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Florian Scheuba zieht im Interview Bilanz: "Das einzige Ziel war, Spaß zu haben"

Florian Scheuba kritisierte im Interview die Aufteilung der ORF-Gebühren.
Florian Scheuba kritisierte im Interview die Aufteilung der ORF-Gebühren. ©APA
Zum Jahresende zieht Florian Scheuba gleich doppelt Bilanz: Am 30. Dezember läuft die Sendung "Wir Staatskünstler. Die Jahresbilanz 2014" im Fernsehen, ab 19. Dezember steht er solo im Wiener Rabenhof mit seinem Programm "Bilanz mit Frisur" auf der Bühne.

Seit 33 Jahren steht der Satire-Profi, der am 5. April des kommenden Jahres seinen 50. Geburtstag feiert, bereits auf der Bühne. Ein guter Zeitpunkt für “eine Zwischenbilanz über das, was bisher war”, meint Scheuba im Gespräch mit der APA.

Die Idee sei ihm bei Lesungen aus seinem aktuellen Buch “Geht’s?” gekommen. Dabei sei das Bedürfnis, die gelesenen Texte mit erzählten Passagen zu ergänzen, sehr groß gewesen. Also blickt er zurück.

Persönlicher Rückblick von Scheuba

Und, wie war das damals, als 1981 vier 16-jährige Mödlinger Gymnasiasten (Florian Scheuba, Werner Sobotka, Mini Bydlinski und Wolfgang Pissecker) unter dem Namen “Die Hektiker” erstmals die Bühne betraten und in der Folge phänomenale Kabarettisten-Karrieren hinlegten?

“Wir hatten keinen Plan. Das einzige Ziel war, Spaß zu haben. Zwischen schriftlicher und mündlicher Matura haben wir bereits das zweite Programm gemacht. Wir waren junge, dumme Buben, die plötzlich am Cover des Rennbahn-Express waren. Wir sind in einer Zeit großgeworden, in der der Tonträger-Markt noch wichtig war. Wir waren als erster Kabarett-Act Nummer eins der Hitparade.”

“Keinen Masterplan verfolgt”

Auch in der Folge habe er keinen Masterplan oder Berufsziel verfolgt, sagt Scheuba. “Ich bin hineingerutscht. Ich hab dann auch studiert, zwischendurch als Journalist bei der ‘Presse’ gearbeitet und bin zum ORF gekommen.”

Dort gab es später legendäre Satire-Produktionen wie “Die 4 da” (2007/8, mit Florian Scheuba, Rupert Henning, Thomas Maurer und Erwin Steinhauer), aber auch immer wieder Kalamitäten wie jüngst um die Rücknahme einer mündlichen Zusage für zwei Vierer-Staffeln von “Wir Staatskünstler unterwegs”. “Stattdessen hat man angeboten, den Staatskünstler-Rückblick 2015 auf 90 Minuten auszuweiten”, erzählt Scheuba. Keine wirkliche Kompensation.

Dennoch möchte er festhalten: “Im Vergleich zu früher ist die künstlerische Freiheit im ORF größer geworden. Aus einem Hektiker-Programm hat man einmal noch am Sendetag sechs Minuten rausgeschnitten. Es war eine Haider-Nummer, und weil die Sendung dann natürlich zu früh aus war, erschien die Ansagerin und hat gesagt: ‘Bis zum Beginn der nächsten Sendung zeigen wir noch ein Video von Michael Jackson…'” Heutzutage sei bei Interventionen gegen Sendungsinhalte die Gefahr ungleich größer, dass diese publik würden.

Kritik am ORF: Gefahr der Unterfinanzierung

Die größere Gefahr sieht Scheuba in der Unterfinanzierung des ORF-Programms. “Der größte Skandal ist, dass die ORF-Gebühren gar nicht zur Gänze dem ORF zugutekommen. 131,9 Mio. Euro fließen in sieben von neun Bundesländern, nur Vorarlberg und Oberösterreich profitieren davon nicht. Manches fließt etwa in Filmförderung oder Brauchtumspflege, aber es gibt auch Bundesländer ohne Zweckbindung dieser Gelder. Das ist eine Sauerei der Politik und eine andere Größenordnung als die 40 Mio. Euro der Gebührenrefundierung, über die so heiß diskutiert wurde.”

Einer Umwandlung der ORF-Gebühren von Fernseh- und Radio-Konsumenten in eine ORF-Haushaltsabgabe für Jedermann steht Scheuba nicht per se ablehnend gegenüber. “Natürlich ist der öffentlich-rechtliche Sender ein Kulturträger und als solches identitätsstiftend. Da kommen wir sehr in die Nähe der Kulturfinanzierung.”

“Vorsicht gegenüber Prognosen”

Bei den Veranstaltern des Nestroy-Preises haben sich die “Staatskünstler” als Moderatoren der jüngsten Gala nicht beliebt gemacht. Einerseits verweigerten sie die Einsichtnahme in Buch und Moderationstexte, andererseits nahmen sie natürlich auch die aufsehenerregenden Vorgänge am Burgtheater rund um Finanzmisere und Entlassungen aufs Korn. Dass man über schwarze Schafe nicht sprechen darf, weil damit gleich eine ganze Branche diskreditiert werden könnte, hält Scheuba für die vollkommen falsche Vorgangsweise: “Es wird in all’ diesen Debatten viel zu wenig differenziert. Auf der einen Seite ist Gier oder Misswirtschaft anzuprangern, auf der anderen Seite ist das Durchschnittseinkommen eines österreichischen Künstlers beschämend. Da eine Bunkersolidarität einzumahnen halte ich für völlig falsch.”

Nach dem Rückblick noch eine abschließende Frage nach dem Ausblick: Teilt Florian Scheuba das weitverbreitete Gefühl, in einer Endzeit zu leben, in der das böse Finale jener langen Phase von Frieden und Wohlstand, die seine Generation erleben durfte, nicht lange auf sich warten lassen wird? “Ich habe generell eine große Vorsicht gegenüber Prognosen aller Art. Wenn ich mit Unsicherheit nicht leben könnte, könnte ich meinen Beruf nicht ausüben – ich weiß meist nicht, was mir das kommende Jahr bringen wird. Angst vor dem Kommenden würde mich zu sehr lähmen. Aber für möglich halte ich alles.”

(APA)

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