Freisprüche in Wiener Sauna-Affäre

Als weiterhin unbescholtener Mann hat Wolfgang B., die Zentralfigur in der so genannten Sauna-Affäre, am Mittwoch das Wiener Straflandesgericht verlassen.

Der ehemalige Betreiber des als FKK-Sauna getarnten Bordells „Golden Time“ in Wien-Simmering, gegen den ursprünglich auch wegen grenzüberschreitenden Prostitutionshandels und Zuführung zur Prostitution ermittelt worden war, wurde von der letztlich angeklagten Zuhälterei freigesprochen.

Auch fünf mitangeklagte ehemalige Mitarbeiter des 43-Jährigen wurden freigesprochen. Richter Johannes Jilke machte in seiner ausführlichen Begründung klar, im „Golden Time“ sei nach seinem Dafürhalten keine „direkte Zuhälterei“ betrieben worden. Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig, Staatsanwalt Josef Redl gab vorerst keine Erklärung ab.

Zwei frühere Sauna-Mitarbeiter bekommen in jedem Fall noch einen separaten Prozess wegen des Verdachts auf Schlepperei. Für Wolfgang B., der recht gute Kontakte zur Wiener Polizeispitze hatte – sein einstiges freundschaftliches Verhältnis zu Ernst Geiger, dem ehemaligen Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung, ist sattsam bekannt und kostete Geiger im Vorjahr die Karriere – ist die Sache in strafrechtlicher Hinsicht ausgestanden, sollte die Anklagebehörde auf Rechtsmittel verzichten.

Wolfgang B. war angelastet worden, mit seinen Mitarbeitern eine „kriminelle Vereinigung“ betrieben zu haben, um sich aus der Prostitution eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen. Dabei stützte sich der Staatsanwalt vor allem auf die Aussage von zwei jungen Osteuropäerinnen, die im „Golden Time“ gearbeitet hatten. Ihnen zu Folge soll Wolfgang B. sogar gewalttätig geworden sein, als sie aussteigen wollten.

Sie berichteten in einer polizeilichen Befragung auch von Vorschriften wie dem Tragen bestimmter Kleidung, fixen Dienstzeiten und dem erzwungenen „Abarbeiten“ der Visa-Kosten. Gerichtlich wurden diese Belastungszeuginnen allerdings nie einvernommen: Der Hauptverhandlung blieben sie fern, im Vorverfahren hatte man aus unerfindlichen Gründen auf eine kontradiktorische Einvernahme verzichtet.

Im Hinblick darauf seien ihre Angaben nicht verwertbar, stellte der Richter fest. Allein auf Basis „teilweise unrealistischer, wenig nachvollziehbarer Schilderungen“ gegenüber Polizeibeamten, die er nicht hinterfragen könne, wolle er niemanden verurteilen. „Ich bin nicht gewillt, rechtsstaatliche Mindeststandards zu unterschreiten“, betonte Jilke.

Zudem hatte am heutigen Verhandlungstag eine junge, seinerzeit ebenfalls im „Golden Time“ tätige Rumänin ausgesagt, die zwar darlegte, verspätetes Erscheinen am Dienstort habe Strafen nach sich gezogen und von den Sauna-Betreibern sei ein „gewisser Druck“ ausgeübt worden, die Dienstzeiten einzuhalten. Sie versicherte jedoch, von niemandem gezwungen worden zu sein, in der Sauna die Prostitution auszuüben. Sie sei dort geblieben, „weil es mir dort am Besten gefallen hat. Ich habe dort ohne Zuhälter gearbeitet“.

Davon ging auch der Richter aus. Wolfgang B. sei „der Hauptakteur“ in einem Bordell, jedoch kein Zuhälter gewesen. Er habe – auch im Interesse der Gäste und der Prostituierten – „für Ordnung gesorgt“ und den Mädchen Geldstrafen von bis zu 50 Euro abgeknöpft, wenn es etwas zu beanstanden gab, etwa das Tragen unpassender Kleidung, das Liegenlassen von Badeschlapfen oder Kaugummi kauen. „Es ging primär darum, dass der Betrieb ordentlich funktioniert“, stellte Jilke fest.

Die Frauen hätten ihre Freier als auch die Art der Sexualpraktiken frei und nicht fremdbestimmt wählen können, bemerkte der Richter:
„Von einer direkten Zuhälterei kann daher nicht gesprochen werden.“

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