Flöttl erzählt "totalen Blödsinn"

Helmut Elsner hat erneut den Angaben von Wolfgang Flöttl entschieden widersprochen, er sei von diesem Anfang Oktober in New York von ersten Verlusten informiert worden und hätte diesen aufgefordert, die Spekulationsgeschäfte mit BAWAG-Geldern trotzdem fortzusetzen.

„Das scheint seine Verteidigungslinie zu sein, das ist totaler Blödsinn, das stimmt nicht“, sagte Elsner heute, Donnerstag, bei seiner Einvernahme im BAWAG-Prozess. Flöttl habe ihn erst informiert, als das ganze Geld schon weg war. Dass Flöttl die BAWAG-Gelder in Yen veranlagte hätte er zuvor überhaupt nicht gewusst, betonte Elsner. Unter Bezugnahme auf Flöttls Aussagen, Elsner habe ihn damals unter Druck gesetzt, um nach dem Totalverlust von 639 Mio. Dollar (468 Mio. Euro) BAWAG-Gelder Flöttls Vermögen an die BAWAG zu übertragen, entgegnete Elsner: „Welches Druckmittel hätt’ ich haben sollen, wenn ich der Schuldige bin? Wenn ich ihm mit einer Anzeige drohe ist das doch so, als ob ich einen Sprenggürtel um den Leib habe und mich selbst in die Luft sprenge. Eines ist klar, entweder Flöttl oder ich sage die Unwahrheit, das ist logisch“. Sein Besuch in New York Anfang Oktober 1998 sei im Anschluss an einen Aufenthalt in Washington erfolgt, wo er damals vor der Presse eine Kooperation mit dem Broker Refco vorstellte, erinnerte sich Elsner heute. Dass er mit Flöttls Flugzeug nach New York geflogen war, könnte auch daran liegen, dass Flöttl damals selber in Washington gewesen sei, weil er dort Verwandte hatte, genau wisse er das nicht mehr, erläuterte Elsner. Wenn es gestimmt hätte, dass er, Elsner, Flöttl veranlasst habe, trotz erster Verluste weiterzuspekulieren, so hätte Flöttl dies doch in der BAWAG-Vorstandssitzung am 26. Oktober 1998 in Wien vorgebracht, als er von BAWAG-Vorstand Christian Büttner angegriffen worden war und mit dem Betrüger Nick Leeson von der Barings Bank verglichen wurde, argumentierte Elsner. Flöttl sei damals „explodiert“, er lasse sich nicht zum Verbrecher stempeln. Flöttl habe ihn aber nicht beschuldigt, sondern damals lediglich „wortreich“ erklärt, was passiert war.

Flöttl habe damals den BAWAG-Vorstand auch informiert, „wenn er Geld hätte, würde er eine Yen-Option schreiben“, weil er erwartete, dass der Yen bis Jahresende 1998 auf einen Kurs zum Dollar von 200 zu 1 fallen werde. „Der Vorschlag für die Yen-Option kam von ihm“, sagte Elsner. Büttner sei dagegen gewesen, er wollte nur das Vermögen von Flöttl für die BAWAG verwerten, aber keine Geschäftsverbindungen mehr mit dem Investmentbanker. Flöttl habe aber widersprochen, unter diesen Voraussetzungen gebe er sein Vermögen nicht her, weil „er ist pleite“. Als Bedingung für die Herausgabe seiner Vermögenswerte habe Flöttl damals neue Mittel verlangt, damit er weiterarbeiten könne, „dass er bei der Rückkehr in New York an der Börse zeigen kann, dass es ihn gibt“. Die BAWAG hatte Flöttl schließlich 250 Mio. Dollar für eine Yen-Option und 80 Mio. Dollar für einen Betriebsmittelkredit zur Verfügung gestellt. Auch das Geld ging verloren. Flöttl hatte gestern geschildert, er sei im Oktober 1998 mit 40 Mio. Dollar Verbindlichkeiten verschuldet gewesen.

Richterin Claudia Bandion-Ortner befragte Elsner dann dazu, wieso er damals der Meinung war dass das Flöttl’sche Vermögen und seine Firma genügten, um den erlittenen Verlust zu kompensieren. Den Wert der Flöttl-Firma von 200 bis 400 Mio. Dollar habe er durch einen Vergleich mit einem ähnlichen, gleich großen Investmenthaus mit ebenfalls über 100 Mitarbeitern ermittelt, das damals von der Chase Manhatten Bank gekauft worden sei, so Elsner. Die Bildersammlung habe er aus Fotos mit Unterlagen der Ankaufsbestätigungen vom Auktionshaus Sotheby’s gekannt. Flöttl selber habe den Wert seiner Firma aber nur mit 40 Mio. Dollar angegeben, hielt die Richterin Elsner vor. „Flöttl erzählt uns hier viel“, entgegnete Elsner. „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“, sagte der Angeklagte. „Wir dachten damals, er sei ein erfolgreicher Manager mit großem Kundenstock und Zugang zu den reichsten Leuten der USA“. Den Verlust habe Flöttl als „einmaligen Schadensfall“ bezeichnet, „er hat Optimismus versprüht“.

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