Finanzprobleme an der Staatsoper: "Das Budget ist noch nicht ganz fertig"

Oper: Das Budget ist noch nicht ganz fertig”
Oper: Das Budget ist noch nicht ganz fertig” ©Staatsoper
Die Wiener Staatoper hat bereits vor wenigen Tagen finanzielle Probleme angekündigt. Nun hat sich der kaufmännische Chef des Hauses zu Wort gemeldet.
Probleme an der Oper
Preise steigen

Derzeit kommt den kaufmännischen Geschäftsführern der Bundestheater eine Schlüsselrolle zu. Im Anschluss an die Saison-Pressekonferenz der Wiener Staatsoper sprach die APA daher mit Thomas Platzer, dem langjährigen kaufmännischen Chef des Hauses.Wien.

Herr Direktor Platzer, heute wurden die künstlerischen Vorhaben der Staatsoper für die Saison 2014/15 vorgestellt. Werden sie finanzierbar sein?

Thomas Platzer: Das Budget ist noch nicht ganz fertig. Wir arbeiten daran, sowohl mit der Holding wie auch mit dem Herrn Minister. Es gibt Lösungsvorschläge, wie man das schafft. Aber ich spreche darüber erst, wenn es umgesetzt ist.

Gibt es im Spielplan Positionen, die in einem Worst-Case-Szenario rausgenommen werden müssten?

Platzer: Es gibt kein Zurück. 2014/15 hält bombenfest. Das muss man auch machen, sonst könnte man auch nicht die nötigen Karteneinnahmen erzielen. Wenn man da Unruhe hineinbrächte, wäre das schlecht. Der Spielplan, so wie er jetzt vorgestellt wurde, wird daher zu 100 Prozent realisiert werden können.

In den vergangenen Saisonen musste die Staatsoper über die Basisabgeltung hinaus zusätzliches Geld des Bundes in Anspruch nehmen. Ist für die kommende Saison ebenfalls zusätzliches Geld eingerechnet?

Platzer: Es ist alles in Schwebe. Noch ist nichts fixiert. Aber ich möchte eines korrigieren: Der letzte Zuschuss, den wir bekommen haben, war die Rückzahlung für Geld, das wir im Konzern hergeborgt haben. Das haben wir zurückbekommen, wie es sich gehört. Dieses Jahr ist das Budget genehmigt. Wir sind auch vollkommen im Plan. Es schaut ganz passabel aus, dass bis zum 31. August alles so geschieht, wie es vorgesehen ist. Ob es dann sogar ein bisserl besser ist, werden wir am Schluss sehen.

Angebung der Eintrittspreise

Ist die geplante Anhebung der Eintrittspreise ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Platzer: Nein, das ist ein doch relevanter Beitrag.

Welche andere Möglichkeiten haben Sie noch, an welchen Stellschrauben können Sie noch drehen?

Platzer: Nachdem die Basissubvention in den vergangenen 14 Jahren ja in Wahrheit nicht erhöht wurde, geht mir eine Frage eigentlich immer ab: Wie haben Sie diese 14 Jahre geschafft? Wir haben es geschafft, indem wir Preise erhöht haben, eingespart haben, andere Einnahmen realisiert haben. So haben wir 14 Jahre geschafft, elf mit Direktor Holender, jetzt drei mit Direktor Meyer. Dass irgendwann einmal das Ende der Fahnenstange erreicht wird, ist logisch. Hätte man uns jedes Jahr die Indexanpassung gegeben, hätten wir jetzt 85 Mio. Euro Reserve.

Direktor Meyer hat kürzlich davon gesprochen, dass er eine Dreijahres-Vorausplanung mit prognostizierten 12 Mio. Euro Verlust vorgefunden hat, als er ans Haus gekommen ist…

Platzer: Das war ein Dreijahresplan, bei der die letzte Saison seine erste Saison war. Wie der Name schon sagt, war das ein Planung, die dann im Normalfall verbessert wird. Zum Zeitpunkt der Vorlage, im Herbst 2008, war die Aussicht tatsächlich so. Geworden ist es etwas ganz anderes. Man hat das Ergebnis verbessert und am Schluss sind neun Mio. Euro Rücklagen übrig geblieben.

Das ist deshalb von Interesse, weil am Burgtheater ja Hartmann etwa gesagt hat, er habe das Haus von Bachler mit Schulden übernommen – wogegen sich Bachler gewehrt hat. Sie sagen also: Holender hat die Staatsoper schuldenfrei übergeben?

Platzer: Ja, das muss man klar und eindeutig sagen. Die Rücklagen betrugen neun Millionen.

Haben sie Befürchtungen, dass die Staatsoper zur Sanierung der Finanzmisere des Burgtheaters mit beitragen muss?

Platzer: Laut Auskunft aller wichtiger Stellen, die mit der Sanierung des Burgtheaters befasst sind, hat die Staatsoper genauso wie die Volksoper nichts dazu beizutragen. Das Burgtheater muss sich mehr oder weniger selbst aus dem Schlamassel rausziehen.

Ihr früheres Pendant am Burgtheater, Silvia Stantejsky, ist fristlos entlassen worden. Das Ausmaß der Affäre hat alle erstaunt. Haben Sie zunächst einen Schreck bekommen und sich gefragt, ob Ihnen das auch passieren hätte können, ob Sie wirklich sicher sein können, alles richtig gemacht zu haben?

Platzer: Ich habe mich, was die Staatsoper betrifft, überhaupt nicht geschreckt. Ich bin seit der Ausgliederung hier Geschäftsführer und habe ein System aufgebaut, das ganz einfach funktioniert: Für alle Verträge, alles, was vorne abläuft, gilt strikt das Vier-Augen-Prinzip zwischen Kaufmännischem und Künstlerischen Geschäftsführer. Dieses Vier-Augen-Prinzip geht weiter: Es gibt eine Personaladministration, eine Buchhaltung, und es gibt jemanden, der dann die Rechnungen überweist. Auch dort gibt es überall vier Augen. Wichtig ist nur, dass man in so einer Kette nicht doppelt vorkommt. Dann kann im Normalfall nichts passieren.

Sie sehen also allfälligen Rechnungshofprüfungen in der Staatsoper mit Gelassenheit entgegen?

Platzer: Ja, mit größter Gelassenheit.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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