Fußgängerin in Wien getötet: Autolenker verurteilt

Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
Das Urteil ist bereits rechtskräftig. ©APA/HANS PUNZ
Am 8. Jänner wurde eine Fußgängerin in Wien von einem Autolenker getötet. Ihr Mann wurde schwer verletzt. Heute wurde der 32-jährige Lenker rechtskräftig verurteilt.

Wegen eines schweren, von ihm verschuldeten Verkehrsunfalls in Wien-Donaustadt, bei dem eine 70-jährige Passantin ums Leben kam und ihr 63 Jahre alter Ehemann lebensgefährlich verletzt wurde, ist ein Autolenker am Dienstag am Landesgericht wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu 20 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Zusätzlich bekam der sechsfach vorbestrafte 32-Jährige 32 Monate aus vorangegangenen Verurteilungen widerrufen.

Damit muss der Mann insgesamt 52 Monate absitzen. Er nahm das Urteil an, auch der Staatsanwalt war damit einverstanden. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

32-Jähriger zum Unfallzeitpunkt unter Drogeneinfluss

Der 32-Jährige stand zum Unfallzeitpunkt unter dem Einfluss von Kokain und Benzodiazepinen. Er dürfte das Ehepaar in der Dämmerung einfach übersehen haben, als die Pensionisten am 8. Jänner 2021 um 17.20 Uhr an der Ecke Panethgasse/Sebaldgasse vorschriftsmäßig die Straße überquerten. Der 32-Jährige erfasste die beiden mit seinem BMW 392 c ungebremst, wobei er statt der erlaubten 30 km/h mit 60 Stundenkilometern unterwegs war. Führerschein besaß der Lenker zu diesem Zeitpunkt keinen, der Schein war dem unter anderem wegen Suchtgiftdelikten Vorbestraften abgenommen worden.

Statt anzuhalten, beging der Lenker Fahrerflucht. Er fuhr seinen BMW in die Garage, setzte sich in sein zweites Fahrzeug und brachte seinen Beifahrer - seinen besten Freund - nach Hause. Dann legte er sich schlafen.

70-Jährige starb noch an der Unfallstelle

Die 70-Jährige erlag an der Unfallstelle ihren schweren Kopfverletzungen. Ihr Ehemann überlebte mit multiplen lebensbedrohlichen Verletzungen, mehr als vier Wochen musste er in künstlichem Tiefschlaf intensivmedizinisch behandelt werden. "Es geht ihm sehr schlecht. Das linke Bein hätte ihm fast abgenommen werden müssen", berichtete sein Rechtsvertreter Gabor Maraszto, der für den Mann in der Verhandlung insgesamt 150.000 Euro Schmerzensgeld geltend machte. Der 63-Jährige hatte unter anderem einen Schädelbruch, ein Schädel-Hirn-Trauma, Hinquetschungen, Brüche beider Unterschenkel, beider Wadenbeine, Frakturen an Schulter und Oberarmen und Serienrippenbrüche erlitten. Im Namen der Tochter des Ehepaars begehrte Maraszto als Privatbeteiligtenvertreter außerdem 20.000 Euro Trauerschmerzengeld für den Verlust der Mutter. Insgesamt 60.000 Euro - 50.000 für den Schwerverletzten, 10.000 für dessen Tochter - wurden vom Angeklagten anerkannt.

Angeklagter nahm Cannabis gegen Schmerzen zu sich

"Ich bekenne mich in allen Anklagepunkten schuldig", hatte der 32-Jährige zu Beginn der Verhandlung erklärt. Anhand von Zeugenaussagen, die das Unfallfahrzeug beschreiben konnten, war man auf die Spur des Geflüchteten gekommen. Bei einer Hausdurchsuchung stieß die Polizei obendrein auf eine Cannabis-Plantage, die der 32-Jährige angelegt hatte. 376 Cannabispflanzen wurden gezählt, womit rund zweieinhalb Kilogramm "Gras" zur Verfügung gestanden wären, die der 32-Jährige seinen Angaben zufolge ausschließlich für den Eigenbedarf benötigt hätte. Nach neun Bandscheibenvorfällen müsse er über den Tag verteilt regelmäßig Cannabis-Tee trinken, um seine Schmerzen in den Griff zu kriegen, behauptete der Angeklagte.

"Am Schluss habe ich sehr viel Kokain genommen. Vier bis acht Gramm am Tag", räumte der 32-Jährige ein. Schuld daran sei seine berufliche Überlastung gewesen. Der Mann arbeitete als Buchhalter, am Wochenende betrieb er nebenbei mit einem Freund eine Diskothek. Weiters konsumierte der 32-Jährige Medikamente "zum Runterkommen vom Stress. Ich war nur mehr im Auto und arbeiten. Ich hatte nicht ein Mal Zeit für meine Frau". Er habe sein Leben "aus den Augen verloren".

Angeklagter bezeichnet Verhalten als "leichtsinnig und dumm"

Am Tag des Unfalls setzte er seinen BMW in Betrieb, obwohl er sich "wie ein Zombie, einfach neben mir" fühlte, wie der Mann zu Protokoll gab. Auf die Frage von Richterin Petra Sattlberger, weshalb er viel zu schnell gefahren sei, erwiderte er: "Leichtsinnig und dumm." Zum Unfall selbst stellte er fest: "Ich weiß bis heute nicht, wie die auf ein Mal da waren. Ich hab' noch nie in meinem Leben einen Unfall gehabt." Es sei einfach "passiert. Es ist sich nicht ausgegangen".

Nach der Kollision mit den beiden Passanten sei er "unter Schock" weitergefahren: "Ich war am Ende. Und feig. Das kann man nicht gut machen." "Warum sind Sie nicht stehen geblieben?", hakte die Richterin nach. "Feig. Angst. Feig", bemerkte der Angeklagte abschließend.

(APA/Red)

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