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Freund "versehentlich" erschossen

Aus Angst vor Einbrechern hatte sich ein 74-Jähriger eine Pistole zugelegt - als er sie seinem fünf Jahre älteren Freund zeigen wollte, löste sich ein Schuss - 16.200 Euro Geldstrafe.

Seit fast 50 Jahren waren Hans (74) und Franz (79) miteinander befreundet. Man traf einander regelmäßig im Sportverein oder zu Hause mit den Ehefrauen zur Kaffeejause. So auch am 27. Februar 2004 in der Wohnung des Jüngeren in Wien-Ottakring. Dabei kam es zu einem tragischen Unglück: Franz erblickte im Arbeitszimmer eine Pistole, die sich Hans angeblich aus Furcht vor Einbrechern beschafft hatte. Als der Besitzer seinem Freund die Funktionsweise der Beretta erklären wollte, löste sich ein Schuss, den Franz nicht überlebte.

Geldstrafe wegen “fahrlässiger Tötung”

Am Mittwoch wurde der gebrochen wirkende Schütze im Wiener Landesgericht wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu einer Geldstrafe verurteilt. „Sie haben ungeschickt mit der Beretta hantiert. Das ist schon gefährlich, wenn man nicht schaut, wie der Ladezustand ist“, sagte Richter Hans-Peter Januschke.

Der Beschuldigte schlug die Haken zusammen und nahm eine stramme Haltung ein, bevor er erläuterte: „Ich habe das Magazin entfernt!“ Allerdings befand sich im Lauf noch eine Patrone. Der Schuss brach, als Hans versehentlich den Abzug betätigte.

Kugel ging durch die Leber

Sein Freund wurde aus einer Entfernung von rund einem Meter getroffen. „Der Schussverlauf war sehr unglücklich. Er ist durch die Leber gegangen. Es gab so eine massive Blutung, dass der Tod durch Kreislaufversagen nicht zu verhindern war“, stellte Gerichtsmediziner Christian Reiter fest. Franz starb trotz einer rasch eingeleiteten Notoperation im Wilhelminenspital.

Der Richter verhängte über den Unglücksschützen eine Geldstrafe von 16.200 Euro (540 Tagessätze zu je 30 Euro). „Mildernd waren das Geständnis und die bisherige Unbescholtenheit. Erschwerend dagegen kein Umstand. Eine Freiheitsstrafe ist nicht nötig“, lautete die Begründung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der 74-Jährige erbat Bedenkzeit. Er will nie mehr in seinem Leben eine Schusswaffe angreifen.

Redaktion: Birgit Stadtthaler

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