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FPÖ will Liste mit türkisch-österreichischen Doppelstaatsbürgern an Behörden weitergeben

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei dem Medientermin am Dienstag.
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei dem Medientermin am Dienstag. ©APA/Herbert Pfarrhofer
Die FPÖ sei in Besitz einer türkische Wählerevidenzliste, die illegale Doppelstaatsbürger in Österreich enttarnen würde. "Da hat es nur eine Konsequenz zu geben, der Verlust der österreichischen Staatsbürgerschaft", betonte Parteichef Heinz-Christian Strache.

Die FPÖ hat eine türkische Wählerevidenzliste mit 46.000 Namen zugespielt bekommen und will sie den Behörden zur Enttarnung illegaler Doppelstaatsbürger übermitteln. Es werde noch “geprüft, ob das wirklich eine korrekte Wählerevidenzliste ist”, sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Dienstag vor Journalisten in Wien. Auf der Liste seien auch “viele Bezirksräte aus unterschiedlichen Parteien”.

Strache wollte auf Nachfrage nicht sagen, von wem die FPÖ die Liste erhalten habe. Die Liste scheine glaubwürdig und werde derzeit von einem Rechtsanwalt überprüft. “Wir werden mit den Listen sicher nicht hinterm Berg halten”, sagte Strache mit Blick auf die Weigerung des Grünen Nationalratsabgeordneten Peter Pilz, der seine Wählerliste den Behörden nur unter Bedingungen geben will. Der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) sagte, Pilz halte die Liste zurück, “weil auch eigene Funktionäre betroffen sind und Politiker der Grünen eine doppelte Staatsbürgerschaft haben”.

Strache: “Sind von tausenden Doppelstaatsbürgern”

Als “wirklich lächerlich” und “Schutzbehauptungen” wies Strache Angaben von Betroffenen zurück, sie hätten nichts vom Wiedereintritt in die türkische Staatsbürgerschaft gewusst. Es sei ja niemand “mit vorgehaltener Pistole” gezwungen worden, die entsprechende Unterschrift zu leisten. “Wir sind von tausenden Doppelstaatsbürgern betrogen worden. Da hat es nur eine Konsequenz zu geben, der Verlust der österreichischen Staatsbürgerschaft”, betonte Strache. Er forderte bis zur Klärung der Frage einen Stopp aller Einbürgerungen von Türken sowie die Einsetzung einer Task Force im Innenministerium, die sämtliche Einbürgerungen der vergangenen 15 Jahre unter die Lupe nehmen solle.

Hofer mahnte, dass die illegalen Doppelstaatsbürgerschaften auch einen Anfechtungsgrund bei österreichischen Wahlen darstellen können. “Es geben Menschen ihre Stimme ab, die keinen Pass haben.” Dadurch würden Wahlen anfechtbar. “Das sollten wir uns wirklich sparen”, sagte der ehemalige Bundespräsidentschaftskandidat.

Doppelstaatsbürger: FPÖ-Kritik an SPÖ und ÖVP

Strache betonte, dass die FPÖ schon vor Jahren auf das Problem der illegalen Doppelstaatsbürger aufmerksam gemacht habe. Die Behörden hätten in vielerlei Hinsicht tätig werden können, etwa mit “Planquadraten” vor türkischen Konsulaten, beim Bundesheer oder auf Flughäfen, um Pässe auf fehlende türkische Stempel zu prüfen. “Es ist immer eine Frage des Wollens”, doch der Wille sei bei SPÖ und ÖVP nicht vorhanden, weil die beiden Parteien eng mit regierungsnahen türkischen Organisationen wie AKP, ATIB oder UETD vernetzt sind. Hier sei “offenbar eine Wählerschaft für die Koalition aufgebaut” worden, “die man nicht verärgern” wolle.

Scharfe Kritik übte der FPÖ-Chef auch an Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP), den er für das “dramatische Integrationsversagen” im Land verantwortlich machte. So sei etwa das unter der Ägide von Kurz beschlossene Islamgesetz “ein völlig schwachmatisches Gesetz”, das nicht einmal der Auslandsfinanzierung von islamischen Vereinen einen Riegel vorschiebe. Diese würden sich nämlich als kulturelle Vereine “platzieren”, um weiterhin Geld aus der Türkei oder Saudi-Arabien zu erhalten. “Es ist fünf nach zwölf, wir müssen handeln”, betonte der FPÖ-Chef, der auch das Nein der Wiener Gemeinderatsparteien zu einem Kopftuchverbot für Minderjährige in Kindergärten kritisierte.

Strache über sein Posting an Erdogan-Fans in Österreich

Indes hat Strache seine Facebook-Abschreibearbeit mit Zeitgründen begründet. Er wollte den Text “so rasch wie möglich verbreiten, weil er gut und richtig ist”, sagte der FPÖ-Chef auf die Frage, warum er seine Kritik an Erdogan-Wählern großteils abgeschrieben hat. Er habe den Text “geglättet und ergänzt”. “Ich habe fast keinen Satz 1:1 übernommen.”

In dem höhnischen Posting hatte Strache die in Österreich lebenden Erdogan-Wähler zum Verlassen des Landes aufgefordert, weil er nicht wolle, dass sie unter westlichen Werten wie Demokratie, Pressefreiheit oder Gleichberechtigung litten. Er verfolge “mit Sorge und Mitgefühl, wie unverstanden Sie sich bei uns fühlen”, hieß es in dem am Montag publizierten Text zynisch. Laut einem Bericht der Tageszeitung “Kurier” schrieb Strache bei der deutschen Autorin Gabriele Brinkmann ab. Sie sagte dem “Kurier”, dass sie sich “missbraucht” fühle. Ihre politischen Ansichten deckten sich “in keiner Weise” mit jenen Straches.

(APA, Red.)

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