Flöttl: Strategie mit Elsner besprochen

Wolfgang Flöttl hat nach seinen Angaben im Jahr 2000 ab März bis zum Eintritt des Totalverlustes der neuen Veranlagungen im November regelmäßig - zumindest zwei bis drei Mal im Monat - mit Helmut Elsner telefoniert.

Er habe die Investmentstrategie der Uni-Bonds – innerhalb der BAWAG – nur mit Elsner besprochen, sagte Flöttl am Mittwoch.

Laut Flöttl war das meiste Kapital – die BAWAG stellte Flöttl in Summe etwa 430 Mio. Euro zur Verfügung – anfangs in Bonds investiert. Da es damals keine großen Investmentmöglichkeiten gegeben habe, habe er sehr vorsichtig investiert. Im März 1999 sei dann ein Anruf von Elsner gekommen, er müsse doch wissen, dass die Idee der Uni-Bonds wäre, die Verluste in sechs Jahren zurückzugewinnen. Dazu wäre eine Rendite von 30 Prozent jährlich zu verdienen gewesen. Daraufhin habe er nach bessern Investmentmöglichkeiten gesucht, zuerst aber Verluste von 6 Prozent eingefahren.

Ende April habe es dann die Möglichkeit gegeben, dass sich die Wirtschaftslage in Japan verbessert und die Bank of Japan, die lange Zeit eine Nullzinspolitik gefahren hat, die Zinsen von Null auf 0,25 Prozent erhöht. Das wäre ein besonderes Ereignis gewesen, dass nicht erwartet wurde. Er habe versucht, so viel als möglich zu recherchieren. Vom Londoner Investmentbanker Kaveh Alamouti sei er dabei nicht beraten worden, da dieser vor Juni noch keine Konzession hatte.

Über diese Investmentchance habe er mit Elsner gesprochen: Wenn das eintritt, dann bestehen über ein bis zwei Jahre sehr große Gewinnchancen, denn niemand habe angenommen, dass das eintreten könne. „Wir haben eine Position gefahren und ausgebaut“. Anfang August habe sich die Markteinschätzung insofern geändert, dass die Wirtschaftslage in Japan schlecht sei und die Bank of Japan noch weitere zwei Jahre ihre Nullzinspolitik fahren werde. Daraufhin sei die Veranlagung hinuntergegangen. Dies habe er Anfang August 2000 auch Elsner mitgeteilt, der daraufhin zu ihm auf die Bahamas kommen wollte. Er habe Elsner nicht dazu eingeladen, vielmehr habe sich Elsner selbst eingeladen, betonte Flöttl. „Das hat mir nicht viel Spaß gemacht, ich war aber wirtschaftlich abhängig von der BAWAG“, so Flöttl.

Am 11. August habe dann die Bank of Japan überraschend die Zinsen für Übernachtgeld doch auf 0,25 Prozent erhöht. Damit waren seine Erwartungen eingetreten, der Wert der Veranlagungen ist hinaufgegangen. Dass es damals sehr gut aussah, habe er mit Elsner anlässlich seines Urlaubes auf den Bahamas besprochen. Es sei auch kurz besprochen worden, ob man raus gehen solle. „Wir haben weiter gemacht, sind nicht raus gegangen“, so Flöttl.

Das Investment sei in der Folge gut gelaufen, Anfang September sei es dann hinuntergegangen. Auch darüber habe er mit Elsner gesprochen. Dieser habe gesagt, dass man weiter drinnen bleiben solle, wirtschaftlich habe sich nichts geändert, die Einschätzung, dass die Zinsen steigen werden, sei richtig. Bis 7./8. Oktober habe es keine Bewegung gegeben, danach seien die Zinsen noch einmal runter gegangen. Man habe überlegt rauszugehen, dann seien die Zinsen wieder hinaufgegangen.

Erst im November habe es dann gewaltige Zinsbewegungen gegeben, die zwar an der gefahrenen Investmentposition nichts geändert haben, jedoch aufgrund der erhöhten Volatilität hätten die Handelspartner viel höhere Margin-Calls verlangt. „Diese konnten wir nicht erfüllen“, so Flöttl.

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