Franzobel als Inselschreiber
Um das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium zum Thema Moderne Märtyrer hatten sich rund 200 Autoren beworben.
Franzobels Die Reise in den Himmel ist für die Jury eine Seilbahnfahrt, die zum apokalyptischen Welttheater, zur schreckensvollen Lebensreise, zu einer Phantasmagorie der Angst werde. Sie nehme den Leser mit in die existenzielle Erfahrung, dass wir alle in der Luft hängen, uns in Sicherheit wiegen wollen und doch der kontrollierten Umstände nie sicher sein können. Durch Kaskaden von eigenwilligen, barocken Metaphern wird das Bedrohliche ins Groteske und Aberwitzige gedreht, in einen Schwindel von Slapstick und Todesangst, nur um in einer Gipfellandung von tückischer Glimpflichkeit zu enden. Dabei würden Franzobels Wortwitz und Selbstironie den Text vor dem schweren Bedeutsamkeits-Gestus, der Parabeln sonst oft anhaftet bewahren.
Die Stiftung vergibt das zweimonatige Stipendium seit 2001. Frühere Inselschreiber waren unter anderem Feridun Zaimoglu (2003) und Jan Peter Bremer (2007).
Der in Wien lebende Oberösterreicher, 1967 in Vöcklabruck geboren, erhielt u.a. 1995 den Bachmann-Preis und 2005 den österreichischen Theaterpreis Nestroy für das Beste Stück des Jahres (Hunt oder Der totale Februar). Mit Stücken wie Hunt und Zipf (2009 soll Lenz die Trilogie vollenden) hat er sich als politischer Dramatiker einen Namen gemacht. 2007 erschien sein jüngster Roman Liebesgeschichte