Fritz Muliar im 90. Lebensjahr gestorben

Der Wiener Schauspieler Fritz Muliar ist im Wiener AKH 89-jährig verstorben. Der Publikumsliebling stand gestern noch auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt. Video  | Bilder: Fritz Muliar in "Die Wirtin" 

“Ich bin todtraurig. Fritz Muliar war jemand ganz Besonderer”, hieß es in einer ersten Reaktion von Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger, “Ich habe ihn als Freund gewonnen und sehr sehr gern gehabt. Wir haben noch viele Pläne gehabt gemeinsam für die Josefstadt.” Am 12. Dezember hätte Fritz Muliar seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Sonntag Nachmittag stand er noch in “Die Wirtin” auf der Bühne der Josefstadt. Am Abend sei er zusammengebrochen und in das Wiener AKH eingeliefert worden, hieß es in ersten Meldungen.

Große Trauer herrschte in Politik und Theaterkreisen nach der Nachricht über das Ableben von Fritz Muliar. Als “Österreicher im besten Sinne” würdigte Bundespräsident Heinz Fischer den Verstorbenen, Würdigungen für den Schauspieler und streitbaren Zeitgenossen kamen von allen politischen Parteien.

 

Mehr als 71 Jahre lang war Muliar auf allen bedeutenden Bühnen des Landes und im Fernsehen zu Hause. Am 12. Dezember 1919 in Wien-Neubau geboren, begann seine Laufbahn schon vor dem Krieg im Kabarett “Der liebe Augustin” und im “Simpel”. Nach dem Kriegsdienst, bei dem er wegen “wehrkraftzersetzenden Äußerungen” fünf Jahre lang von den Nazis inhaftiert war, eroberte er rasch Bühne und Leinwand und schrieb sich mit Rollen wie dem “braven Soldaten Schweijk” in das kulturelle Gedächtnis des Landes ein.

Von 1951 bis 1963 war er am Wiener Volkstheater engagiert und spielte parallel dazu dreizehn Jahre lang im Kabarett “Simpl”. Von 1964 bis 1977 war das Theater in der Josefstadt seine künstlerische Heimat, 1974 wurde er Mitglied des Burgtheaters, dem er bis zu seiner Pensionierung 20 Jahre lang angehörte. 1994 kehrte er wieder in die Josefstadt zurück. Daneben entstanden Kinofilme wie “Wien, du Stadt meiner Träume” unter Willi Forst und “Der veruntreute Himmel” unter Ernst Marischka sowie Literaturverfilmungen wie “Schwejk” nach Jaroslaw Haseks Klassiker, oder der “Bockerer”.

Mit Felix Mitterers Einpersonenstück “Sibirien” erreichte Muliar 1992 einen seiner größten künstlerischen Erfolge, im November 2007 feierte er in den Kammerspielen sein 70-jähriges Bühnenjubiläum mit dem eigens für ihn geschriebenen Mitterer-Stück “Der Panther”. Seinen 80. Geburtstag feierte er mit dem Stück “Besuch bei Mr. Green” von Jeff Baron auf der Bühne, zu seinem 90er am 12. Dezember war die Uraufführung einer eigens geschriebenen Fortsetzung geplant: “Mr. Greens zweite Chance”. Zudem war er bis zuletzt mit der Arbeit an einem weiteren Buch beschäftigt. “Denk ich an Österreich. Eine Bilanz” soll nun im Juli postum im Residenzverlag erscheinen.

Um den bekennenden Sozialdemokraten getrauert wurde heute in allen politischen Lagern. Bundeskanzler Werner Faymann (S) sprach von einer “österreichischen Legende” und einem “sozial engagierten und multikulturellen Geist”, Kulturministerin Claudia Schmied (S) von der “Personifikation eines Kulturlebens, das es in dieser Form nach ihm nicht mehr geben wird” und Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) vom “humanistischen Gewissen Österreichs und jenem der Sozialdemokratie”. Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (V) trauerte um einen “impulsiven und oft auch sehr kontroversiellen Freund”, der “vielen Menschen das Lachen geschenkt” habe, aber auch “berühren und erschüttern” konnte. Würdigungen für den Volksschauspieler kamen auch von Vertretern aller anderer Parteien.

Getrauert wurde unter Kollegen, im Theater an der Josefstadt, sowie im ORF. Neben einer Trauerminute während der heutigen Proben zum “Talisman” werden die Proben in der Josefstadt morgen ganz ausgesetzt. “Ich bin wahnsinnig traurig”, sagte Muliars Bühnenkollege Michael Dangl im Gespräch mit der APA. “Er war für mich ein Freund und ein Theatervater.” Auch im ORF trauert man um das langjährige Mitglied sowohl des Publikums- wie auch des Stiftungsrats und ändert in memoriam Fritz Muliar das Programm. Generaldirektor Alexander Wrabetz würdigte Muliar als “großartigen Menschen, leidenschaftlichen Österreicher, begnadeten Schauspieler und Autor”, der in den Gremien “mit seiner pointierten Meinung, einem Rat und seiner leidenschaftlichen Kritik” ein geschätzter Gesprächspartner gewesen sei.

Fritz Muliar: Josefstadt als künstlerische Heimat

Reaktionen: “Die Personifikation eines Kulturlebens”

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