Darstellung, der Brief sei echt. In einer Aussendung sagte BZÖ-Bundespressesprecher Lukas Brucker, die SPÖ fühle sich ertappt und sei „peinlich darum bemüht, die Diskussion um die Anbringung von Halbmonden an Gipfelkreuzen herunter zu spielen“.

Tatsache sei, dass der Brief exisitere, so Brucker. „Sollten die genannten Personen anderer Meinung sein, dann sollen sie klagen und der Fall wird vor Gericht ausgetragen“, forderte der BZÖ-Sprecher. Zur APA sagte Brucker weiters, man habe den Brief „aus einer verlässlichen Quelle“ erhalten.

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