Frost im April üblich: Jedoch selten mehrere Tage hintereinander

Frost im April ist nicht unüblich.
Frost im April ist nicht unüblich. ©APA/BARBARA GINDL
Tage mit leichtem Frost sind im April auch in tiefen Lagen Österreichs durchaus üblich. Deutlich seltener ist es allerdings, dass mehrere Tage hintereinander auch in tiefen Lagen Temperaturen deutlich unter null Grad aufweisen, teilte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Donnerstag mit.

Schäden durch Spätfrost häuften sich in den vergangenen Jahren, weil milde Temperaturen um März und April zu einer sehr frühen Entwicklung der Pflanzen führten.

Frost in ganz Österreich möglich

Die Meteorologen warnten zunächst vor der kommenden Nacht: Laut ZAMG wird sie die tiefsten Temperaturen der Woche bringen und in ganz Österreich ist Frost möglich. Tagsüber wird es am Wochenende deutlich wärmer als in den vergangenen Tagen, die Nächte bleiben aber kalt mit Tiefstwerten oft nur um null Grad.

Frost im April ist laut ZAMG in Österreich nicht ungewöhnlich. "Selbst in Lagen unterhalb von 800 Meter Seehöhe muss man jedes Jahr mit zumindest einer Frostnacht im April rechnen", sagte ZAMG-Experte Alexander Orlik. Mehrere Frosttage sind allerdings eher die Ausnahme: "Ein April, in dem es mindestens drei Tage Frost gibt mit Temperaturen bei minus zwei Grad oder darunter, kommt zum Beispiel in Krems statistisch gesehen alle fünf Jahre vor, in Gleisdorf und Jenbach alle zehn Jahre."

Frost im April: Diese Faktoren spielen zusammen

Für Frost im April müssen einige Faktoren zusammenpassen: So strömte in den vergangenen Tagen polare Kaltluft nach Österreich. Dazu kommen klare Nächte, in denen die Erdoberfläche ohne Wolken ihre Wärme ungehindert in den Weltraum ausstrahlt. Wenn kein Wind weht, kühlt die Luft in Bodennähe ungestört ab. Sobald Wind weht, kommt es zur Vermischung mit milderer Luft aus der Umgebung und aus höheren Luftschichten. Eine geschlossene Schneedecke verstärkt den Effekt des Abkühlens zusätzlich. Sie reflektiert tagsüber einen Großteil der Sonnenstrahlung und verhindert in der Nacht wie eine Isolierschicht, dass Wärme aus dem Boden an die Luft kommt.

"Die bisherigen Untersuchungen zeigen allerdings keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Temperaturzunahme der letzten Jahrzehnte und den häufigen Spätfrostereignissen in den Jahren 2016, 2017, 2020, 2021", sagte ZAMG-Phänologe Helfried Scheifinger, der sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur beschäftigt. "Eindeutig sehen wir in den phänologischen Daten aber, dass die Blüte von Marille, Apfel und Kirsche mittlerweile um durchschnittlich zehn Tage früher stattfindet als noch vor 30 Jahren."

2017 und 2020 wurden laut ZAMG über viele Wochen andauernde Warmphasen im Februar und März von massiven Kaltlufteinbrüchen beendet. Durch die ungewöhnliche Wärme wurde die Vegetation in ihrer Entwicklung vorangetrieben und erreichte ein sehr fortgeschrittenes Stadium zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Daher verursachten die polaren Luftmassen im April 2017 nicht nur an Kulturpflanzen großen Schaden, sondern beeinträchtigten sogar Wildpflanzen, die an unser Klima gut angepasst sind.

Vegetation heuer noch frostempfindlicher als 2020

"Heuer bewegt sich die Entwicklung der Vegetation im Bereich des langjährigen Durchschnitts und ist daher noch nicht so frostempfindlich wie 2020", erläuterte Phänologe Scheifinger. "Trotzdem kann es bei entsprechend tiefen Temperaturen zu Schäden an Kulturpflanzen kommen."

Neben dem Wetter spielen für die Empfindlichkeit von Obstkulturen auch andere Faktoren eine Rolle. So wirken sich zum Beispiel Änderungen des Anbauortes aus. In den vergangenen Jahrzehnten wurden in einigen Regionen Obst- und Weinkulturen vermehrt von Hanglagen in die Ebene verlegt, da sie hier leichter zu bewirtschaften sind. In der Ebene ist aber die Frostgefahr oft größer als einige Höhenmeter weiter oben an einem Hang, so die ZAMG. Denn kühlt Luft ab wird sie schwerer und sammelt sich wie Wasser an den tiefsten Punkten einer Region.

(APA/Red)

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