Gaddafis Tod wirft weiter Fragen auf

Gaddafis Leiche lagert bis zu seiner Bestattung in einer Kühlkammer eines Kaufhauses.
Gaddafis Leiche lagert bis zu seiner Bestattung in einer Kühlkammer eines Kaufhauses. ©AP
Der Tod des gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi wirft weiterhin Fragen auf. Die NATO erklärte am Freitag, nichts von der Anwesenheit Gaddafis gewusst zu haben, als sie am Donnerstag einen Fahrzeugkonvoi in der Stadt Sirte angriff und damit "wahrscheinlich" zu seiner Tötung beigetragen habe.
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Spekulationen gab es auch über das Schicksal von Gaddafis Sohn Saif al-Islam, der laut einem Bericht des Senders Al-Arabiya am Freitag festgenommen worden sein soll.Tripolis. Flugzeuge der NATO hätten am Donnerstag elf Fahrzeuge von Gaddafi-Kämpfern angegriffen, erklärte ein Sprecher des Bündnis in Brüssel. Sie seien Teil eines bewaffneten Konvois gewesen, der Sirte mit großer Geschwindigkeit verlassen wollte. Die Fahrzeuge hätten eine bedeutende Menge Waffen und Munition transportiert, die eine Bedrohung für die Zivilbevölkerung dargestellt hätten.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte am Freitag, der Konvoi habe keine Gefahr für Zivilisten dargestellt. Ziel der NATO-Mission sei aber nur der Schutz der Zivilbevölkerung gewesen. “Die Attacke stand in keinem Verhältnis zum erlassenen Flugverbot”, sagte Lawrow am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.

Nach der Tötung von Muammar al-Gaddafi verbleiben vermutlich zwei Namen auf der Fahndungsliste des Internationalen Strafgerichtes (ICC) in Den Haag: Der von Saif al-Islam und Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi. Der Diktatorensohn soll laut Al-Arabiya in dem Ort Slitan 160 Kilometer von Tripolis leicht verletzt in Gewahrsam genommen worden sein. Die Meldung konnte allerdings nicht bestätigt werden. Nach Angaben des Nationalen Übergangsrates war er zuvor auf der Flucht von Sirte in Richtung der Grenze zum Niger verfolgt worden.

Laut Meldungen am Donnerstag war Saif al-Islam zuvor – offenbar fälschlich – gemeinsam mit seinem Vater für tot erklärt worden. Auch Senussi wurde laut ersten Berichten gemeinsam mit Muammar al-Gaddafi getötet, eine unabhängige Bestätigung gab es dafür jedoch nicht.

Gaddafi war am Donnerstag unter unklaren Umständen umgekommen. Ein Vertreter des Nationalen Übergangsrates sagte, es habe keine “Anweisung” gegeben, Gaddafi zu töten, und er gehe nicht davon aus, dass die Kämpfer ihn absichtlich umbrachten. Der britische Außenminister William Hague sagte, sein Land hätte sich gewünscht, dass Gaddafi vor Gericht gestellt werde.

Die Leiche Gaddafis wurde am Freitag in den Kühlraum eines Einkaufszentrums in der Nähe von Misrata gebracht. Vor dem Raum fanden sich etwa 30 Menschen ein, um einen Blick auf Gaddafi zu werfen, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Nach Angaben eines Sprecher des Militärrats in Misrata sollen noch DNA-Tests vorgenommen werden, bevor Gaddafi beigesetzt wird.

Der Informationsminister der neuen libyschen Führung, Mahmoud Shamam, hatte zuvor erklärt, es sei unklar, wann und wo die Leiche des langjährigen libyschen Machthabers beigesetzt werden soll. Es soll vermieden werden, dass sein Grab zur Pilgerstätte wird.

UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay forderte eine Untersuchung der Todesumstände. Zwei am Donnerstag verbreitete Handy-Videos des zunächst noch lebend zu sehenden Gaddafis seien “sehr beunruhigend”, sagte ihr Sprecher Rupert Colville.

(APA)

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