Fritz Muliar wird 85

Seinen unglaublichen 85. Geburtstag wird der populäre Wiener Volks- und Charakterschauspieler Fitz Muliar dort verbringen, wo er seit mehr als sechzig Jahren zu Hause ist: auf der Bühne.

Am Abend des 12. Dezember wird das in den Kammerspielen sein, wo Muliar derzeit in der Komödie „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ zu sehen ist. Nach der Vorstellung ist dort Party angesagt, und am 14. Dezember (19.30 Uhr) darf er sich nochmals bei einer Geburtstagsgala im Wiener Konzerthaus von Freunden feiern lassen, darunter Elfriede Ott, Lore Krainer, Herbert Prikopa, Helmuth Lohner sowie Otto Schenk, der auch die Laudatio hält. Bereits am 11. Dezember ist er (um 10.05 Uhr) im KulturCafe des RadioKulturhauses Gast des Ö1-Klassik-Treffpunkts.

Schauspieldebut mit 17


Als echter Wiener vom Brillantengrund (Gegend um die Schottenfeldgasse in Neubau) wurde Muliar 1919 als Sohn eines Juweliers geboren. Die legendäre Grande Dame der Kleinkunst, Stella Kadmon, verhalf ihm bereits im Alter von 17 Jahren zu einem Debüt im Kabarett „Der liebe Augustin“. Nach einer Zeit als Operettenbuffo am Innsbrucker Landestheater kam Muliar zu Karl Farkas ins „Simpl“, wo er seinen facettenreichen Schliff als Kabarettist, Conferencier, Spaßmacher und Charakterkomiker vervollkommnen konnte.


Nach Jahren des Kriegsdienstes und der Kriegsgefangenschaft konnte Muliar seine Karriere in Graz wieder aufnehmen. Von 1951 bis 1963 war er am Wiener Volkstheater engagiert und spielte parallel dazu dreizehn Jahre lang im Kabarett „Simpl“. Von 1964 bis 1977 war das Theater in der Josefstadt seine künstlerische Heimat, 1974 wurde er Mitglied des Burgtheaters, dem er bis zu seiner Pensionierung 20 Jahre lang angehörte. 1994 kehrte er wieder in die Josefstadt zurück.

Arbeit im Kino und im Theater


Im Burgtheater spielte Muliar den Peachum in Brechts „Dreigroschenoper“, wofür er die Kainz-Medaille bekam, den Pompejus in Shakespeares „Maß für Maߓ, den Wenzelslaus in Lenz’ „Der Hofmeister“, den Theaterdirektor in Shaffers „Amadeus“ und war in Nestroy-Produktionen unverzichtbar. 1990 kündigte er im Zorn über eine weitere Vertragsverlängerung für Direktor Claus Peymann seine Pensionierung an, spielte dann aber unter der Regie von Franz Morak in Felix Mitterers „Sibirien“. Das Einpersonenstück brachte ihn einen seiner größten künstlerischen Erfolge ein und Einladungen zu zahlreichen Gastspielen im In- und Ausland.


Zu seiner Arbeit gehören auch Kinofilme wie „Wien, du Stadt meiner Träume“ unter Willi Forst und „Der veruntreute Himmel“ unter Ernst Marischka. Fernsehklassiker wurden Literaturverfilmungen wie „Schwejk“ nach Jaroslaw Haseks Klassiker, oder der „Bockerer“.


Viel gelesen wurden seine heiteren, zum Teil autobiografischen Bücher: „Das beste aus meiner Jüdischen Witze- und Anekdotensammlung“, „Wenn Sie mich fragen“ oder „War’s wirklich so schlimm“. Muliar ist auch ein unvergleichlicher Interpret jüdischen Witzes und der Kaffeehausliteratur, von Roda Roda aber Alfred Polgar, Anton Kuh, Hans Weigel, Hugo Wiener, Peter Hammerschlag und Friedrich Torberg. Zuletzt erschien im Vorjahr „Melde gehorsamst, das ja!“, eine Aufzeichnung seiner „Lebensabenteuer“ von Volkmar Parschalk und Renate Wagner.

Zahlreiche Ehrungen


Geehrt wurde der Maroni-Liebhaber vielfach, u. a. mit dem Professor-Titel, Ehrenmitgliedschaften von Burgtheater und Josefstadt, dem Nestroy-Ring, dem Großen Silbernen Ehrenzeichen der Republik. Seine Wünsche sind heute bescheiden; so ging sein Lebenstraum längst in Erfüllung, wie er kürzlich in einem Fragebogen des „Kurier“ angab: „ein freies Österreich“. Auch am Theater braucht er immer weniger. Hatte er sich noch zum Achtziger „Besuch bei Mr. Green“ von Jeff Baron mit Franz Morak als Regisseur gewünscht, inszenierte er sein 85er-Wunsch-Stück, „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ von Joao Bethencourt, gleich selbst.

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