Gefährlicher Volkssport: So wandern Sie sicher

Die Gefahren beim Wandern dürfen nicht unterschätzt werden.
Die Gefahren beim Wandern dürfen nicht unterschätzt werden. ©Netzer Johannes - Fotolia.com
Wandern erfährt einen unglaublichen Boom: Beinahe jeder zweite Österreichern hat darin einen neuen Lieblingssport gefunden. Doch der Traumausflug kann schnell eine gefährliche Wende nehmen...

Für viele Österreicher gibt es nichts Schöneres, als bei mildem Wetter ins Gebirge zu fahren, neue Routen zu erkunden und das alpine Panorama zu genießen. Besonders in den letzten Jahren erlebt das naturverbundene Wandern eine neue Blüte. Doch vielen ist die Gefahr nicht bewusst, der sich im Gebirge aussetzen.

Richtige Ausrüstung kann Leben retten

2011 starben laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit 163 Menschen bei diversen sportlichen Aktivitäten in Österreichs Bergen. Darunter fallen alleine 109 Wanderunfälle. Schuld daran ist oft eine mangelnde Ausrüstung. Dabei sollte hier das größte Augenmerk liegen. Denn schon bei einfachen Touren kommt es auf das richtige Equipment an: Turn- oder gar Straßenschuhe können nicht den nötigen Gripp bieten, Stürze sind hier vorprogrammiert. Über den Knöchel reichende Wanderschuhe mit gutem Profil sind daher dringend zu empfehlen. Da Wetterumschwünge oft nicht vorhersehbar sind, ist es außerdem wichtig, dass die Wanderkleidung – die bestenfalls aus mehreren Schichten besteht (Zwiebelprinzip) – sowohl Wind, Wasser als auch Hitze standhält. Besonders geeignet ist hier Funktionskleidung, da diese nicht nur schnell trocknet, sondern auch atmungsaktiv ist. Wanderstöcke sollten in regelmäßigen Abständen überprüft werden.

Vorsicht vor dem Hungerast

Zudem gilt: Nie ohne Verpflegung auf die Reise gehen. Sicherlich, in höheren Lagen wartet meistens eine Almhütte, die den abgekämpften Krieger mit einer deftigen Jause empfängt. Doch schon während des Aufstiegs sollte man sich mit Wasser und kohlenhydratreicher Nahrung, wie etwa Bananen oder Müsliriegel, stärken. Das Speckbrot kann man sich dann immer noch gönnen. Man kennt es von Ausdauersportevents, wie der Tour de France. Wenn die Radprofis einen sogenannten Hungerast bekommen, schwinden die Kräfte blitzschnell. Dann kann es passieren, dass man nicht einmal mehr Kraft hat, zu stehen. So wird man auch einen Ausrutscher nicht mehr richtig abfangen können.

Warntafeln beachten

Für Tourengeher, die sich im Winter in die Berge begeben, gelten verschärfte Regeln. Sie haben oftmals die richtige Ausrüstung und kennen ihre physischen Grenzen. Ihnen stehen aber oftmals der eigene Übermut und die Abenteuerlust im Wege. Auf keinen Fall sollte man sich daher auf unwegsamem Gelände oder gar abseits gekennzeichneter Pisten bewegen, so einladend ein Gang durch noch unberührtes Gelände auch sein mag. Warntafeln sollten unbedingt beachtet werden! Als wichtigste Vorgehensweisen bei winterlichen Bergtouren nennt das Kuratorium für alpine Sicherheit am Rand der Abfahrt hintereinander aufzusteigen, ausreichendes Abstand halten und kein Queren der Piste. Zudem sollte man immer Reflektoren oder Stirnlampen benutzen, sowie Lawinenpieper oder andere elektronische Geräte dabei haben, mit denen man auf sich aufmerksam machen kann, sollte man verschüttet werden.

Man könnte meinen, dass Snowboarder und Skifahrer die größte Risikogruppe bilden. Schließlich hört man immer wieder von Verletzungen im Bekanntenkreis, wenn man nicht schon selbst davon betroffen war. Dem ist aber nicht so. Sie ziehen sich eher Verletzungen zu, Todesfälle sind hier eher selten. Doch selbst das kleinere Übel gilt es zu verhindern. Für Skifahrer und Snowboarder gelten ähnliche Regeln, wie für die Tourengeher. Immer mit kühlem Kopf fahren und auf den gekennzeichneten Pisten bleiben. Wer das Tiefschnee fahren liebt, kann dies tun, muss aber äußerst vorsichtig agieren.

14.000 Verletzte am Berg

„Um in den Bergen bestens abgesichert zu sein und das Freizeitvergnügen in vollen Zügen genießen zu können, sind nicht nur gute Ausrüstung und Fitness vonnöten. Auch die richtige Versicherung ist für Wanderwütige und Bergsportler von großer Bedeutung.“, so Hanns-Ulrich Brockhaus, Experte für Unfallversicherungen bei ERGO Direkt. „Eine Bergung eines Verunfallten in den Bergen kann ganz leicht auf 3.000 € kommen. Ohne Versicherung erleidet man nicht nur körperliche Schmerzen, sondern tut auch gleichzeitig seinem Konto weh!“

„Todesursache Nummer eins – am Berg – ist nach wie vor das Herz-Kreislauf-Versagen”, so Othmar Thann vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Aber auch Selbstüberschätzung und mangelnde körperliche Fitness könnten zu einem Risikofaktor werden. Gerade beim schönsten Wetter im Hochsommer sollte man ausgedehnte Wanderungen vermeiden. Im Hochgebirge wird sicher einigen der Temperaturumschwung zu schaffen machen, während man auf flacherem Gebiet mit der Hitze zu kämpfen hat. Betrachtet man die Art der Verletzungen, so ist der Knochenbruch die klare Nummer 1. Um die körperliche Leistungsfähigkeit nach einem Bruch wieder herzustellen sind langwierige REHA-Aufenthalte oft unabdingbar. Deshalb gilt als Faustregel: Auf sein Inneres hören und rechtzeitig wissen, wann Schluss ist.

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