Gefährliche Erkrankung: Appell zu Meningokokken-Impfung bei Kindern

Die Impfempfehlung von Meningokokken B wurde auf bis zu 25-jährige Erwachsene erweitert.
Die Impfempfehlung von Meningokokken B wurde auf bis zu 25-jährige Erwachsene erweitert. ©APA/HERBERT PFARRHOFER (Sujet)
In den letzten zehn Jahren gab es 53 Todesfälle nach einer Meningokokken-Erkrankung. Kinderärzte warnen vor der gefährlichen Krankheit und appellieren zur Schutzimpfung, vor allem bei Kindern.

Eine Meningokokken-Erkrankung ist für Ärzte schwer zu erkennen, kann aber innerhalb von 24 Stunden von völliger Gesundheit zum Tod führen, erklärte der Wiener Kinder- und Jugendarzt Michael Sprung-Markes Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Experten raten deshalb, Babys von zwei Monaten bis 25-jährige Erwachsene laut österreichischem Impfplan gegen Meningokokken zu impfen.

Schwer erkennbar: Kinderärzte raten zu Meningokokken-Impfung

In Österreich werden jährlich 20 bis 100 Fälle gemeldet, die Mehrheit davon wird von der "Meningokokken-Gruppe B" ausgelöst. Von 2010 bis 2020 gab es 53 Todesfälle. "Das müsste nicht sein, denn Impfungen können schützen", hieß es. Teils ist sie kostenpflichtig, teils gratis, so Sprung-Markes.

"In den ersten Stunden ist eine Meningokokken-Erkrankung oft nicht von banalen Infekten unterscheidbar", sagte der Mediziner. Die Krankheitserreger (Neisseria meningitidis Bakterien) sind deshalb das "Schreckensgespenst der Kinderärzte". Diese hätten in der Ordination in der Grippezeit oft sehr viele hoch fiebernde Kinder zu behandeln, und müssten in kürzester Zeit entscheiden, woran sie erkrankt sind. Für Meningokokken gäbe es keinen Schnelltest. Die Krankheit wäre demnach nur an den Symptomen zu erkennen. Diese sind neben hohem Fieber Schmerzen, Bewusstseinsstörungen und Schwächeanfälle. Meningokokken können ein Gehirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) auslösen.

Eltern kritisieren mangelnde Information zu Meningokokken-Impfung

Eltern kritisierten bei der Pressekonferenz, dass Mediziner sie nicht von sich aus über die Meningokokken-Schutzimpfung informierten, sondern man "proaktiv nachfragen musste". "Kinderärzte sind angehalten, bei jedem Besuch der Patienten ihren Impfstatus zu überprüfen", sagte Sprung-Markes. Da die Meningokokken-Immunisierung laut österreichischem Impfplan für alle Kinder und Jugendliche empfohlen wird, wäre "jeder Kinderarzt verpflichtet, die Eltern aufzuklären".

Die Impfempfehlung von Meningokokken B wurde im österreichischen Impfplan mit Jänner 2022 von ursprünglich zwei Monate alten Babys bis 18-jährigen Jugendlichen auf bis zu 25-jährige Erwachsene erweitert. Es gibt altersabhängig unterschiedliche Schutzimpfungen gegen die fünf Meningokokken-Gruppen A, B, C, W und Y. Die Pressekonferenz wurde vom Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline organisiert.

Betroffene schildert schwere Erkrankung

Sandra B. entkam laut Bericht als 17-jährige dem Tod durch eine Meningokokken-Erkrankung nur knapp: Weil sie "plötzlich so schwach war, dass sie nicht mehr gehen konnte", riefen ihre Eltern den Notarzt, der "zum Glück rasch die richtige Diagnose stellte, ihr Antibiotika injizierte und sie auf eine Intensivstation bringen ließ". Dort wurde sie für acht Tage in ein künstliches Koma versetzt. Eine Leberdialyse an einer Spezialklinik war nötig. Als die Jugendliche wieder aufwachte, hatte sie so viel Muskelmasse verloren, dass sie nicht aufstehen konnte und wieder gehen lernen musste. Neben Narben an Armen und Beinen würden sie heute noch verlorene Zehen an die schwere Erkrankung erinnern. "Ich möchte, dass niemand so schwer erkrankt wie ich", sagte die heute 35-jährige Frau: "Lasst euch und eure Kinder gegen Meningokokken impfen".

(APA/Red)

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