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Frau rammte Ehemann Schere in den Kopf: Zehn Jahre Haft

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. ©APA/HANS PUNZ
Am Freitag musste sich eine 29-Jährige vor Gericht verantworten. Sie soll ihrem Ehemann eine Schere in den Kopf gerammt haben. Sie wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt - das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Wegen versuchten Mordes an ihrem Ehemann ist eine 29-jährige Frau am Freitag am Wiener Landesgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatte ihm laut Anklage am 18. August 2020 in der ehelichen Wohnung in Liesing eine Schere in den Kopf gerammt. Die Angeklagte hatte sich mit einer Unfall-Version verantwortet, die Geschworenen folgten jedoch mit 6:2 Stimmen der Anklage. Die Frau brach nach der Urteilsverkündung mit einem Weinkrampf zusammen und musste gelabt werden.

Die Angeklagte habe ihrem Mann die Schere "mit voller Wucht über dem linken Auge in die Stirn" gestoßen, sagte Staatsanwalt Sherif Selim eingangs der Verhandlung: "Der Stich ist durch die Schädeldecke in die Hirnhaut gegangen. Glücklicherweise hat er überlebt, aber die Verletzungen waren lebensgefährlich."

Frau fertige nach der Tat Fotos an, anstatt Rettung zu rufen

Nach Ansicht des Anklägers manifestierte sich die Tötungsabsicht der Frau auch dadurch, indem sie nach der Tat nicht die Rettung verständigte, sondern mit ihrem Handy Fotos anfertigte und diese an Freunde verschickte. Der 34-Jährige musste selbst einen Freund anrufen und um Hilfe bitten, welcher wiederum die Rettung kontaktierte. Der Mann kam in weiterer Folge in ein Spital, der Stich hatte eine Luftansammlung in der Schädelhöhle und Einblutungen in die Nasennebenhöhlen bewirkt. Die Wunde wurde im Krankenhaus neurochirurgisch verschlossen.

Wäre der Stichkanal nur um wenige Zentimeter anders verlaufen, hätte die Sache für den Mann tödlich enden können, wie Gerichtsmediziner Wolfgang Denk deutlich machte. Dann wäre es nämlich zu massiven Blutungen gekommen. Der 34-Jährige habe den Stich "aus Zufall gut überstanden", gab Denk zu Protokoll.

Mann war am Tag des Geschnisses aus Haft entlassen worden

"Ich gebe zu, meinem Mann eine Kopfverletzung zugefügt zu haben", sagte die Angeklagte. Sie habe das aber "nicht mit Vorsatz getan. Ich bedaure es sehr, dass es dazu gekommen ist. Ich freue mich überhaupt nicht. Ich schäme mich dafür." Ihr Mann war einen Tag vor dem inkriminierten Geschehen aus einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Drogenhandels bedingt entlassen worden. Während seiner Inhaftierung soll seine Frau einen anderen Mann kennengelernt haben, behauptete der Staatsanwalt: "Sie wollte ihren Mann loswerden." Während sie als Pflegerin Geld nach Hause brachte, sei ihr Mann - die beiden hatten sich 2016 im Internet kennengelernt und im darauf folgenden Jahr geheiratet - undurchsichtigen Geschäften nachgegangen und habe in finanzieller Hinsicht nichts zum gemeinsamen Haushalt beigetragen. Das habe sie nach seiner Enthaftung nicht mehr hinnehmen wollen.

"Ich liebe ihn, deshalb habe ich ihn geheiratet. Und ich glaube, er liebt mich, deshalb haben wir geheiratet", stellte die 29-Jährige diese Darstellung in Abrede. Zu dem Streit sei es nur gekommen, weil ihr Mann ihr das Handy weggenommen und sie in ein Zimmer gesperrt habe. Da habe sie im Zorn nach einer Schere gegriffen und diese Richtung Zimmertür geworfen. Just in diesem Moment habe ihr Mann die Tür geöffnet, reingeschaut und die Schere in die Stirn bekommen, behauptete die Frau. Die Rettung habe sie nur deshalb nicht angerufen, weil sie schlecht Deutsch spreche, machte die gebürtige Ungarin geltend.

Urteil ist nicht rechtskräftig

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die 29-Jährige erbat Bedenkzeit, der Staatsanwalt war mit dem Urteil einverstanden.

(APA/Red)

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