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Flüchtlingsdrama auf A4: Berufungsprozess startet

Staatsanwalt und Verteidiger waren nach dem Ersturteil am Landgericht in Kecskemet in Berufung gegangen.
Staatsanwalt und Verteidiger waren nach dem Ersturteil am Landgericht in Kecskemet in Berufung gegangen. ©APA/Georg Hochmuth
Im August 2015 kamen 71 Flüchtlinge bei einem Transport in einem Kühllaster ums Leben. Heute, Donnerstag, startet der Berufungsprozess.
Angeklagte zu 25 Jahre Haft verurteilt
Männer bestreiten Tat
Insgesamt sieben Festnahmen
Ermittlungen und Obduktion im Gange
Ermittler bargen 70 Leichen
Schlepper wurde abgehört
Der erste Prozesstag
Bilder vom Schlepperfahrzeug

Der Fall von 71 in einem Kühllaster erstickten Flüchtlingen wird am Donnerstag in zweiter Instanz am Tafelgericht im südungarischen Szeged verhandelt. Staatsanwalt und Verteidiger waren nach dem Ersturteil am Landgericht in Kecskemet in Berufung gegangen. Im neuen Prozess sollen laut Staatsanwaltschaft lebenslange Haftstrafen ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung beantragt werden.

In erster Instanz war das Gericht in Kecskemet bei seinen Urteilen von jeweils 25 Jahren für die vier Hauptangeklagten unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß geblieben. In der nächsten Instanz entscheidet nunmehr ein Tafelgericht, vergleichbar mit den Oberlandesgerichten in Österreich.

71 Migranten erstickten 2015 in einem Kühllaster

Bei den Hauptbeschuldigten - ein Afghane und drei Bulgaren - soll es sich um den Kopf der Schlepperbande, seinen Stellvertreter und den Fahrer jenes Kühl-Lkw handeln, in dem die 71 Migranten im August 2015 erstickten, sowie um den Lenker eines Begleitautos. Die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan starben am 26. August 2015 auf ungarischem Gebiet. Ihre Leichen wurden tags darauf in dem in einer Pannenbucht der Ostautobahn (A4) bei Parndorf im Burgenland abgestellten Lastwagen entdeckt.

Chaos bei Berufungsverhandlung in Szeged

Unter chaotischen Bedingungen hat am Donnerstag im südungarischen Szeged die Berufungsverhandlung im Fall der 71 in einem Kühllaster erstickten Flüchtlinge begonnen, die am 27. August 2015 in einer Pannenbucht der Ostautobahn (A4) bei Parndorf entdeckt wurden. Die Angeklagten beschwerten sich, sie würden den Dolmetscher nicht verstehen. Für die Verteidiger waren dessen Übersetzungen nicht hörbar.

Die Anwälte machten dafür technische Probleme im Gerichtssaal verantwortlich. Schließlich wurde die Verhandlung für 40 Minuten unterbrochen, um die behaupteten Schwierigkeiten zu überprüfen und allenfalls zu beheben.

Hauptangeklagte sollen Kopf einer Schlepperbande sein

Die Angeklagten waren in Hand- und Fußfesseln vor Richter Erik Mezölaki gebracht worden. In erster Instanz war das Gericht in Kecskemet mit jeweils 25 Jahren Haft für die vier Hauptangeklagten - ein gebürtiger Afghane und drei Bulgaren - unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten lebenslang geblieben. Vor dem Tafelgericht in Szeged - vergleichbar mit den österreichischen Oberlandesgerichten - forderte der öffentliche Ankläger nun lebenslang ohne vorzeitige Entlassung. Die Verteidiger ersuchten um Freisprüche bzw. Strafminderung und stellten für die Bulgaren den Antritt auf Strafverbüßung in deren Heimat.

Bei den Hauptangeklagten soll es sich um den Kopf einer Schlepperbande, seinen Stellvertreter, den Lkw-Fahrer sowie um den Lenker eines Begleitautos gehandelt haben. Die umgekommenen Flüchtlinge stammten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Neuer Dolmetscher bei Verhandlung

Die Angeklagten hatten wiederholt beklagt, sie würden den Dolmetscher nicht verstehen. Für die Verteidiger waren wiederum dessen Übersetzungen nicht hörbar, wofür sie technische Probleme im Gerichtssaal verantwortlich machten. Schließlich wurde die Verhandlung für 40 Minuten unterbrochen, um die behaupteten Schwierigkeiten zu überprüfen und allenfalls zu beheben. Danach bekam der Dolmetscher ein Mikrofon ausgehändigt, was an der Qualität seiner Übersetzungen offenbar wenig änderte. Nach weiteren Beschwerden zog Richter Erik Mezölaki schließlich die "Reißleine".

(APA/Red)

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