Free Fire - Trailer und Kritik zum Film

Eine toughe Vermittlerin und einige Hitzköpfe treffen sich in einem Lagerhaus für einen Waffendeal. Der britische Filmemacher Ben Wheatley lädt uns mit seiner Retro-Actionkomödie "Free Fire" dazu ein, uns zurückzulehnen und zu beobachten, wie sie sich über den Haufen schießen. Das Ergebnis ist eine schwarzhumorige Leinwandballerei, die dem Titel des Films gerecht wird.

Der Ort ist Boston; das Jahr ist 1978. Nicht dass das besonders wichtig wäre, denn der gesamte Film ist in einer verlassenen Fabrikhalle untergebracht, aber die Gangster tragen Schulterpolster, Haifischkragen und Schnurrbärte. Hier treffen sich Mitglieder der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) über eine Vermittlerin mit ein paar überspannten Waffenhändlern. Trotz anfänglicher Persönlichkeitsdifferenzen scheint alles reibungslos zu laufen. Ein Missverständnis droht den Deal zunichtezumachen, aber es ist schnell wieder geglättet. Geld und Waffen werden ausgetauscht. Einfach und sauber, würde man denken.

Da kommt eine alte Fehde zwischen zwei der Handlanger auf. Ehe man sich’s versieht, fliegen die Kugeln und Beleidigungen, die tiefer schneiden als die Kugeln selbst; jeder ist verwundet und rollt im Staub des Lagerbodens herum, versucht in Deckung zu gehen und Rüstungen aus herumliegendem Müll zu bauen. Bündnisse werden geschlossen und gebrochen, während die Charaktere buchstäblich verbluten und von Betonpfeiler zu Betonpfeiler kriechen. Es ist alles ziemlich sinnlos, aber das ist der Spaß daran.

Zuweilen ist es ein bisschen chaotisch, weil niemand so recht weiß, wer auf welcher Seite steht. Auch die Charaktere selbst geben zu, dass sie verwirrt sind. Sogar diejenigen, die es wissen, schießen versehentlich auf ihre eigenen Leute. Aber Plausibilität ist kaum die Priorität von Kult-Regisseur Ben Wheatley und seiner Langzeitpartnerin, der Drehbuchautorin Amy Jump, die das beste aus ihrer Vorliebe zu exzentrischen Kriminellen machen, die sie mit Filmen wie “Sightseers” (2012) und “Kill List” (2011) bereits bewiesen haben.

Free Fire – Die Handlung und Kritik

Die letzte Kollaboration der beiden, die Literaturverfilmung “High Rise” über einen Klassenkampf in einem Hochhaus, tauchte komplett ins Surreale. Im Gegensatz dazu ist “Free Fire” – ein Kammerspiel mit bitterbösem Slapstick – angenehm unkompliziert. Es ist Wheatleys erster Film auf “amerikanischem Boden” (gedreht in Brighton, England) und er hat keinen geringeren als Martin Scorsese als Produzenten für sich gewinnen können.

Das internationale Ensemble, das Armie Hammer, Enzo Cilenti, Sam Riley, Michael Smiley, Cillian Murphy, Babou Ceesay, Noah Taylor und Jack Reynor miteinschließt, ist durch die Bank weg fantastisch, aber der südafrikanische Schauspieler Sharlto Copley (“District 9”) stiehlt allen die Show. Er spielt Vernon, einen exaltierten Waffendealer, der als Wunderkind falsch diagnostiziert wurde und nie darüber hinwegkam. Brie Larson (“Room”) spielt die Mittelsfrau Justine, die einzige Dame in der Runde, aber man kann getrost sagen, dass sie den Männern in Sachen unterdrückter Aggressionen in nichts nachsteht.

Wheatley selbst hat den verstorbenen US-Filmemacher Sam Peckinpah (“The Wild Bunch”) als eine wichtige Inspirationsquelle genannt; auch Vergleiche zu Quentin Tarantinos berühmten Heist-Film “Reservoir Dogs” (1992) sind bereits gemacht worden – wegen der Lagerhalle, der messerscharfen Wortduelle, der unsinnigen Gewalt und der ironischen Verwendung von leichter Musik, in diesem Fall von John Denver. Aber mit seinem sorgfältig choreografierten Chaos, seiner ohrenbetäubenden Action, und seinen charismatischen Schauspielern ist “Free Fire” sein ganz eigenes durchgedrehtes Kunststück, das man so noch nicht gesehen hat. Ein teuflisch charmantes B-Movie mit dem Selbstbewusstsein eines Blockbusters.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Free Fire”

(APA)

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