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Gasexplosion verwüstete Straßenzug in Halle

Eine Gasexplosion hat einen ganzen Straßenzug in Halle in Trümmer gelegt. Wie durch ein Wunder wurde bei dem Unglück am Samstagvormittag in der Innenstadt niemand verschüttet.

Ein 52-jähriger Bewohner schwebte aber auch am Sonntag noch in Lebensgefahr. Von den vier weiteren Verletzten musste niemand im Krankenhaus bleiben. Ob die Explosion von einem technischen Defekt oder von Menschenhand ausgelöst wurde, ist noch nicht geklärt.

Wie Polizeisprecher Siegfried Koch am Sonntag mitteilte, gab es am Reileck in der nördlichen Innenstadt zwei Detonationen in einer mehrstöckigen Gründerzeitvilla. Das Wohn- und Geschäftshaus wurde fast völlig dem Erdboden gleichgemacht, an den Nachbarhäusern wurden riesige Löcher in die Außenmauern gerissen, im Umkreis von 100 Metern zerbarsten alle Fensterscheiben, umher fliegende Trümmer zerbeulten Autos, und auch in einer benachbarten Kirche wurden Zerstörungen angerichtet. Die ganze Straße bot ein Bild der Verwüstung.

In einem Nachbarhaus der Gründerzeitvilla erlitt der 52-Jährige lebensgefährliche Verbrennungen und innere Verletzungen. Vier weitere Männer wurden leicht verletzt und konnten nach ambulanter Behandlung wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Die zwei gemeldeten Bewohner der Gründerzeitvilla waren zur Zeit der Explosion nicht anwesend. 40 Bewohner mussten ihre stark beschädigten Wohnungen räumen. Am Sonntag kehrte ein Teil von ihnen unter Polizeischutz zurück, um Wertsachen zu sichern. Am Nachmittag sollten die ersten Wohnungen wieder beziehbar sein. Wie die Stadtverwaltung am Sonntag mitteilte, werden die Betroffenen von Psychologen und Helfern betreut. Viele Bewohner wurden drei Tage vor Heiligabend von Verwandten oder Bekannten aufgenommen.

Die Feuerwehr war am Samstag bis zum Nachmittag damit beschäftigt, die Brände zu löschen und Trümmer wegzuräumen. Erst danach konnte die Suche nach Verschütteten mit dem Einsatz von Rettungshunden beginnen.

Bis in die Nacht hinein waren rund 140 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Arbeiter Samariter Bund, Deutschem Roten Kreuz und Polizei mit Sicherungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt. Einige Beamte waren nach Angaben der Polizei damit beauftragt, Plünderungen zu verhindern.

Die Polizei berichtete, zur Feststellung der Explosionsursache werde in alle Richtungen ermittelt. Auch ein krimineller Hintergrund sei nicht ausgeschlossen, hieß es. Nach Angaben des Geschäftsführers der Energieversorgung Halle, Matthias Krause, hatte ein Anrufer am Samstag bereits gegen 9.30 Uhr auf Gasgeruch am späteren Unglücksort hingewiesen. Ein Gasspürtrupp sei dem nachgegangen, habe aber nichts festgestellt. Um 10.48 Uhr folgte die schwere Explosion.

Bei den Aufräumarbeiten wurde auch Munition gefunden. Der Hausbesitzer hat das nach Polizeiangaben damit erklärt, dass er Jäger sei. Nachbarn spekulierten, dass einer der Bewohner in Selbsttötungsabsicht die Gasleitung manipuliert haben könnte. Ein Bewohner hatte vor zwei Wochen in der Gründerzeitvilla das Gas aufgedreht und Feuer gelegt. Der Mann befindet sich jedoch wegen anderer Vorwürfe in Untersuchungshaft. Andere Gerüchte betrafen eine angebliche Verschuldung im Zusammenhang mit dem explodierten Haus sowie eine mögliche Verbindung zum Rotlichtmilieu.

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