Franzose will die Schallmauer durchbrechen

Ein 58-jähriger Franzose will voraussichtlich am kommenden Samstag bei einem gewagten Sprung aus 40 Km Höhe als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen.

„Die Stimmung ist gut, wir sind nur böse auf den Wettergott“

Fallschirmspringer Michel Fournier und ein Team aus Ärzten, Wissenschaftern und Luftfahrtexperten warten seit knapp einer Woche in der mittelkanadischen Prärieprovinz Saskatchewan auf günstige Wetterbedingungen für den Rekordsprung. Einem Sprecher zufolge soll es am Samstag so weit sein.

„Die Stimmung ist gut, wir sind nur böse auf den Wettergott“, sagte Sprecher John de Nugent. Fournier, der seit zehn Jahren für das Abenteuer trainiert, sollte eigentlich schon am vergangenen Sonntag in einem Heliumballon an die Grenze der Erdatmosphäre gebracht werden. Der Sprung musste aber wegen Regen verschoben werden.

Das Team um Fournier lässt auf der Suche nach absoluter Windstille seit einer Woche täglich einen Testballon in den Himmel über der kanadischen Prärie aufsteigen, zum Preis von je 50.000 Dollar (51.245 Euro). Die Zeit drängt, weil ab dem 15. September der Jetstream wieder nach Norden wandert und sich damit das jahreszeitbedingte Fenster für den waghalsigen Sprung schließt. Ein erneuter Versuch wäre dann erst wieder im Mai möglich.

Kurz nach dem Ausstieg aus der Kapsel dürfte Fournier mit einem lauten Knall so wie ein Überschallflieger und bei einer Geschwindigkeit von bis zu 1.600 Kilometern pro Stunde die Schallmauer durchbrechen. Der freie Fall zurück zur Erde soll rund sechseinhalb Minuten dauern. Nur ein fünf Lagen dicker Weltraumanzug wird den Franzosen gegen die riskanten Bedingungen in der Stratosphäre schützen: Außentemperaturen von bis zu minus 115 Grad Celsius und ein Luftdruck, der nur ein Tausendstel dessen auf dem Boden beträgt.

Sollte die Rückkehr zur Erde gelingen, würde Fournier drei Rekorde aufstellen: die erste Durchbrechung der Schallmauer „zu Fuß“, den längsten freien Fall sowie die höchste Geschwindigkeit, die ein Mensch bei einem Sprung je erreicht hat.

Die Messlatte für den Rekordversuch hatte 1960 der Amerikaner Joseph Kittinger gelegt, als er aus einer Höhe von 31 333 Metern den Absprung wagte. Der Amerikaner Nick Piantanida kam 1965 in Folge des Versuchs, diesen Rekord zu brechen, ums Leben. Nachdem er auf halbem Weg zurück zur Erde seine Atemmaske verloren hatte, fiel er wegen Sauerstoffmangel in ein tiefes Koma und starb vier Monate später.

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