"Flitzer" fiel Bildausfall zum Opfer

Den österreichischen Zusehern entging ein sogenannter "Flitzer", der während des ORF-Bildausfalls in Basel über den Platz lief und von Ordnungskräften zu Boden gerissen wurde.

Durch die Übernahme der Fernsehbilder von SF1 sahen jedoch die deutschen Zuschauer auf dem ZDF den Vorfall. Ähnliches war während der Partie Österreich gegen Kroatien passiert. Dort hatte die UEFA die Szene in ihrem Weltbild-Angebot nicht gezeigt. TV-Kritiker sprachen danach von Zensur.

UEFA nimmt “stürmende” Zuschauer lieber in Kauf

Während des Halbfinales Deutschland – Türkei (3:2) in Basel hat ein pro-tibetischer Aktivist kurz die Fußball-EM-Bühne genutzt, um auf die Probleme in seiner Heimat aufmerksam zu machen. Und auch im Gruppen-Spiel Österreich gegen Kroatien (0:1) in Wien hatte ein auf das Spielfeld stürmender Zuschauer “gestört”. Solche Vorfälle kommen im Fußball immer wieder vor und werden von der UEFA auch in Kauf genommen.

“Weil Stadien ohne Barrieren für die Besucher viel sicherer sind. Man benötigt zwar mehr Stewards, aber das ist immer noch besser, als keine Fluchtwege zu haben. Wir ziehen es vor, dieses Risiko einzugehen”, erklärte UEFA-Kommunikationsdirektor William Gaillard am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Solche Probleme würden immer wieder auftreten. Am Mittwoch hätten die “Aufpasser” den stürmenden Mann rasch überwältigt.

Dieser war nach dem Ausgleichstor der Türken zum 2:2 kurz vor Schluss auf den Rasen des St. Jakob-Parks gelaufen und fast bist zum anderen Strafraum gekommen. Auf seinem grünen Leiberl stand der Slogan “Tibet ist not China”, ein Protest gegen die Politik Pekings in der Himalaya-Region. Dort waren bei antichinesischen Demonstrationen im März nach nationalen offiziellen Angaben 22 Menschen ums Leben gekommen.

ZDF überprüft Ansprüche gegen UEFA wegen Bildausfall

Die Fernsehpanne beim EM-Halbfinale Deutschland – Türkei hat möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Das ZDF überprüft derzeit, ob Ansprüche gegen die Europäische Fußball Union (UEFA) geltend gemacht werden können. Bei der Live-Übertragung am Mittwoch, die in Deutschland bis zu 32,74 Millionen Fans verfolgten, war das von der UEFA produzierte Weltbild in der zweiten Spielhälfte mehrmals wegen eines Stromausfalls im Internationalen Fernsehzentrum (IBC) in Wien ausgefallen.

Die Panne könnte laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz einen deutschen TV-Rekord verhindert haben. Im Schnitt sahen 29,54 Millionen Deutsche (81,8 Prozent Marktanteil) die dramatische Partie. Das bedeutet EM-Rekord und Platz zwei in der ewigen TV-Hitliste hinter dem Halbfinale Deutschland – Italien (29,66 Millionen) bei der Heim- Weltmeisterschaft 2006. Fans beim Public Viewing und türkische Zuschauer wurden bei der Ermittlung der TV-Quote nicht erfasst.

“Ich verstehe nicht, warum das Notstromaggregat in Wien nicht funktioniert hat”, erklärte Gruschwitz am Donnerstag zu der “ärgerlichsten anzunehmenden Panne”. Der Mainzer Sender hatte nach einem zweiten Stromausfall in Wien das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens SF1 übernommen, das zu dieser Zeit über eine Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel als einziges noch verfügbar war.

Während des Bildausfalls hatte ZDF-Kommentator Béla Réthy die TV-Zuschauer wie ein Radioreporter per Telefonleitung auf dem Laufenden gehalten. Ton und Bild kamen zwischenzeitlich aber zeitversetzt an. Das zweite deutsche Tor von Miroslav Klose feierte Réthy bereits, als die Fernsehzuschauer den Ball noch gar nicht im Tor sahen.

Laut Gruschwitz haben sich alle anderen TV-Sender verpflichtet, das von der UEFA in Wien produzierte Signal zu übernehmen. Auch die von eigenen Kameras hergestellten ZDF-Bilder gehen über das IBC und waren von der technischen Panne betroffen. “Darüber wird noch zu reden sein”, sagte Gruschwitz.

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