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Frauenhäuser fordern mehr Schutz gegen Gewalt

In diesem Jahr wurden in Österreich bereits 33 Frauen umgebracht.
In diesem Jahr wurden in Österreich bereits 33 Frauen umgebracht. ©pixabay.com
Die Österreichischen Frauenhäuser fordern wirksamere Schutzmaßnahmen gegen Gewalt an Frauen. Die Maßnahmen bisher seien nur ein "Tropfen auf den heißen Stein".
Trennungszeit gefährlich für Frauen
Frau in Wien erstochen

Angesichts der hohen Zahl von Tötungsdelikten an Frauen hat der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) am Donnerstag an die aktuelle und die zukünftige Regierung appelliert, "endlich in wirksamere Maßnahmen zum Schutz und in die Sicherheit von Frauen und deren Kindern zu investieren". Laut Innenministerium (BMI) wurden in diesem Jahr 33 Frauen in Österreich getötet.

Erst am Mittwochabend hat ein 62-Jähriger in Wien-Favoriten die Ehefrau getötet, vier der fünf Kinder erlebten die Tat mit. "Es muss eine klare Strafverfolgung von Gewalttaten an Frauen und häuslicher Gewalt umgesetzt werden - bevor ein Mord passiert", so AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer. Dazu gehörten eine lückenlose Ermittlung und Beweisführung sowie die U-Haft für sehr gefährliche Täter.

Drohungen werden nicht ernst genommen

Anzeigen werden jedoch immer noch viel zu oft eingestellt und Drohungen seitens des Täters von Polizei und Justiz nicht ernst genommen. Am gefährlichsten für die Frau sei die Zeit einer Trennung. Ein höheres Strafausmaß schrecke keinen Gefährder von der Tat ab, es brauche die tatsächliche Anwendung des aktuellen Strafrahmens sowie Richtlinien zur Gefährlichkeitseinschätzung, eine flächendeckende opferschutzorientierte Täterarbeit sowie verpflichtende Fortbildungen in der Justiz in Bereich Gewalt an Frauen. Dringend nötig wäre auch der Ausbau einer kindergerechten psychologischen Betreuung bei Gewalt in der Familie. Kinder, die Zeugen von Gewalt werden, leiden oft ihr Leben lang unter den Folgen und sind häufig schwer traumatisiert.

Die von BMI und Bundeskriminalamt am Dienstag angekündigten Maßnahmen zum Gewaltschutz wie der Ausbau von Fachberatungsstellen bei sexueller Gewalt, Sensibilisierungsworkshops für Schülerinnen und Schüler und Initiativen gegen Hass im Netz seien notwendig. Sie sind laut AÖF aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wiener Interventionsstelle betreut 5.800 Gewaltopfer

Auch Rosa Logar von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie erklärte, es sei grundsätzlich gut, dass sich eine Screening-Gruppe mit dem Thema beschäftige. Jedoch: "Nicht nachvollziehbar und bedauerlich ist, warum wir als Opferschutzeinrichtungen nicht einbezogen wurden. In mehreren Fällen haben wir spätere Mordopfer betreut und es wäre nicht unerheblich, unsere Fachmeinung zu hören." Die Opfer müssten jedenfalls bei allen Analysen im Mittelpunkt stehen. Allein in Wien betreue die Interventionsstelle 5.800 Gewaltopfer, verwende seit Jahren Tools zur Risikoeinschätzung und übermittle Gefahrenmeldungen an Polizei und Justiz - "auch das sollte wohl einbezogen werden".

Die Istanbul-Konvention - das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt - sehe zudem eine signifikante Budgeterhöhung für effektive Präventionsmaßnahmen vor, wie Rösslhumer betonte. Angesichts der immens hohen Folgekosten von Gewalttaten werden mindestens 210 Millionen Euro pro Jahr benötigt. "Mit der Unterzeichnung der Istanbul-Konvention im Jahr 2013 hat Österreich sich verpflichtet, die darin erwähnten Maßnahmen um sexuelle und körperliche Gewalt gegen Frauen aktiv und effektiv zu bekämpfen, anzuwenden." Angesichts der alarmierenden Fallzahlen und der nunmehr 33. Frau, die heuer von ihrem Partner getötet wurde, sei es bereits fünf nach zwölf.

(APA/red)

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