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Fußgänger am Schutzweg schutzlos?

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Fußgänger sind die ungeschütztesten Teilnehmer im Straßenverkehr. Vor allem Kinder und Senioren sind gefährdet. Eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit verdeutlicht die Gefahren für Fußgänger - vor allem auch für behinderte Menschen.

Mit welchen Hürden sehbehinderte oder gar blinde Menschen zu kämpfen haben, hat erst jüngst die Studie „Unterwegs im Dunkeln“ des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) vor Augen geführt. „Sind die so genannten schwachen Verkehrsteilnehmer noch schwächer als bisher angenommen?“, fragt sich Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts „Sicher Leben“ bei der diesjährigen Enquete des KfV zum Thema „Fußgänger – Schutzweg“. Wenn man sich die Zahlen der Verkehrsunfallbilanz des ersten Halbjahres 2004 anschaut, erhält diese Frage eine dramatische Berechtigung: Die Auswertung ergab um 16 Prozent mehr getötete Fußgänger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Auch am Schutzweg geht es nicht immer so geschützt zu, wie der Name eigentlich suggeriert. Bei 30 Prozent aller Zebrastreifen – vor allem bei ungeregelten – trügt das Sicherheitsgefühl aufgrund von Mängeln. Verletzungsrisiko seit 50 Jahren fast gleich Dabei sollte die Sicherheit von Fußgängern jedem ein Anliegen sein. Schließlich müssen sogar eingefleischte Autofahrer ihren Weg vom Pkw ins Büro, zur Schule oder ins Eigenheim auf eigenen Beinen zurücklegen. Auch die Gesundheitspolitik müsse demnach ihren Beitrag leisten und der Sicherheit der schwachen Verkehrsteilnehmer mehr Beachtung als bisher schenken, meint Kisser und verweist auf die Stagnation in der Unfallverhütung: Das durchschnittliche Risiko eines Österreichers, bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, ist in den vergangenen 50 Jahren kaum gesunken. Fußgängerfreundliche Autofronten haben Einfluss auf Verletzungsausmaß.

Verletzung ist aber nicht gleich Verletzung

Erheblichen Einfluss auf die Schwere haben die Karosserieformen der Kraftfahrzeuge. Die Bauweise beim Pkw kann Verletzungsmuster und -ausmaß entscheidend beeinflussen. Primar Univ.-Prof. Dr. Harald Hertz von der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie propagiert fußgängerfreundliches Fahrzeugdesign wie runde oder leicht abfallende Konturen der Frontpartie, airbagartige Vorrichtungen oder programmierte Materialverformungen. „Diese können die Sicherheit von Fußgängern eminent verbessern und etwa lebensbedrohliche Schädel-Hirntraumen, die durch den Anprall des ungeschützten Kopfes gegen die Motorhaube oder Windschutzscheibe verursacht werden, verhindern“, so Hertz. Pro Jahr verunglücken rund 2000 Kinder und Senioren als Fußgänger Den Gefahren der Straße am meisten ausgeliefert sind Kinder und Senioren. Laut den KfV-Verkehrsexpertinnen DI Veronika Weiss und Mag. Karin Weber sind sie für die anderen Verkehrsteilnehmer auch am wenigsten gefährlich und in der Verkehrshierarchie somit am „unterprivilegiertesten“. Jährlich verunglücken mehr als 2000 Kinder und Senioren als Fußgänger. Bei den Kleinen gilt als häufigste Unfallsursache die Unkenntnis der Pkw-Lenker über ihr Verhalten. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass ein Kind auf dem Schutzweg kehrt macht, weil die Ampel auf Rot umschaltet. Während Kinder durch ihren hohen Anteil an Verletzten hervorstechen, haben Senioren bei Fußgängerunfällen ein sehr hohes Tötungsrisiko.
Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger sind Senioren, obwohl diese nur einen Anteil von rund 15 Prozent an der Gesamtbevölkerung haben. Bei Blinden und Sehbehinderte führen häufig niedrige Verkehrszeichen zu Verletzungen.

Gefährdete Gruppe: Sehbehinderte und Blinde

Aber nicht nur die ganz Jungen und die Älteren haben als Fußgänger das Nachsehen. Eine besonders gefährdete Gruppe sind sehbehinderte und blinde Menschen. Immerhin rund 400.000 Menschen haben in Österreich eine Sehbehinderung, etwa 8.000 Menschen sind hochgradig sehbehindert und ca. 5.000 Personen gelten als blind. Wolfgang Kremser, Leiter des Verkehrsgremiums der Sehbehinderten- und Blindenorganisation der Ostregion, kennt die Situation: „Nach wie vor bergen zu niedrig montierte Verkehrszeichen, moderne Kunst und Architektur mit zahlreichen Barrieren oder schlecht abgesicherte Baustellen Gefahren. Eine österreichweit gültige Bauordnung mit Berücksichtigung der Grundsätze des barrierefreien Bauens, Gehsteigabsenkungen im Bereich von Fahrbahnquerungen und vor allem die Einführung der Mindesthöhe von Verkehrszeichen von 2,20 Metern über Gehsteigniveau ist dringend erforderlich.“ Zumindest letzteres ist in der nächsten StVO-Novelle vorgesehen. Bequem, sicher und attraktiv sollen Wege für Fußgänger werden Die neuen Richtlinien für den Fußgängerverkehr, die von 19 österreichischen Verkehrsplanern unter der Leitung des KfV erstellt und von der Österreichischen Forschungsgemeinschaft Straße und Verkehr herausgegeben wurden, helfen das Leben der ungeschützten Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr zu erleichtern. „Obwohl das Gehen eine alte ökologisch und sozial verträgliche Form der Mobilität ist und der Großteil der Bewegung in Städten und Gemeinden zu Fuß erfolgt, gab es bisher kein Richtmaß, das sich umfangreich mit dem Fußgängerverkehr beschäftigt hat. Die neue RVS berücksichtigt die Anforderungen der Fußgänger nach bequemer, sicherer und attraktiver Fortbewegung“, erklärt DI Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrstechnik-Forschung des KfV. Ausreichend breite Gehsteige, sichere Querungsmöglichkeiten, verkehrsberuhigte Bereiche und eine ausreichende Beleuchtung sind nur einige der Planungsgrundsätze.

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