GB: Polizei hat Verdächtige im Visier

Zum ersten Mal seit der Entdeckung von fünf ermordeten Prostituierten hat die britische Polizei jetzt gleich mehrere potenzielle Tatverdächtige im Visier.

Es gebe „eine Reihe von Verdächtigen“, sagte Chefermittler Stewart Gull am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Ermittler würden „gute Fortschritte“ machen, sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen.

In einer Botschaft an die Bevölkerung der Stadt Ipswich, in deren Nähe die Frauenmorde seit Ende November verübt wurden, sagte Gull: „Bitte verfallen Sie nicht in Panik.“ Die Polizei arbeite mit hunderten Beamten auf Hochtouren an der Aufklärung der Verbrechen. Der Chefermittler räumte aber ein, dass bisher noch keiner der Tatverdächtigen gefasst oder vernommen wurde.

Die britische Polizei hat erstmals bestätigt, dass die seit Anfang Dezember in der Kleinstadt Ipswich ermordeten Frauen Opfer eines Serientäters geworden sind. Zwischen den fünf Leichenfunden gebe es eine klare Verbindung, sagte der Leiter der Ermittlungskommission, Stewart Gull, am Freitag. Beim fünften Opfer, deren Leiche am Dienstag entdeckt wurde, handelt es sich nach seinen Angaben tatsächlich wie bereits vermutet um die vermisste 29-jährige Prostituierte Annette Nicholls.

Zuvor hatte die Polizei erneut zur Wachsamkeit aufgerufen, damit der Serienmörder nicht ein weiteres Mal zuschlagen kann. Sie forderte die Prostituierten in der englischen Küstenstadt nordöstlich von London auf, ihrer Arbeit vorerst nicht nachzugehen. „Wir ergreifen alle Vorsorgemaßnahmen“, um das Verschwinden weiterer Menschen zu verhindern, sagte die stellvertretende Polizeipräsidentin Jacqui Cheer dem Fernsehsender Sky News.

Nach Angaben des „Guardian“ (Freitagausgabe) kommen Polizei und lokale Sozialarbeiter für die Verdienstausfälle der Frauen auf. Das Geld stamme von einer unbekannten Hilfsorganisation, hieß es.

Das sonst so beschauliche Ipswich ist seit Tagen in Unruhe, nachdem innerhalb von wenigen Tagen fünf Prostituierte ermordet aufgefunden worden waren. Die britischen Medien vergleichen ihren Mörder bereits mit „Jack the Ripper“, dem berühmten Serienmörder aus dem 19. Jahrhundert, sowie mit dem „Yorkshire Ripper“, der zwischen 1975 und 1980 ebenfalls Prostituierten nachstellte und insgesamt 13 Frauen umbrachte.

Behörden unterstützen Prostituierte

Die britischen Behörden bieten den Prostituierten nun Unterstützung an. Mit Lebensmittelgutscheinen, Guthaben für Mobiltelefone und der Ersatzdroge Methadon soll verhindert werden, dass die Frauen auf den Strich gehen, solange der oder die Täter nicht gefasst sind. Sie werden außerdem beraten, wie sie Sozialhilfe und Wohngeld beantragen können.

„Es ist kein echtes Bargeld“, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung am Freitag. „Es geht darum sicherzustellen, dass wir alles tun, was wir können, damit sie nicht auf die Straße müssen.“ Die Polizei hatte die Prostituierten nach den Leichenfunden eindringlich gewarnt, nicht anschaffen zu gehen. Viele Frauen aus dem Rotlichtmilieu gingen aber weiterhin auf den Strich, um ihre Drogensucht finanzieren zu können. „Ich werde ohnehin in zehn Jahren tot sein“, sagte eine 25-jährige Prostituierte der Zeitung „Daily Mail“. „Ob es durch Drogen oder die Hand eines Verrückten passiert, macht keinen großen Unterschied. Wenn es passiert, passiert es.“

Vier der fünf Opfer wurden bisher als Prostituierte aus Ipswich identifiziert. Eine weitere Frau aus dem Milieu gilt noch als vermisst. Experten warnen jedoch, der mutmaßliche Serienmörder könne den Kreis seiner Opfer erweitern und jede Frau angreifen, die nachts allein auf der Straße ist, wenn er keine Prostituierten mehr findet.

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